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English Theatre

TDennis Tappert ist nach langer Krankheit zurück auf der Buxtehuder Bühne

Probe im Garten: Dennis Tappert in Aktion.

Probe im Garten: Dennis Tappert in Aktion. Foto: Felsch

Rechtzeitig zum Bühnenjubiläum ist das Ensemble des English Theatre Buxtehude wieder vollständig. Da zwei Mitglieder erkrankt waren, blieb der Vorhang 2025 geschlossen.

Von Franziska Felsch Mittwoch, 08.04.2026, 15:50 Uhr

Buxtehude. Einer davon ist Dennis Tappert. Regisseur, Stückeschreiber und Hauptdarsteller seit 2017, für den das Theater ähnlich wie eine Therapie wirkt. Neben der Psychotherapie und dem Coaching, das der 41-Jährige wöchentlich in Anspruch nimmt, hilft ihm das Theater, gesund zu werden – was ihm seine Ärzte bestätigten. „Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, fühle ich mich wohl“, sagt er. Das ist nicht immer so gewesen. Tappert erzählt seine Geschichte.

Texte lernen gehört dazu: Dennis Tappert schlüpft für das Shakespeare-Medley in verschiedene Rollen.

Texte lernen gehört dazu: Dennis Tappert schlüpft für das Shakespeare-Medley in verschiedene Rollen. Foto: Felsch

„Schwere rezidivierende depressive Episode“ – so die Diagnose, die den Lehrer vor über einem Jahr aus seinem Berufsleben katapultierte. Nicht über Nacht. „Das hat sich über lange Zeit angesammelt, immer wieder hatte ich in den Ferien Lungeninfekte und andere Krankheiten, aber ich habe das ignoriert und weitergemacht“, erzählt er.

Schwere Panikattacke beim Abendessen

Als er die Schmerzen im Bauch und Rücken nicht mehr aushalten konnte, ließ er sich durchchecken, doch sämtliche medizinische Untersuchungen - Blutbild, Ultraschall, CT und EKG - waren unauffällig. Einen Tag vor Ende der Herbstferien 2024 dann der totale Zusammenbruch.

Eine plötzliche Panikattacke beim Abendbrot, gefolgt von einem Weinkrampf und der Erkenntnis: „Ich kann nicht mehr, so geht es nicht weiter.“ Seine Frau, eine Grundschullehrerin, bestärkte ihren Mann, am nächsten Morgen statt zur Schule zum Hausarzt zu gehen. „Der kennt mich lange und wusste meinen Zustand richtig einzuschätzen“, so Tappert. Bis zur Einweisung in eine psychosomatische Klinik im Februar 2025 schrieb der Arzt ihn krank und verordnete Beruhigungstabletten.

Zu Hause übt Dennis Tappert seinen Aufritt.

Zu Hause übt Dennis Tappert seinen Aufritt. Foto: Felsch

Seit der Entlassung aus dem Krankenhaus Ende April behandelt eine Therapeutin ihn weiter. Einmal im Monat überprüft ein Psychiater die Fortschritte. „Es geht besser, ich bin noch nicht über den Berg, jedenfalls ist meine Stimme wieder da“, freut sich Tappert, der während seines Krankenhausaufenthalts auf einmal nicht mehr sprechen konnte. „Wochenlang, besonders schlimm für einen Mann der Worte“, findet Tappert. „Irgendwer hat mir gesagt, das käme daher, weil man mir nicht richtig zugehört habe“, fügt er hinzu.

Lehramtsstudium statt Schauspielerei

Aber auch er selber habe nicht auf das gehört, was sein Körper ihm hat sagen wollen, gibt er zu. Schon lange vor dem Knockout. „Die Geburt unseres ältesten Sohnes, ein Frühchen, hat mich das erste Mal aus der Bahn geworfen, dann hatte ich mich in der Schule nicht mehr wohl gefühlt.

Mit den Kollegen, Schülern und dem größten Teil der Eltern kam ich klar, aber nicht mit der Leitung“, so der Gymnasiallehrer, der auch mit dem System haderte: „Heute soll jeder Abitur machen, manche Eltern wollen nicht einsehen, dass ihr Kind nicht für die Universität geeignet ist und die Schulleitung unterstützt einen wenig“, so seine Erfahrung.

„Als Kind hatte ich nur zwei Berufswünsche: Lehrer oder Schauspieler. Ich habe von klein auf gerne Theater gespielt, als Jugendlicher erstmals Regie geführt, im Kirchenchor und später in Musicals gesungen.“ Tappert, dessen Vorfahren aus Amerika stammen, ging einen Kompromiss ein, er studierte und unterrichtete Englisch, Geschichte und Darstellende Kunst, leitete Theaterprojektwochen. Aber das füllte ihn nicht aus. „Es ist einfach nicht dasselbe“, sagt er.

Achterbahnfahrt durch Shakespeares Werke

Zurück zur Schule sei für ihn zurzeit keine Option. „Ich bin froh, dass psychische Erkrankungen kein Stigma mehr bedeuten, ich kann nur jedem raten, sich behandeln zu lassen“, zieht Tappert sein persönliches Fazit.

Seit Ende 2024 ist der Pädagoge pensioniert, gilt als dienstunfähig. Sein Plan ist, seine Leidenschaft weiter auszubauen. Derzeit arbeitet er an einer Ein-Mann-Bühnen-Show und an einer Comedy-Web-Serie.

Dem English Theatre Buxtehude, das von Marc Lindon 1986 gegründet wurde – aus einem VHS-Kurs heraus – und das er 2017 von Karsten Wildeisen übernommen hat, will er treu bleiben. Im April steht er als Moderator und in mehreren Rollen von Cäsar bis Ophelia in „English Theatre Buxtehude goes Shakespeare“ auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten.

Erste Vorstellung findet am Freitag,17. April, statt

Für die „Achterbahnfahrt durch die Werke des Barden von Avon“, das mit einer Portion Ernsthaftigkeit, mit viel Humor und einem Übermaß an Chaos daherkommt, probt er bereits, ebenso wie seine Kollegen, von denen Waltraud Hundshagen und Jürgen Kortisa zu den Urgesteinen des Ensembles gehören.

Das Publikum ist eingeladen, einzusteigen und die Höhen und Tiefen der Werke Shakespeares zu genießen, von „Romeo und Julia“ über „Titus Andronicus“ und dem „Midsommernachtstraum“ bis hin zu „Hamlet“ – dem Prinzen von Dänemark am Freitag, 17., Sonnabend, 18., Donnerstag, 23. und Freitag, 24. April, im Kulturforum, Beginn: 20 Uhr. Tickets zu 12 Euro, Schüler und Studenten 7 Euro, sind buchbar unter www.kulturforum-hafen.de/tickets.

Das Ensemble des English Theatre ist „back on stage“.

Das Ensemble des English Theatre ist „back on stage“. Foto: English Theatre

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