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TDie Unvollendete hört auf: BSV-Shooterin Isabelle Dölle beendet Karriere

Isabelle Dölle spielt seit acht Jahren für den Buxtehuder SV. Bald ist Schluss.

Isabelle Dölle spielt seit acht Jahren für den Buxtehuder SV. Bald ist Schluss. Foto: Jan Iso Jürgens

Exklusiv: Im TAGEBLATT spricht die BSV-Spielerin über die Entscheidung, eine Karriere ohne Titel und ein freudiges Ereignis im Sommer.

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Von Tim Scholz
Montag, 06.04.2026, 15:00 Uhr

Buxtehude. In der ausverkauften Halle Nord geht das Licht aus, der Spot ist auf die Spielerinnen gerichtet. Isabelle Dölle läuft mit zwei Kindern an der Hand über einen roten Teppich in die Arena. „Isi“, ruft der Hallensprecher. „Dölle“, antworten die Fans. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Doch damit ist bald Schluss.

Beim BSV weiß man es schon lange: Am Saisonende wird die 27-jährige Rückraumshooterin ihre Karriere beenden. Dies bestätigten sie und Manager Peter Prior am Samstagabend nach der knappen 29:30-Niederlage gegen Halle-Neustadt auf TAGEBLATT-Nachfrage. Nur noch sechsmal wird Dölle für den BSV auflaufen.

„Ich habe schon so viel Strafe gezahlt“

Nach der Partie sucht sie einen ruhigen Ort, um ihre Entscheidung zu begründen, und wählt ein menschenleeres Treppenhaus in der Halle Nord. „Die Entscheidung stand schon zu Saisonbeginn fest“, erklärt sie. Auslöser sei ihr Berufseinstieg bei der Reederei Hapag-Lloyd gewesen, eigentlich eine Vollzeitstelle.

Doch aktuell arbeitet sie durch eine Art Sonderregelung in Teilzeit. „Ich merke, wie die Aufgaben und die Verantwortung mehr werden und würde da gerne noch mehr Zeit investieren“, sagt Dölle. Sie wolle im Job noch etwas erreichen.

Isabelle Dölle und ihr langjähriger Partner Dominik Axmann, der ebenfalls in der Bundesliga spielt (2022).

Isabelle Dölle und ihr langjähriger Partner Dominik Axmann, der ebenfalls in der Bundesliga spielt (2022). Foto: Scholz

Hinzu kommt: Dölle ist inzwischen zu ihrem Partner Dominik Axmann nach Hamburg gezogen und pendelt täglich zum Training nach Buxtehude. „Ich verbringe unglaublich viel Zeit auf der A7“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich habe schon so viel Strafe in die Mannschaftskasse gezahlt, weil ich zu spät gekommen bin oder in einem Meeting nicht auf die Uhr geschaut habe.“ Früher seien es zehn Minuten Fahrt zur Halle gewesen, heute eine Stunde. Irgendwann wurde es ihr zu viel.

Isabelle Dölle - die Unvollendete?

Nach so vielen Jahren im Leistungssport - Internat, Auswahlmannschaften, acht Jahren Bundesliga - wuchs der Wunsch nach einem anderen Leben. „Man freut sich auch darauf, mal keine Verpflichtungen zu haben“, sagt Dölle und spricht einen weiteren Punkt an: „Als Frau hat man auch eine biologische Uhr.“

Titel hat Dölle keine gewonnen und auch zu ihren besten Zeiten nie eine Einladung zur Nationalmannschaft bekommen. Ihr Vater konnte das nicht verstehen und sagte vor zwei Jahren: „Für mich ist sie eine der stärksten Linkshänderinnen in Deutschland.“

Dölle, die Unvollendete? „Ich bin fein damit, wie es gelaufen ist“, sagt sie. „Am Ende macht man es für sich selbst, weil es Spaß macht oder weil man in dieser coolen Halle spielt.“ Ohne Reue, aber mit viel Dankbarkeit blickt sie zurück.

Isabelle Dölle gehört zu den torgefährlichsten Spielerinnen der BSV-Geschichte.

Isabelle Dölle gehört zu den torgefährlichsten Spielerinnen der BSV-Geschichte. Foto: Felix Schlikis/Lobeca.de (Archiv)

Ihre Karriere hätte dennoch anders verlaufen können. Beinahe wäre sie ins Ausland gewechselt, auch Herbert Müller, der Trainer des Thüringer HC, klopfte immer wieder an. Doch Dölle blieb, wegen des Umfelds, des Studiums und wegen Axmann, der mit dem HSV Hamburg ebenfalls in der Handball-Bundesliga spielt. „Am Ende bin ich hier kleben geblieben“, sagt sie.

Dölle zeigt ein Spiel mit Höhen und Tiefen

2018 wechselte sie von Werder Bremen nach Buxtehude. Seitdem trägt sie das BSV-Trikot, ist heute die dienstälteste Spielerin, war Mannschaftskapitänin, wurde zur BSV-Spielerin der Saison gewählt und hat kaum eine Partie verpasst. Mit 658 Toren in 185 Spielen hat sie einen festen Platz in den Top 10 der BSV-Historie. Aktuell steht sie bei 87 Toren und 54 Vorlagen. Trainer Nicolaj Andersson sagte kürzlich, sie sei „eine der wichtigsten Rückraumspielerinnen“ im Kader.

Am Samstag zeigte Dölle einen Auftritt mit Höhen und Tiefen. In der Anfangsphase hakte das Zusammenspiel noch, dann traf Dölle wuchtig aus dem Rückraum, später folgten Fehlwürfe und ein Pfostentreffer. Fünf Tore bei elf Versuchen, zwei Zeitstrafen, eine davon wegen eines Wechselfehlers. Kurz vor Schluss erzielte sie das 29:30 und ließ den BSV zumindest noch auf einen Punkt hoffen.

„Bei dieser Zahl an technischen Fehlern und Fehlwürfen wird es schwierig, Punkte zu holen“, sagte sie nach Spielende. „Aber wir müssen in den nächsten Spielen versuchen, ähnlich intensiv zu agieren.“ Buxtehude beendete die Hauptrunde auf Platz zehn und startet am 18. April mit dem Heimspiel gegen Metzingen in die Play-offs. In dieser Runde gelte es, den elften und damit letzten Platz zu vermeiden, um nicht in die Relegation zu müssen, erklärte Dölle.

Im Sommer steht für Dölle und Axmann ein Highlight an

Manager Prior hätte sie gerne weiterhin in der Mannschaft gesehen, muss stattdessen aber den fünften Abgang zum Saisonende verkraften. Wie der BSV die Lücke im rechten Rückraum schließen wird, ist noch offen. Zeitnah will der Verein Neuzugänge präsentieren. Insgesamt sollen vier Spielerinnen kommen, Namen sind bisher nicht bekannt.

Dominik Axmann spielt mit dem HSV Hamburg in der Bundesliga.

Dominik Axmann spielt mit dem HSV Hamburg in der Bundesliga. Foto: Marcus Brandt/dpa

Während ihre Handballkarriere langsam ausklingt, beginnt privat ein neues Kapitel. Im Juni heiratet sie Dominik Axmann und nimmt seinen Namen an. Gefeiert wird ein Wochenende lang in Hamburg und Schleswig-Holstein mit rund 80 Gästen. Neben Job und Handball bleibe kaum Zeit für die Planung, erzählt sie. „Aber ich freue mich sehr darauf.“

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