TErstwählerforum im Stadeum: So wollen Parteien Jugendliche erreichen
Die Grünen Amalien Meyer (von links), Karin Aval, Bettina Deutelmoser, Tim Evers und Sophia Thöne lehnen TikTok ab und setzen auf direkte Kommunikation. Foto: Stehr
Wie begeistert man junge Menschen für Politik? Beim Erstwählerforum geben neun Parteien Antworten - und verteilen als Give-aways nicht bloß schnöde Kugelschreiber.
Stade. Knapp 1000 Schülerinnen und Schüler und Vertreter von neun Parteien tummelten sich am Dienstagmorgen beim von Schülern organisierten Erstwählerforum im Stadeum. Doch wie erreichen die ehrenamtlichen Politiker junge Menschen fernab einer solchen Großveranstaltung?
Die Grünen
Junge Leute wollen die Grünen am liebsten persönlich erreichen und bieten einmal im Monat ein Treffen mit der Grünen Jugend an. Heiß diskutiert werde innerhalb der Partei die Nutzung sozialer Medien.
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Auf Instagram sind die Grünen aktiv. TikTok wollen sie nicht unterstützen und hoffen, dass sich unabhängige soziale Netzwerke etablieren. Als Give-aways gibt es bunte Klebetattoos, Blumensamen, Äpfel und Blättchen für den Cannabiskonsum.
CDU
Im Gegensatz zu den Grünen setzt die CDU voll auf soziale Medien. Der Stader CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer hat einen eigenen TikTok-Kanal. Außerdem ist er per Whatsapp erreichbar.

Stades CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer (Zweiter von rechts) kam mit Elif Aydin (von links), Christina Wist und Sebastian Klinger zum Erstwählerforum. Foto: Stehr
Als Give-away hat die CDU Parkscheiben mit dem Bild von Arne Kramer, Kugelschreiber und Süßigkeiten dabei.
SPD
Vor allem im ländlichen Raum sei es schwer, junge Menschen zu erreichen, sagt Fynn Hinck von den Stader Jusos. Die SPD nutze deshalb neben sozialen Medien vor allem Veranstaltungen, um ins Gespräch zu kommen. Im April fand zum Beispiel „Pizza und Politik“ mit dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Kai Koeser in Stade statt.

Fynn Hinck (von links), Dörthe Firchau, Andre Borowsky, Jan Büther und Sigrid Koppelmann kamen am SPD-Stand mit Jugendlichen ins Gespräch. Nicht im Bild ist SPD-Bürgermeisterkandidat Kai Koeser, der ebenfalls vor Ort war. Foto: Stade
Als Give-away hat die SPD unter anderem kleine Pfefferpackungen mit der Aufschrift: „Mit Schärfe gegen Rechts“ sowie wiederverwendbare Flaschenverschlüsse im Kronkorken-Stil im Gepäck.
Die Linke
Die Linke setzt auf soziale Medien und Infostände, um Jugendliche zu erreichen. Und auf klare Botschaften. Zum Beispiel in Form von Give-away-Ansteckern mit Aufschriften wie „Tax the rich“ (Besteuert die Reichen), „Fuck capitalism“ (Scheiß auf den Kapitalismus) oder „refugees welcome“ (Flüchtlinge willkommen). Außerdem gibt es es ein Quiz zur Kommunalwahl.

Michael Quelle (von links), Elisabeth Schüttlöffel und Omid Vaziri Sani informierten über die Politik der Partei Die Linke. Foto: Stehr
Volt
Alexander Geid und Karsten Klie von Volt sind überzeugt, dass man junge Menschen besser direkt auf Veranstaltungen erreicht als in den sozialen Medien, wo jeder in seiner eigenen Blase lebe. Ihre Erfahrung: Viele Jugendliche seien sehr interessiert an Politik und stellen detaillierte Fragen.

Alexander Geid (Mitte) aus Kutenholz und Karsten Klie aus Stade Bützfleth bekamen Unterstützung von Volt-Parteikollegin Yvonne Dannemann aus Oldenburg. Foto: Stehr
Als Give-away gibt es Kugelschreiber und Aufkleber mit Aufschriften wie „Trau dich Europa“ oder „Wählen rettet Leben“.
Bündnis Sahra Wagenknecht
„Junge Leute wollen mitbestimmen“, sagt Anna Fischer vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Sie spreche häufig in ihrer Freizeit direkt mit Jugendlichen und nutze auch soziale Medien.

Fürs Bündnis Sahra Wagenknecht kamen Anna Fischer und Ralf Poppe zum Erstwählerforum. Foto: Stehr
Für die Erstwähler hatte das BSW eine Literaturliste mit Titeln wie „Putin - Herr des Geschehens“ oder „Friedenstüchtig - wie wir aufhören könnten, unsere Feinde selbst zu schaffen“ dabei.
FDP
Wichtig sei, große Themen lokal herunterzubrechen, um junge Menschen zu erreichen und die Bedeutung von ehrenamtlicher Kommunalpolitik zu erklären, sagt FDP-Ratsherr Enrico Bergmann.

Enrico Bergmann (rechts) von der FDP spricht im Verein oder in der Familie viel über Politik. Mit ihm ins Stadeum kamen Calvin Bösch (von links), Justin Gomert und Hilke Ehlers. Foto: Stehr
Er spreche nicht nur im Verein und in den Schulen mit jungen Leuten über Politik, sondern auch mit seiner Familie am Abendbrottisch. Als Give-away gibt es Kugelschreiber und Fähnchen bei der FDP.
WG Stade
„Wir haben Kinder im Erstwähleralter und versuchen, junge Menschen über Instagram zu erreichen“, sagt Christian Benn von der Wähler-Gemeinschaft (WG) Stade.

Christian Benn (links) und Ralf Kehr von der Wählergemeinschaft Stade. Foto: Stehr
Das alles neben dem Beruf zu machen, sei eine Herausforderung. Give-aways gibt es deswegen auch nicht viele. Die WG setzt auf Süßigkeiten.
AfD
Die lokale AfD setze auf dörfliche Veranstaltungen, Radtouren und Müllsammelaktionen, um junge Menschen zu erreichen, sagt Susanne Henseleit. Auf kritische Nachfragen zur Einstufung der AfD Niedersachsen als gesichert rechtsextremistisch sagt ihre Parteikollegin Uta Ennen: „Wir sind keine Nazis. Wir sind konservativ.“

Die AfD war ebenfalls eingeladen. Die auch in Niedersachsen als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte Partei schickte Stephan Untersänger (von links), Susanne Henseleit, Uwe Torner, Uta Ennen und Astrid zum Felde zum Erstwählerforum. Foto: Stehr
Als Give-aways verteilt die AfD Frisbees mit der Aufschrift „Nicht für linke Hände“, Zollstöcke, Sonnenbrillen und ein Grundgesetz mit Vorwort von Jörg Meuthen und Alexander Gauland.
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