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Kneipenszene

TBuxtehude: So macht die Wirtin ihr „Mirwald‘s“ zum Wohnzimmer

Erst am Fleth, jetzt am Geesttor: Seit 2022 betreibt Sabine Mirwald ihre Kneipe.

Erst am Fleth, jetzt am Geesttor: Seit 2022 betreibt Sabine Mirwald ihre Kneipe. Foto: Scholz

Trotz des Kneipensterbens und ohne Businessplan eröffnete Sabine Mirwald eine Kneipe. Das „Mirwald‘s“ läuft gut. Nun musste sie allerdings umziehen.

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Von Tim Scholz
Freitag, 20.02.2026, 17:50 Uhr

Buxtehude. Mittwoch, 14.30 Uhr. Sabine Mirwald öffnet die Tür von innen. Durch einen schwarzen Vorhang geht es hinein. Eine Mitarbeiterin wischt den Boden, Mirwald telefoniert kurz. Dann schaltet sie das Licht an. „Willkommen bei Freunden unter Freunden“, sagt sie.

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Dieses Motto begleitet das Mirwald‘s seit der Zeit am Fleth - und es bleibt auch nach dem Umzug vor rund anderthalb Monaten bestehen. Seit Januar ist die Kneipe nur wenige Hundert Meter weiter, Am Geesttor 4, zu finden, zwischen Altstadt-Buchhandlung und Möbel Dreyer.

Mirwald setzt sich zusammen mit ihrer Tochter Marlene auf die Bühne, ein erhöhtes Podest, auf dem sonst Bands auftreten oder DJs auflegen. Von hier aus lässt sich der Raum gut überblicken: neuer Tresen, Tischkicker und eine Wand voller Poster einer Hamburger Brauerei. Was dagegen?

„Die Kneipe ist für viele wie ein Wohnzimmer“

Als alleinerziehende Mutter zweier Töchter kam Mirwald vor einigen Jahren nach Buxtehude. Während Corona verlor sie ihren Job und begann, im „Bebop“ am Fleth zu arbeiten. „Vorher bin ich nie in Kneipen gegangen“, sagt sie. Doch der Umgang mit Menschen lag ihr. Sie kam bei den Gästen gut an. „Mama hat damals schon echt viel gearbeitet, auch wenn es nicht ihr Laden war“, sagt Tochter Marlene.

Nach der Eröffnung der Kneipe hatte Sabine Mirwald schnell ein junges Publikum.

Nach der Eröffnung der Kneipe hatte Sabine Mirwald schnell ein junges Publikum. Foto: Scholz

2022 kam das Angebot, die Kneipe zu übernehmen. Sabine Mirwald zögerte nicht lange. Sie hatte vor 30 Jahren eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht, später immer wieder in der Gastronomie gejobbt und zuletzt bei einem Spirituosenhersteller gearbeitet. „Warum eigentlich nicht?“, dachte sie. Wenig später öffnete das Mirwald‘s am Fleth. Ohne Businessplan, ohne Konzept. Und das in einer Zeit, in der die Zahl der Kneipen deutschlandweit rückläufig ist.

In Buxtehude scheint die Lage dagegen relativ stabil zu sein. „Ich war überrascht, wie gut es lief“, sagt Mirwald. Schnell kam ein jüngeres Publikum. Unter den Gästen bildeten sich Freundeskreise. Es gibt Bingo-, Skat- und Knobelabende. Die Musik ist nicht auf eine Stilrichtung festgelegt. „Viele kommen nicht nur, um Alkohol zu trinken“, sagt Marlene Mirwald. „Die Kneipe ist für viele wie ein Wohnzimmer.“

Inzwischen gibt’s auch einen zweiten Standort

Den Erfolg führt sie vor allem auf ihre Mutter zurück. „Mama ist offen für alle und nimmt jeden so wahr, wie er ist.“ Hinzu kommt das Team: „Da sind verschiedene Typen dabei, jüngere und ältere, einige ruhig, andere tanzen auch mal.“

Sabine Mirwald in ihrem Element. „Warum hast du das nicht schon früher gemacht?“, fragen Freundinnen.

Sabine Mirwald in ihrem Element. „Warum hast du das nicht schon früher gemacht?“, fragen Freundinnen. Foto: Scholz

Sabine Mirwald ist mit der Kneipe genau in ihrem Element. „Meine Freundinnen fragten mich: Warum hast du das nicht schon früher gemacht?“ Ende 2024 eröffnete die 52-Jährige ein weiteres Mirwald‘s in Pinneberg.

Ihre Tochter Marlene arbeitet seit zwei Jahren mit, übernimmt Verantwortung an der Theke und beim Einkauf. „Die Gäste sehen mich als zweite Chefin“, sagt die 20-Jährige. Mutter und Tochter zählen die Beschäftigten an beiden Standorten mehrfach an den Fingern durch, bis die Zahl stimmt: 13.

Mit diesen Herausforderungen kämpft Mirwald

15 Uhr. Mitarbeiterin Linnea schließt den Laden auf, schaltet die Musik ein. „Fast Car“ erklingt aus den Boxen, Sonnenlicht fällt durch die Fenster. Gleich dürften die ersten Gäste kommen.

Inzwischen gibt es ein weiteres „Mirwald‘s“ in Pinneberg.

Inzwischen gibt es ein weiteres „Mirwald‘s“ in Pinneberg. Foto: Scholz

Sabine Mirwald spricht über die Herausforderungen. Über den Papierkram und den Versuch, sich bewusst freie Tage zu nehmen. Sie spricht über die Mentalität der Gäste in Pinneberg, wo sich Veränderungen schwerer durchsetzen ließen. Und über die alte Location am Fleth.

Eine komplizierte Geschichte. Wegen „Unstimmigkeiten“ mit dem Vermieter habe sie Ende vergangenen Jahres schließen müssen. Wer dort einzieht? Sie zuckt mit den Schultern.

So sorgt das Mirwald’s für Aufmerksamkeit

Das frühere Lokal wird umgebaut. Über einen QR-Code an der Scheibe ist zu erfahren, dass dort bald „Buxi‘s“ eröffnen soll. Für Mirwald ist das Kapitel abgeschlossen. Sie hofft auf mehr Laufkundschaft und darauf, dass sich der neue Standort rasch herumspricht.

Früher ging Sabine Mirwald nie in Kneipen. Später stellte sie fest, dass ihr der Umgang mit Menschen liegt.

Früher ging Sabine Mirwald nie in Kneipen. Später stellte sie fest, dass ihr der Umgang mit Menschen liegt. Foto: Scholz

Helfen soll Social Media. Der Instagram-Kanal wird inzwischen professionell betreut. Mirwald kündigt dort Events - Livemusik, Fasching, Karaoke - an und stellt täglich die Mitarbeiter vor, die hinter dem Tresen stehen. „Wehe, es gibt Änderungen im Schichtplan! Dann fragen die Gäste, warum derjenige nicht da ist“, sagt Marlene Mirwald lachend.

Geöffnet bis tief in die Nacht

Eines bleibt unverändert: Das Mirwald’s ist eine Raucherkneipe, „ein Gemütlichkeitsfaktor“, wie die Inhaberin sagt und dabei auf die Lüftungsanlage deutet. Geöffnet ist täglich, freitags und samstags bis 4 Uhr. „Wenn die anderen schließen, haben wir noch geöffnet.“

Um 15.30 Uhr sitzen fünf Gäste und ein Hund in der Kneipe. Am Tresen wird geraucht. Die Mitarbeiterin serviert Kaffee, Astra und Jägermeister. Im Hintergrund laufen Hits von Nena und Elton John. Mirwald wirkt zuversichtlich: „Es ist auf jeden Fall kein Nachteil, dass wir umgezogen sind.“ Es läuft.

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