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TEinmalige Sammlung: In Helmut Wiemanns Keller lagert ein musikalischer Schatz

Helmut Wiemann mit dem Lieblingsstück seiner Harmonika-Sammlung: einer englischen Konzertina von Wheatstone.

Helmut Wiemann mit dem Lieblingsstück seiner Harmonika-Sammlung: einer englischen Konzertina von Wheatstone. Foto: Weselmann

Der Hedendorfer Helmut Wiemann ist gefragt wie lange nicht. Grund ist seine außergewöhnliche Sammlung, die ihn jetzt sogar ins Fernsehen bringt.

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Von Fenna Weselmann
Sonntag, 15.02.2026, 12:50 Uhr

Buxtehude. Vier Stunden war der NDR zum Dreh bei ihm zu Hause und die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hat auch schon bei Helmut Wiemann angeklopft. Das Interesse hat einen einfachen Grund: Im Keller seines Hauses hütet der Hedendorfer einen wahren Schatz, der im Jahr des Akkordeons von besonderer Bedeutung ist.

Der Hedendorfer ist ein gefragter Experte

Wer den wohltemperierten Raum im Untergeschoss betritt, ist von Hunderten Harmonikas umringt. Die hat Wiemann über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen. Bandoneons aus Spanien, Ziehharmonikas aus Tschechien und Russland, kleine Konzertinas aus England - vielen dieser teils über 100 Jahre alten und kunstvoll gearbeiteten Instrumente hat Helmut Wiemann wieder Leben eingehaucht, sie repariert und neu gestimmt. Über die Jahre machte ihn sein außergewöhnliches Hobby zum gefragten Experten.

Den Rahmen für das Foto vom Hasberger Jugend-Akkordeon-Orchester hat Helmut Wiemann (links) selbst gefertigt.

Den Rahmen für das Foto vom Hasberger Jugend-Akkordeon-Orchester hat Helmut Wiemann (links) selbst gefertigt. Foto: Weselmann

Der Klang der Harmonikas fasziniert ihn schon als kleiner Junge. Draußen herumtollend, lauscht der gebürtige Osnabrücker einem Ziehharmonika-Spieler, der oft auf einer Bank am Waldrand spielt. „Das gefiel mir so“, erinnert sich der heute 87-Jährige.

Mit zwölf Jahren bekommt er ein Akkordeon. Er wird Mitbegründer des Hasberger Jugend-Akkordeonorchesters, gefolgt von der ersten Band. Als „Die 4 Boleros“ machen sie Tanzmusik - mit einem wilden Fanclub. Über den lernt er seine Frau Brigitte kennen, mit der er nun mehr als 60 Jahre verheiratet ist.

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Die gibt später sogar den Auslöser für die Sammlung: 1980 entdeckt sie auf dem Flohmarkt ein altes Akkordeon, was die beiden am Ende mitnehmen. Bei dem einen bleibt es nicht. In ganz Europa sucht Wiemann fortan nach besonderen Exemplaren.

Die Stücke nur ins Regal zu stellen, ist dem handwerklich begabten Mann zu wenig. Beim Akkordeonbauer Hohner macht der Glasindustrie-Kaufmann einen Reparaturkursus, besucht Fachwerkstätten und lernt, die schönen Stücke zu restaurieren. So macht er sich einen Namen in der Szene und wird sogar bei Hohner als Harmonika-Spezialist geführt.

Die Sammlung steckt voll spannender Geschichten

Heute gehören rund 200 Instrumente zu seiner Sammlung, das Älteste stammt aus der Zeit um 1900. „Am wichtigsten ist mir eine englische Konzertina von Wheatstone“, verrät der 87-Jährige seinen persönlichen Liebling. Während er vom umständlichen Erwerb in Budapest erzählt, streicht er liebevoll über deren Schatulle, die schimmernden Verzierungen und den außergewöhnlichen Lederbalg.

In der Sammlung gibt es auch Kurioses wie ein Exemplar mit integriertem Schnapsflaschen- und Becherhalter und ein Instrument mit eingebautem Kassettenrekorder, das einen auf Knopfdruck zum Akkordeonspieler macht.

In der Sammlung gibt es auch Kurioses wie ein Exemplar mit integriertem Schnapsflaschen- und Becherhalter und ein Instrument mit eingebautem Kassettenrekorder, das einen auf Knopfdruck zum Akkordeonspieler macht. Foto: Weselmann

Besonders stolz ist er auf seine vielfältigen Bandoneons. Die Sammlung steckt voll spannender Geschichten. Die Erinnerungen sprudeln aus ihm heraus und seine Frau Brigitte geht gerne mit auf gedankliche Zeitreise. Von Buxtehude zurück in die Osnabrücker Jahre.

Da haben die beiden so manchen „Abend der Harmonikas“ mit Konzert und Ausstellung organisiert. Einmal kam mit Daniel Binelli sogar der argentinische Meister des Bandoneons als Spontan-Gast auf ihre Bühne - und im Nachklang mit 20 anderen Musikern ins heimische Wohnzimmer. Sein großer Traum wäre es, selbst noch Bandoneon spielen zu lernen. „Weil man damit seine Seele noch mehr zum Ausdruck bringen kann.“

Helmut Wiemanns ganzer Stolz sind die kunstvoll gearbeiteten Bandoneons. Er wünschte sehr, sie auch spielen zu können.

Helmut Wiemanns ganzer Stolz sind die kunstvoll gearbeiteten Bandoneons. Er wünschte sehr, sie auch spielen zu können. Foto: Weselmann

So wie schon in Jugendjahren greift Helmut Wiemann immer noch gerne in die Tasten seines Akkordeons. Beim Neu Wulmstorfer Shanty-Chor „De Windjammers“ ist er weiter an Bord, spielt „Wo de Nordseewellen trecken an de Strand“ und andere sehnsuchtsvolle Lieder. „Ich bleibe bis zum Ende Akkordeon-Fan“, ist für den 87-Jährigen klar.

Wiemanns finden es schade, dass es an Nachwuchsspielern mangelt. „Ein Akkordeon ist einfach mitzunehmen und bringt die Leute ganz schnell in Stimmung“, schwärmt Brigitte Wiemann vom Instrument des Jahres 2026. „Das ersetzt ein ganzes Orchester“, ergänzt ihr Harmonika-Mann.

Was wird aus Wiemanns Akkordeon-Schatz?

In die nächste Generation ist diese Begeisterung nicht geschwappt. Keiner der drei Söhne spielt. Und die kleinen Akkordeons, die er noch extra für die zwei Enkel hergerichtet hat, sind bis heute bei ihm in der Sammlung. Was aus diesem einmaligen Schatz mal werden soll, ist unklar.

Wohltemperierte Schatzkammer: Im Keller bewahrt Helmut Wiemann eine atemberaubende Sammlung von Harmonikas aus ganz Europa.

Wohltemperierte Schatzkammer: Im Keller bewahrt Helmut Wiemann eine atemberaubende Sammlung von Harmonikas aus ganz Europa. Foto: Weselmann

So sehr er seine Akkordeons liebt, so sehr hofft er auf ein neues Zuhause für seine Instrumente. Wenn Wiemanns aus Altersgründen irgendwann nicht mehr im eigenen Haus wohnen können, braucht es eine Lösung. Der Erhalt seiner kostbaren Sammlung ist dem Hedendorfer ein Herzensanliegen.

Am liebsten würde Wiemann die Sammlung an ein Museum oder Ähnliches abgeben. Damit wäre sein musikalischer Kulturschatz öffentlich zugänglich. Aber der Verkauf an einen privaten Musikfreund oder Sammler ist für ihn ebenso denkbar. Interessierte können sich unter Telefon 0159/ 06721519 melden. Der NDR-Beitrag über Helmut Wiemann soll diesen Montag, 16. Februar, um 18.45 Uhr in der Fernsehsendung „DAS! Rote Sofa“ laufen.

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