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Bürgerdialog

TBesorgte Bürger diskutieren in Mulsum mit Minister Meyer: Das sind drei Sorgen

Christian Meyer wird in der Windmühle Anna Maria in Mulsum kritisch beäugt: Stefan Buck kam für sein Anliegen und seine Kritik an Politik und Bürokratie auf die Bühne.

Christian Meyer wird in der Windmühle Anna Maria in Mulsum kritisch beäugt: Stefan Buck kam für sein Anliegen und seine Kritik an Politik und Bürokratie auf die Bühne. Foto: Meyer

Umweltminister Christian Meyer sprach in Mulsum über die Energiewende. Eine Lokalpolitikerin hatte einen Appell, eine Rentnerin eine Frage und ein Landwirt übte Kritik.

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Von Thies Meyer
Mittwoch, 22.04.2026, 11:50 Uhr

Mulsum. Zunächst ist es wie bei einem Dozenten im Hörsaal. 30 Minuten und 30 Sekunden dauert der Monolog des Experten über das Thema Energiewende. Danach wird es interaktiver und das Plenum hat die Chance, Fragen zu stellen - denn das ist der Grund, warum die etwa 50 Zuhörer hier sind.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) - schwarzes Jackett, darunter ein beiger Pullover - steht an diesem Montagabend auf einem roten Teppich und hinter einem Holztisch. Vor ihm im Trauzimmer der Windmühle Anna Maria in Mulsum sitzen Gäste aus Fredenbeck und umzu, die dringend etwas zur Energiewende wissen wollen. Was?

1. Angst vor Überflutung: Das bewegt Stefan Buck

Der Minister habe heute seinen „Stade-Tag“. Erst übergab er der IGS Stade einen Zwei-Millionen-Scheck, dann tagte er bei der Küstenschutzkonferenz im Kreishaus. Am Abend war noch Zeit für einen Dialog mit Bürgern.

Christian Meyer versucht, Stefan Bucks Anliegen zu beantworten.

Christian Meyer versucht, Stefan Bucks Anliegen zu beantworten. Foto: Meyer

Stefan Buck steht mit Mikrofon in der Hand auf, stellt sich neben Meyer und überreicht ihm ein Dokument. Während der Minister den Zettel überfliegt, erzählt ihm Buck: „Das ist ein kleines Statement von uns.“ Ein Statement der Landwirte aus der Region.

Die Kreisverwaltung plant ein neues Naturschutzgebiet im Esseler Moor auf einer Fläche von etwa 368 Hektar. Er kritisiert die Maßnahmen der Unteren Naturschutzbehörde, die Pegelstände dort um 30 Zentimeter zu erhöhen.

In der Windmühle Anna Maria in Mulsum fand der Bürgerdialog mit Christian Meyer statt.

In der Windmühle Anna Maria in Mulsum fand der Bürgerdialog mit Christian Meyer statt. Foto: Meyer

Der Landwirt fürchtet zunehmende Starkregenereignisse. Würden die Pläne umgesetzt werden, „stehen nachher Häuser wie kleine Halligen mitten im Dorf“, so Buck. „Wenn Sie sich dazu mal ein paar Gedanken machen, wie wir innerorts das Binnenwasser in einem vernünftigen Maß gestalten können, ohne dass uns das übergebügelt wird, das wäre eine vernünftige Maßnahme.“

Buck schreibt seine Kontaktdaten auf das Dokument. Weil sich sein Anliegen auch um das Regionale Raumordnungsprogramm dreht, verweist Meyer auf die dafür zuständige Miriam Staudte oder den Landkreis. „Trotzdem kann ich mir das angucken.“

2. „Viele Nackenschläge“: Bürgermeisterin versteht Gegner nicht

Sandra Lemmermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Kutenholz, will etwas loswerden. In Mulsum und Kutenholz gebe es viele Gegner gegen Windparks und die geplanten Windräder in Essel. Sie bekomme viel Gegenwind, weil sie sich für diese Form der Energiewende einsetzt. „Als Hobbypolitikerin bekomme ich viele Nackenschläge.“

Sandra Lemmermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Kutenholz, nutzt ebenfalls die Chance, mit dem Umweltminister zu reden - und hat dabei eine Bitte an alle Gäste.

Sandra Lemmermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Kutenholz, nutzt ebenfalls die Chance, mit dem Umweltminister zu reden - und hat dabei eine Bitte an alle Gäste. Foto: Meyer

„Sie sind hier in einem Wespennest“, veranschaulicht Lemmermann für Meyer. Bürger seien es leid, Windräder zu sehen, die angeblich schlecht für Flora und Fauna seien. „Das stört das Wild überhaupt nicht“, kontert die Jägerin. Wer so denke, den würde sie gerne mal mit auf den Hochsitz nehmen.

Dabei kritisiert sie „ideologisches Denken“ und ihre eigenen Parteikollegen, ob auf Kreis- oder Bundesebene, namentlich erwähnt die Bürgermeisterin Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. „Ich würde es begrüßen, wenn alle hier rausgehen und sagen: Windräder brauchen wir hier.“

Etwa 50 Gäste lauschen dem niedersächsischen Umweltminister im Trauzimmer der Windmühle in Mulsum.

Etwa 50 Gäste lauschen dem niedersächsischen Umweltminister im Trauzimmer der Windmühle in Mulsum. Foto: Meyer

Der Minister gibt Lemmermann Recht. „Vielen Dank, dass Sie das auch tun“, sagt er. Dafür sei ein Bürgerdialog da: sich einerseits berechtigte Kritik anhören, und andererseits mit „viel Unsinn im Netz“ aufzuräumen.

3. Rentnerin fürchtet „Rückwärtsrolle“

Else Zager ist dran. Mit bedrückter Stimme spricht sie die „Rückwärtsrolle“ an. Sie verzweifele, dass die Bundesregierung wieder über Kernkraft nachdenke und dass die allgemeine Stimmungsmache gegen erneuerbare Energien der AfD Stimmen einbringen - in ihrer Heimat Harsefeld hätten zuletzt 25 Prozent AfD gewählt. Zager fragt Meyer: „Welche Chancen sehen Sie, die Rückwärtsrolle zu verhindern?“

Else Zager engagiert sich bei den Omas gegen Rechts und gründete die Bewegung für Harsefeld im Januar 2026 mit.

Else Zager engagiert sich bei den Omas gegen Rechts und gründete die Bewegung für Harsefeld im Januar 2026 mit. Foto: Meyer

Ähnlich wie bei Lemmermanns Bitte rät Meyer: „Man muss aufstehen, sich mit Fakten gegen diese Desinformation wehren.“ Nach einem Abschweifen kommt er auf Zagers Frage zurück. Politik und Bürger könnten etwas tun.

Selbstbewusst betont Christian Meyer: „Ich habe es geschafft, 16 Energieministerinnen und -minister gegen Reiche aufzustellen.“ Niedersachsen hat derzeit den Vorsitz der Energieministerkonferenz. Was kritisiert er an Katherina Reiche?

Selbstbewusst betont Christian Meyer: „Ich habe es geschafft, 16 Energieministerinnen und -minister gegen Reiche aufzustellen.“ Niedersachsen hat derzeit den Vorsitz der Energieministerkonferenz. Was kritisiert er an Katherina Reiche? Foto: Meyer

Meyer will als Vorsitzender der Energieministerkonferenz die Rückkehr des „fossilen Zeitalters“ stoppen, heimische erneuerbare Energien ausbauen und die Stromsteuer senken. „Und fangt nicht an, vor Borkum neues Gas zu fördern“, schiebt er in Richtung Reiche.

Um eine „Rückwärtsrolle“ zu verhindern, könne der Bürger zur Wahlurne gehen. Beispiel Niederlande oder Baden-Württemberg: Bei den Parlamentswahlen 2025 sei der Rechtspopulist und Gegner erneuerbarer Energien, Geert Wilders, abgestraft worden. Und Cem Özdemir habe sich gegen die CDU durchgesetzt, weil die Partei keine privaten Solaranlagen auf Hausdächern fördern wolle.

Die beiden Vorstandssprecher des Grünen-Ortsverbands Fredenbeck, Christian Heise (links) und Markus Winter (rechts), nehmen Christian Meyer in ihre Mitte.

Die beiden Vorstandssprecher des Grünen-Ortsverbands Fredenbeck, Christian Heise (links) und Markus Winter (rechts), nehmen Christian Meyer in ihre Mitte. Foto: Meyer

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