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TBuxtehuder City: Dieses Haus kennt seit 137 Jahren keinen Leerstand

Das Pröhl-Gebäude an der Langen Straße 36 heute. Seine Eigentümer bewirtschaften es seit 137 Jahren. Leerstand kennt es nicht.

Das Pröhl-Gebäude an der Langen Straße 36 heute. Seine Eigentümer bewirtschaften es seit 137 Jahren. Leerstand kennt es nicht. Foto: Foto Schattke

Pröhl gilt als eines der ältesten durchgehend am selben Standort betriebenen Unternehmen in Buxtehude. Wie aus einer Drechslerei das Genusshaus wurde.

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Von Thomas Sulzyc
24.10.2026, 08:00 Uhr

Buxtehude. Einzelne Leerstände in der Ladenfront der Buxtehuder Altstadt sind mittlerweile unübersehbar. Sie sind Zeichen eines Strukturwandels im Einzelhandel. Symbol der Kontinuität der Buxtehuder Geschäftswelt ist dagegen das Haus an der Langen Straße 36: Leerstand kennt es seit 137 Jahren nicht.

Das Pröhl-Haus im Jahr 1920 mit Schriftzug Wilhelm Pröhl.

Das Pröhl-Haus im Jahr 1920 mit Schriftzug Wilhelm Pröhl. Foto: Archiv Pröhl

Die Firmengeschichte seiner Eigentümer reicht sogar 140 Jahre zurück. So lange ist das Familienunternehmen Pröhl bereits im Geschäft.

Im Oktober 1886 gründet Wilhelm Pröhl in der Langen Straße eine Drechslerei. Das Geschäft befand sich damals noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite - in etwa dort, wo sich heute die Parfümerie Douglas im Modehaus Stackmann befindet.

Das Foto zeigt Wilhelm Pröhl im Jahr 1886 an der Drehmaschine in seiner Werkstatt an der Langen Straße.

Das Foto zeigt Wilhelm Pröhl im Jahr 1886 an der Drehmaschine in seiner Werkstatt an der Langen Straße. Foto: Archiv Pröhl

Drei Jahre später erwirbt er das Haus Lange Straße 36 und wechselt zum heutigen Standort. In seiner Werkstatt habe der Drechsler Wilhelm Pröhl Felgen von Holzrädern für Pferdekutschen und Treppengeländer produziert, sagt Peter Eckhoff (71), Geschäftsführer der Firma Pröhl von 1996 bis 2018. Wilhelms Ehefrau Auguste arbeitet ebenfalls im Betrieb: Sie repariert Regenschirme. Schirmmacher ist damals ein Beruf.

Vier Kinder haben Auguste und Wilhelm: Martha, Frieda, Friedrich und Hermann. Hermann erlernt wie sein Vater das Drechslerhandwerk. Das prominenteste heute noch erhaltene Erzeugnis der Drechslerei fertigen Wilhelm und Hermann Pröhl gemeinsam: Nach dem Großfeuer 1911 in der Buxtehuder Altstadt, bei dem das Rathaus zerstört wird, sind sie am Neubau beteiligt.

Die Docken von Pröhl, das sind Geländersäulen an Treppen, sind im Rathaus bis heute erhalten. Docken des Firmengründers sind heute auch an einer auffällig geschwungenen Treppe im Pröhl-Haus verbaut.

Peter Eckhoff zeigt im Pröhl-Haus die auffällig geschwungene Treppe, die aus dem Erdgeschoss in das erste Geschoss führt. Die gedrechselten Geländersäulen aus Holz, Docken genannt, hat Firmengründer Wilhelm Pröhl hergestellt.

Peter Eckhoff zeigt im Pröhl-Haus die auffällig geschwungene Treppe, die aus dem Erdgeschoss in das erste Geschoss führt. Die gedrechselten Geländersäulen aus Holz, Docken genannt, hat Firmengründer Wilhelm Pröhl hergestellt. Foto: Sulzyc

„Um den Auftrag beim Rathaus-Neubau ausführen zu können, war Wilhelm Pröhl einer der Ersten in Buxtehude, der elektrischen Strom bezogen hat“, sagt Peter Eckhoff. Den Strom habe die Mühle am Fleth, heute ein Hotel, erzeugt.

Vater und Sohn fangen an, im Geschäft Pfeifen zu drechseln. Hermann sollte das Geschäft seines Vaters weiterführen, doch er verliert im Ersten Weltkrieg sein Leben.

1920: Tabakhandel löst die Drechslerei ab

Nach dem Tod seines Bruders tritt Friedrich, ein gelernter Kaufmann, die Nachfolge seines Vaters an. Nach der Hochzeit mit Antonie übernimmt er 1920 das Geschäft und beginnt damit, Tabak zu verkaufen. Die Drechslerei gibt der Kaufmann auf.

Kurze Zeit später kommen die beiden Töchter Ursula und Christa zur Welt. Das Familienunternehmen nimmt Zigaretten, Zigarren und Regenschirme in das Sortiment auf.

Schirmmacherei bringt Betrieb durch Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs verliert das Geschäft mit Tabak an Bedeutung. Die Reparatur von Schirmen wird Standbein des Geschäfts. Nach dem Krieg beginnt Friedrich mit dem Umtausch von selbst angebautem Rohtabak.

„Damals wurde bei uns in der Region Tabak angebaut“, sagt Ole Prior, der seit 2018 Firmenchef ist. Die Leute tauschen bei Pröhl ihren Tabak gegen Zigarren und Pfeifen ein. Friedrich Pröhl wiederum macht mit dem Tabak ein Geschäft, indem er ihn an Zigarrenfabriken in Hamburg verkauft. Das Geschäft läuft gut. Die Familie nimmt am Gebäude einige Umbauten vor.

Tabakwaren bis unter die Decke bei Pröhl. Im Kassenbereich ist eine sogenannte Zündflamme installiert. Diese diente den Kunden zum direkten Anzünden ihrer Tabakwaren. Wann das Bild entstand, ist nicht bekannt. Vermutlich stammt es aus den 1950er Jahren.

Tabakwaren bis unter die Decke bei Pröhl. Im Kassenbereich ist eine sogenannte Zündflamme installiert. Diese diente den Kunden zum direkten Anzünden ihrer Tabakwaren. Wann das Bild entstand, ist nicht bekannt. Vermutlich stammt es aus den 1950er Jahren. Foto: Archiv Pröhl

1960 erkrankt Friedrich. Nach seinem Tod im Jahr 1971 übernimmt seine Tochter Christa Pröhl die Leitung des Familienunternehmens. Sie führt das Geschäft über Jahrzehnte. 2008 stirbt Christa Pröhl.

1995 bereits übernimmt Peter Eckhoff, Sohn von Christas Schwester Ursula, das Geschäft. 2009 eröffnet Pröhl eine Filiale im Rewe-Markt an der Konrad-Adenauer-Straße.

Firmenchef Ole Prior (links) und sein Vorgänger Peter Eckhoff sitzen in der Lounge im 1. Geschoss des Pröhl-Hauses.

Firmenchef Ole Prior (links) und sein Vorgänger Peter Eckhoff sitzen in der Lounge im 1. Geschoss des Pröhl-Hauses. Foto: Sulzyc

Peter Eckhoff baut das Angebot an Spirituosen aus. Das 1. Obergeschoss, früher Wohnung von Christa Pröhl, verwandelt sich 2011 in eine Lounge. Die Idee: Kunden, die im Laden eine Zigarre oder eine Spirituose kaufen, dürfen sie gemütlich in dem exklusiven Aufenthaltsraum genießen. Im Dachgeschoss befindet sich das Warenlager.

Seit 2018 führt Peter Eckhoffs Adoptivsohn Ole Prior (38) den Traditionsbetrieb Pröhl. Er trägt den Nachnamen seiner Ehefrau - Lisa Prior, bis 2018 Bundesliga-Handballspielerin beim Buxtehuder SV.

Fünfter Ladeninhaber in der Pröhl-Dynastie: Ole Prior steht zwischen Regalen mit Whiskys und anderen Spirituosen.

Fünfter Ladeninhaber in der Pröhl-Dynastie: Ole Prior steht zwischen Regalen mit Whiskys und anderen Spirituosen. Foto: Sulzyc

Ole Prior baut den Erlebniswert aus, veranstaltet heute 40 bis 50 Verkostungen pro Jahr mit Whisky oder anderen Spirituosen. Whisky importiert er zum Beispiel von Destillen in Schottland, die er selbst aufgesucht hat.

Damit entwickelt sich Pröhl zunehmend von einem klassischen Einzelhandelsgeschäft zu einem Laden, der Erlebnis und Anlass zum Verweilen bietet. Laut Experten gilt das als erfolgversprechende Überlebensstrategie im kriselnden stationären Einzelhandel. Genusshaus nennt sich der Betrieb selbst.

Geht es nach Ole Prior, bleibt Pröhl die Konstante in der Buxtehuder Altstadt: „Es sollen noch einige Jahrzehnte hinzukommen.“

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