Feier unter Flutlicht: Springreiter bejubeln Gold
Daniel Deußer sichert vorzeitig Gold. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die deutsche Mannschaft reitet bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen als führendes Team in die letzte Runde - und behält die Nerven. Das Publikum im größten Stadion der Welt tobt.
Aachen. Schon nach dem dritten Paar begann die Gold-Feier. Die deutschen Springreiter sicherten sich bei den Weltmeisterschaften in Aachen souverän und vorzeitig den Titel. Das Team von Bundestrainer Otto Becker durfte Platz eins schon eine knappe Stunde vor dem Ende der letzten Teilprüfung feiern.
Als Daniel Deußer im Sattel von Otello seine dritte Runde bei dieser WM beendet hatte, gab es kein Halten. Die meisten der 40.000 Zuschauer im größten Reitstadion der Welt waren bis zum letzten Sprung mucksmäuschenstill und feierten dann enthusiastisch den Heimsieg unter Flutlicht. Deußers Teamkameraden und Bundestrainer Becker beglückwünschten den in Belgien lebenden Profi, als er aus dem Parcours kam.
„Abnormal“, rief Marcus Ehning seinem Teamkollegen zu. „Das ist unglaublich“, kommentierte der strahlende Deußer. Silber ging an Belgien, Bronze an Großbritannien.
Zuletzt gab es 2010 Team-Gold bei der WM
Der Ritt von Schlussreiter Richard Vogel und United Touch war für die Mannschaftswertung ohne Belang, denn es zählten auch in der letzten von drei Teilprüfungen über drei Tage die drei besten Ergebnisse jeder Mannschaft - und so war nach Deußers Ritt schon alles klar.
Neben Deußer, Ehning und Vogel gehört Sophie Hinners, das für das erste deutsche Team-Gold seit 2010 in Lexington/Kentucky sorgte. Auch damals gehörte Ehning schon zur Sieger-Mannschaft, Becker war der Coach. Es ist das vierte Team-Gold für Deutschland in der WM-Geschichte.
Ehning reitet erneut ohne Fehler
Das deutsche Team war am Freitagabend als führende Mannschaft in den Parcours geritten. Am Mittwoch und Donnerstag gelangen bei insgesamt acht Ritten sieben fehlerfreie Runden. Mit minimalem Vorsprung vor der US-Mannschaft startete der Abend.

Marcus Ehning ritt auch in seiner dritten WM-Runde fehlerfrei. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Als erster Reiter des Gastgeber-Teams blieb Marcus Ehning auch in seiner dritten WM-Prüfung ohne Fehler. Der 52-Jährige ritt mit seinem Coolio eine souveräne Runde und ließ den sehr schweren Parcours leicht aussehen. Elegant überwand das Paar die 14 Hindernisse. „Also ich bin fasziniert von meinem Pferd, wie es diese drei Tage hier abgeliefert hat“, schwärmte der dreimalige Sieger des Großen Preises von Aachen im WDR-Interview: „Das ist wirklich unglaublich.“

Sophie Hinners kassierte mit Singclair lediglich einen Strafpunkt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
WM-Debütantin Hinners kassiert einen Strafpunkt
Ohne Abwurf ritt auch Sophie Hinners mit Singclair. Aber die WM-Debütantin war einen Tick zu langsam, überschritt die erlaubte Zeit für den 580 Meter langen Parcours von 87 Sekunden und kassierte dafür einen Strafpunkt. „Singclair sprang wieder fantastisch, das ist ein ganz gigantisches Gefühl“, kommentierte die 28-Jährige und lobte den Wallach, der erneut mühelos über die Hindernisse flog. „Das ist eine abnormale Stimmung da draußen.“
Deußer macht frühzeitig alles klar
Nach der Vorlage von Ehning und Hinners mit ihren starken Runden für Deutschland blieb Deußer mit Otello ebenfalls fehlerfrei. Der 45 Jahre alte Profi zeigte erneut eine souveräne Vorstellung. Nach seiner Runde entlud sich die Freude bei Publikum und Mannschaft.
Auch Vogel blieb ohne Abwurf. Der Einzel-Europameister ritt als Mannschafts-Weltmeister ein und kassierte mit United Touch nur zwei Strafpunkte wegen Überschreitung der erlaubten Zeit. Glücklich winkte Vogel ins feiernde Publikum.
In der Einzelwertung sind Deußer und Otello das beste deutsche Paar und liegen - gleichauf mit dem Schweizer Steve Guerdat und Dynamix - auf Platz eins. Auf Platz vier fünf folgt Ehning mit Coolio. Das Einzel wird in zwei weiteren Runden am Sonntag entschieden.
Druck standgehalten
Das deutsche Quartett hielt dem Druck stand, der über den Tag gewachsen war. „Das Warten ist zäh“, sagte Bundestrainer Becker. „Das ist auch anders als auf anderen Turnieren, bei denen die Reiter oft vier, fünf Pferde dabei haben und über den ganzen Tag beschäftigt sind.“ Es seien bei der WM „sowieso lange Tage, das haben wir auch im Vorfeld angesprochen. Das wussten die Reiter.“ Am Nachmittag vor der Entscheidung gaben Becker und Ehning noch Autogramme am Stand des Verbandes.
Als Führender sei der Druck „als Gejagter“ größer sagte der 67 Jahre alte Becker, der bereits 2010 Trainer des deutschen Gold-Teams in Lexington im US-Bundesstaat Kentucky war. „Aber das ist natürlich auch die beste Ausgangsposition.“
Begeistert zeigte sich Becker vom Ambiente in Aachen. „Das ist der Hammer“, schwärmte der erfahrene Coach: „Das haben wir ja letzte Woche schon erleben können bei den Kollegen, bei den anderen Disziplinen.“ In der Dressur und in der Vielseitigkeit hat bei jeder Prüfung eine Medaille gegeben, davon zwei goldene. Becker lobte das „geniale, fachkundige, begeisterungsfähige Publikum.“