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Fußball-Kreisliga

TBützfleth „zeigt Eier“ - Gänsehaut in Wiepenkathen: Das Kreisliga-Finale

Erhan Danaci streckt den Bilderrahmen mit der Urkunde in die Luft. Bützfleth feiert die Meisterschaft.

Erhan Danaci streckt den Bilderrahmen mit der Urkunde in die Luft. Bützfleth feiert die Meisterschaft. Foto: Berlin

Bützfleth ist Meister. Bargstedt schafft den Klassenerhalt. Das Stadtduell hat es in sich. Am letzten Kreisligaspieltag wird es emotional. Ein Streifzug.

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Von Tim Scholz,
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Von Daniel Berlin
Montag, 08.06.2026, 05:30 Uhr

Landkreis. Eine Viertelstunde steht noch auf der Uhr. Der TuS Eiche Bargstedt spielt gegen den TuSV Bützfleth. Ein Bargstedter Reservespieler zückt das Handy. Er schaut, wie es zwischen Hagen und Bliedersdorf steht.

Hagen schöpft im Fernduell im Kampf um den Klassenerhalt nach dem 2:3-Anschlusstreffer wieder Mut. Bargstedt will sich nicht auf die Konkurrenz verlassen und drückt gegen den Titelanwärter. Kapitän Jan-Philipp Schaerffer knallt den Ball aus mehr als 30 Metern gegen die Latte des Bützflether Tores.

An der Seitenlinie wird es hektisch. Der Bützflether Trainer Can Yildiz und Bargstedts Maik Ohlandt liefern sich ein paar Wortgefechte. Nichts Wildes, was nach dem Abpfiff nicht vergessen ist. Da scheitert Mirco Lemmermann per Kopf an TuSV-Keeper Torben Berkholz. In der 88. Minute schiebt Joshua Zintel einen Handelfmeter unten rechts ins Bützflether Tor. 2:2.

Plötzlich können Wiepenkathen und Stade Meister werden

Das 2:2 des Tabellenführers Bützfleth spricht sich am Schwinger Ackerweg schnell herum. Hier treffen mit dem TSV Wiepenkathen und dem VfL Güldenstern Stade II die beiden direkten Verfolger aufeinander. Kurz vor Schluss steht es noch 0:0. Wer jetzt trifft, zieht an Bützfleth vorbei.

Die Partie wird hektisch. Eine Abseitsentscheidung sorgt für lautstarken Protest, irgendwo am Spielfeldrand fliegt eine Trinkflasche. „Wir müssen ein Tor machen, jetzt!“, ruft Stades Co-Trainer Hauke Dittmer seinen Spielern zu. Nachdem beide Teams lange darauf bedacht waren, keine Fehler zu machen, werfen sie nun alles nach vorne.

In der fünfminütigen Nachspielzeit verpasst der Stader Maurice Schulze eine Hereingabe nur knapp, wenig später scheitert Mitspieler Mattes Wittig am stark reagierenden TSV-Keeper Florian Obst. Dann pfeift Schiedsrichter Marcel Smilari ab, das erst zweite torlose Remis der gesamten Kreisliga-Saison.

Bützfleth macht die Bengalos scharf

Am Tabellenbild ändert sich damit nichts: Stade II bleibt Zweiter, Wiepenkathen folgt direkt dahinter. Jubel? Enttäuschung? Nach diesem Kampfspiel sinken die Spieler zunächst auf den Rasen.

Die Bützflether Fans haben in Bargstedt die Taschen voller Bengalos. Sie wollen sie zünden, den Sportplatz in grünen-grauen Meister-Nebel tauchen. Dass das eine Geldstrafe kostet, interessiert sie nicht. Die 400, 500 Euro planen sie ein. In der fünften Minute der Nachspielzeit machen sie die Pyrotechnik bereit.

Süleyman Yaman erzielte drei Tore gegen Bargstedt.

Süleyman Yaman erzielte drei Tore gegen Bargstedt. Foto: Berlin

Süleyman Yaman trifft für Bützfleth zum 3:2 vom Elfmeterpunkt. Ein paar Kollegen können nicht hinsehen, Kapitän Erhan Danaci dreht sich weg. Ein Spieler geht auf die Knie. Er scheint zu beten. Yamans 27. Saisontor ist das letzte der Saison und das 101. des neuen Meisters der Kreisliga Stade. Bützfleth feiert.

Die Spieler tauchen in die dichten Rauchschwaden ein. Einige tragen Kinder auf den Schultern. Da packen die Offiziellen vom Verband schon die Medaillen aus. Fast schon entschuldigend übergibt Staffelleiter Kai Uwe Gersmann „leider nur eine Urkunde“, keine glänzende Meisterschale. Erhan Danaci streckt den Bilderrahmen wie einen Pokal in die Höhe.

Stahn gerührt: Mehr Zeit für die Familie

Zurück in Wiepenkathen. VfL-Coach Christoph Stahn hätte sich nach vier Jahren auch gerne mit der Meisterschaft aus Stade verabschiedet, auch wenn der Aufstieg durch den Landesliga-Abstieg der ersten Mannschaft nicht möglich gewesen wäre. „Ich bin trotzdem stolz. Wir haben eine erfolgreiche Saison gespielt“, sagt er.

VfL-Trainer Christoph Stahn möchte künftig kürzertreten.

VfL-Trainer Christoph Stahn möchte künftig kürzertreten. Foto: Scholz

Künftig möchte Stahn kürzertreten und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Bei seiner Verabschiedung stehen Ehefrau Leah und die Söhne Henri und Theo an seiner Seite. Die Mannschaft überreicht Blumen und bedankt sich für die gemeinsame Zeit. „Ich war elf Jahre durchgehend Trainer. Jetzt möchte ich sonntags nicht mehr immer Verpflichtungen haben“, sagt er sichtlich gerührt.

"Road to Bezirksliga": Bützfleth feiert mit den Meistertrikots.

"Road to Bezirksliga": Bützfleth feiert mit den Meistertrikots. Foto: Berlin

Indes entstehen auf dem Bargstedter Sportplatz zwischen den Torpfosten und an der Seitenlinie die Meisterfotos. Erst das normale Jubelbild des Teams. Dann das Foto mit den Familien und den Freunden, später das Bild mit den schwarzen T-Shirts, auf denen Aufsteiger 25/26 und „Road to Bezirksliga“ steht.

So erleben die Leistungsträger das Saisonfinale

Erhan Danaci erzählt, wie er das Herzschlagfinale erlebt hat. „Wir wussten, dass das hier nicht einfach wird, dass Bargstedt zu Hause giftig ist.“ Es freue ihn, dass es für Bargstedt trotz der Niederlage gereicht hat für den Klassenerhalt. Er als Bützflether Kapitän hatte vor dem Spiel einen besonderen Job.

Danaci redete auf die Kollegen ein. Dass sie wie immer spielen sollen. Dass das Bauchkribbeln da sein werde, dass seine Mitspieler „Eier zeigen sollten“. Einen ähnlichen Job hatte der erfahrene Süleyman Yaman.

Es kribbelte bei Yaman, der mit A/O bereits einen Aufstieg erlebt hatte. Aber er sei Bützflether Junge, deshalb sei der Erfolg „etwas sehr, sehr Besonderes“. Er dachte die ganze Woche an das Highlight der Saison, „an den positiven Druck“. In der Kabine forderte er Kampfgeist. „Bargstedt hat uns das Leben extrem schwer gemacht“, sagt Yaman. Er zieht den Hut.

Bützfleths Trainer Can Yildiz: „Die Krönung.“

Bützfleths Trainer Can Yildiz: „Die Krönung.“ Foto: Berlin

TuSV-Coach Can Yildiz trat vor drei Jahren mit dem Ziel an, innerhalb von vier Jahren in die Bezirksliga aufzusteigen. Jetzt schaffte Bützfleth den Aufstieg früher. „Ein Traum“, so Yildiz. „Die Krönung.“ Etwas abseits feiern die Bargstedter den Klassenerhalt ein wenig ruhiger, dafür aber nicht weniger emotional.

„Bist du bescheuert?“: Nach Rauswurf wieder dabei

Trainer Maik Ohlandt verabschiedet sich nach vier Jahren „aus persönlichen Gründen“. Co-Trainer Thomas Lamann wird übernehmen. „Jeder Tag hat sich gelohnt“, sagt Ohlandt. Er kämpft gegen die Tränen. Er bezeichnet den Verein als „Familie“ und die Truppe als „spitzenmäßig“. Vor 14 Jahren warf Eiche Ohlandt raus. Weil er wiederkehrte, fragten ihn einige, ob er „bescheuert“ sei.

Lieblingsplatz: Für Bargstedts Trainer Maik Ohlandt war es das letzte Spiel.

Lieblingsplatz: Für Bargstedts Trainer Maik Ohlandt war es das letzte Spiel. Foto: Berlin

Auch auf Wiepenkathener Seite gibt es Abschiede. Nach Schlusspfiff wird mitten auf dem Spielfeld ein 3,40 mal 1,73 Meter großes Banner aufgestellt: „Tim Duchow – Eine Legende sagt Servus.“

Nach mehr als 200 Spielen beendet der Wiepenkathener seine Laufbahn. Gegen Stade durfte er die Kapitänsbinde tragen. „Sportlich wie menschlich bricht eine Bank weg“, sagt Trainer Nils Zielesniak. Neben Duchow werden auch Torjäger Fabian Wulff und Gordon Nickel aufhören.

Große Überraschung für Tim Duchow (liegend): Freunde haben die Banner-Aktion organisiert.

Große Überraschung für Tim Duchow (liegend): Freunde haben die Banner-Aktion organisiert. Foto: Scholz

Tim Duchow ist überwältigt von der Banner-Aktion, die seine Freunde von der Freiwilligen Feuerwehr Wiepenkathen organisiert haben. „Ich habe Gänsehaut bekommen“, sagt der 34-Jährige und bekommt einen zweiten, dritten Becher Bier gereicht.

Ur-Wiepenkathener macht Schluss mit Fußball

Duchow ist seit Geburt TSV-Mitglied und gehört seit seinem zwölften Lebensjahr der Feuerwehr an, in der er heute Führungsverantwortung hat. „Ich bin ein Ur-Wiepenkathener“, sagt er lächelnd. Doch nun ist Schluss mit Fußball. Der Rücken, das Knie, ein zweifacher Knorpelschaden. „Ich beiße mich durch, aber für meinen Körper wird es zu viel“, erklärt er.

Ganz vorbei ist die Fußballzeit allerdings noch nicht. Mit dem TSV Wiepenkathen geht es in die Relegation gegen Geversdorf, den Vizemeister der Cuxhavener Kreisliga. Außerdem wartet am 20. Juni das Kreispokalfinale gegen Immenbeck.

Gefeiert wird trotzdem schon jetzt. Duchow hat 65 Liter Fassbier spendiert. Und vielleicht zieht die Mannschaft später noch weiter in seinen Partykeller. Der liegt nur drei Gehminuten vom Sportplatz entfernt.

Bargstedt feiert im ZDF-Fernsehgarten

Die Spieler des TuSV Bützfleth setzen sich ins Auto und grillen am Abend mit Freunden und Familie. Danach fliegen sie nach Mallorca. Auch Bargstedt plant eine besondere Reise.

Bargstedt verabschiedet neben Trainer Maik Ohlandt auch einige Spieler.

Bargstedt verabschiedet neben Trainer Maik Ohlandt auch einige Spieler. Foto: Berlin

„Mit 15 Mann im Eiche-Trikot fallen wir am nächsten Sonntag im Fernsehgarten ein“, erzählt Ohlandt. Das Team fährt drei Tage nach Mainz. Der Besuch der ZDF-Kultsendung gilt als Highlight der Reise. Die TV-Übertragung ist live. Ohlandt freut sich diebisch.

TSV-Keeper Florian Obst war der starke Rückhalt seiner Mannschaft. Wiepenkathen kassierte in dieser Saison nur 36 Gegentreffer.

TSV-Keeper Florian Obst war der starke Rückhalt seiner Mannschaft. Wiepenkathen kassierte in dieser Saison nur 36 Gegentreffer. Foto: Scholz

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