Regionale Produkte

TErfolgsgeschichte aus Buxtehude: Chili Jungs erobern die Supermärkte

Die Chili Jungs unterwegs: Christian Kutz-Kromnow, St.-Pauli-Legende Holger Stanislawski und André Grote am Chili-Jungs-Stand in Hamburg-Winterhude.

Die Chili Jungs unterwegs: Christian Kutz-Kromnow, St.-Pauli-Legende Holger Stanislawski und André Grote am Chili-Jungs-Stand in Hamburg-Winterhude. Foto: privat

In der Küche des Abthauses in Buxtehude brodelt es und duftet nach frischer Salsa und einem Hauch von Chili. Zwei alte Bekannte schwingen hier den Kochlöffel. Das steckt dahinter.

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Von Karsten Wisser
11.07.2026, 17:55 Uhr

Buxtehude. Es dampft, duftet nach Tomate und einem Hauch Chili, als Christian Kutz-Kromnow den großen Kessel in der Küche des Abthauses in Buxtehude öffnet.

Alles Handarbeit: Hier rührt Christian Kutz-Kromnow die Salsa in der Abthaus-Küche um.

Alles Handarbeit: Hier rührt Christian Kutz-Kromnow die Salsa in der Abthaus-Küche um. Foto: Wisser

Mit einem riesigen Kochlöffel rührt der Koch und Gastronom die flüssige Salsa um. Dafür braucht er beide Hände. Wenige Schritte entfernt schiebt André Grote bereits abgefüllte Gläser mit dem neuesten Produkt der Chili Jungs in einen Einkochautomaten, um sie haltbar zu machen.

Grote: „Anfangs taten die Füße höllisch weh“

Für den Immobilienmakler und Vorsitzenden von Haus und Grund Buxtehude war das lange Stehen an Produktionstagen anfangs ungewohnt. „Respekt vor allen, die das täglich machen“, sagt Grote. „Mir taten am Anfang die Füße höllisch weh.“ Inzwischen sind Kutz-Kromnow und Grote ein eingespieltes Team. Seit einem Jahr stellen die beiden Freunde Chili-Salsa her. Der Abthauswirt ist der Kochprofi, Grote der Vermarktungsexperte.

André Grote schiebt ein Tablett mit frisch eingefüllter Salsa in den Einkochautomaten.

André Grote schiebt ein Tablett mit frisch eingefüllter Salsa in den Einkochautomaten. Foto: Wisser

Was an diesem Dienstag im Abthaus - einem der ältesten Häuser in Buxtehude - so verführerisch riecht, ist das neueste und vierte Produkt der Chili Jungs: Smoked BBQ. Es verkörpert, wofür die Marke steht. Alles entsteht in Handarbeit, ohne Zusatzstoffe oder Aromen. Die Basis der neuen Salsa bildet Tomatenketchup. „Auch den kochen wir selbst“, sagt Kutz-Kromnow.

Salsa made in Buxtehude: Von scharf bis sehr scharf alles dabei

Einmal pro Woche stehen die beiden bekannten Buxtehuder in der Küche und kochen Salsa. „Das ist für uns ein zusätzlicher Acht-Stunden-Tag“, erklärt Kutz-Kromnow. Die steigende Nachfrage hat einen Grund: Seit einigen Wochen führt die Supermarktkette Rewe Nord die Produkte „made in Buxtehude“. Mittlerweile sind sie in 26 Märkten erhältlich.

An einem Produktionstag im Abthaus entstehen bis zu 190 Liter Salsa, die in 250-Milliliter-Gläser abgefüllt, eingekocht und von Hand etikettiert werden, das sind ungefähr 750 Gläser.

Die Chili Jungs bieten verschiedene Salsas mit unterschiedlicher Schärfe an. Ihre schärfste Soße, die „Salsa de los Muertos“ („Soße der Toten“), enthält wie die anderen Produkte frische Habaneros. Diese Chilisorte gehört zu den schärfsten der Welt. In der „Salsa de los Muertos“ machen Habaneros drei Prozent der Zutaten aus. Zum Vergleich: In der Salsa 1206 sind es eineinhalb Prozent. Chili-Schärfe wird in Scoville-Einheiten gemessen. Der Schärfegrad kann aufgrund der natürlichen Schwankungen bei den Habaneros variieren. Die „Salsa de los Muertos“ erreicht bis zu 500.000 Scoville.

Der Erfinder der „Sylter Salatfrische“ ist Vorbild

„Wenn Thomas das sehen würde, würde er uns schimpfen“, sagt Grote, während er und Kutz-Kromnow Hunderte Gläser mit je drei Etiketten bekleben. Thomas, das ist Thomas Hauschild, gelernter Koch und Erfinder der „Sylter Salatfrische“.

Mit diesem Produkt wurde er Marktführer in Deutschland. „Er hat uns gesagt, dass wir auf dem gleichen Weg sind wie er damals“, erzählt Grote. Doch Hauschild warnte die beiden: Selbst zu etikettieren sei Zeitverschwendung.

Selbst die Etiketten für die Gläser kommen im Selbstklebeverfahren auf die Gläser.

Selbst die Etiketten für die Gläser kommen im Selbstklebeverfahren auf die Gläser. Foto: Wisser

Die Idee zu den Chili Jungs entstand beim Essen mit ihren Söhnen. Kutz-Kromnow und Grote servierten oft selbst gemachte Soßen, die so gut ankamen, dass die Frage aufkam: Könnten auch andere daran Gefallen finden?

Das Projekt Chili Jungs ist einer der Gründe, warum Grote im vergangenen Jahr die Politik hinter sich ließ. Grote war Fraktionsvorsitzender der FDP im Buxtehuder Rat und als Bürgermeisterkandidat im Gespräch. „Wir sind seit den 90ern befreundet“, erzählt Kutz-Kromnow. Die beiden lernten sich in der Empore in Buchholz kennen und organisierten dort Partys.

Diese St.-Pauli-Legende ist jetzt Supermarktchef

Viele Buxtehuder kennen André Grote, doch nur wenige wissen: In den späten 1990er Jahren war er Miteigentümer eines beliebten mexikanischen Restaurants in der Lämmertwiete in Harburg.

Von der ersten Testproduktion am 12. Juni 2024 bis zum ersten Vertrieb dauerte es ein Jahr. Dazwischen: viel Bürokratie und umfangreiche Lebensmitteltests. Die erste Salsa bekam deshalb auch den Namen 1206.

Beide sind fasziniert von der Resonanz und der Unterstützung anderer regionaler Vermarkter. „Wir bekommen nur positive Rückmeldungen. Das kenne ich aus der Immobilienbranche oder der Politik nicht“, sagt Grote. Zu den Unterstützern zählen Sascha Schäfer, bekannt als „Backsau“, und der frühere Fußballtrainer Holger Stanislawski.

Freunde und Koch-Influencer: Christian Kutz-Kromnow und André Grote (rechts).

Freunde und Koch-Influencer: Christian Kutz-Kromnow und André Grote (rechts). Foto: Wisser

Die St.-Pauli-Legende betreibt einen Rewe-Markt in Hamburg-Winterhude, wo es ebenfalls die Chili-Jungs-Produkte gibt. „Ein Supertyp“, sagt Grote. „Total bodenständig.“ Stanislawski engagiert sich aktuell im Landkreis Stade und unterstützt die Fußballer der SV Drochtersen/Assel beim Aufstieg in die Dritte Liga.

13.000 Nutzer folgen den Chili Jungs bei Instagram

Hinter den steigenden Verkaufszahlen steckt harte Arbeit. Fast jeden Samstag werben Kutz-Kromnow und Grote in einem anderen Supermarkt für ihre Produkte. Zwei Stunden Tasting in Nordniedersachsen und Hamburg, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Außerdem produzieren sie fast wöchentlich Kochvideos für ihre Social-Media-Kanäle. „Vor einem Jahr hatten wir 3000 Follower, heute sind es 13.000“, sagt Grote stolz.

Wie geht es weiter mit den Chili Jungs? „Vom Aufwand her ist das kein Hobby mehr, vom Verdienst schon“, sagt Kutz-Kromnow. „Was wir einnehmen, investieren wir sofort wieder in unsere Produkte“, ergänzt Grote. Der nächste Schritt: ein zweiter Produktionstag, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

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