TFoto Schattke schließt - gute Argumente statt Emotionen beim Chef
Claus Duderstadt in seinem Stader Laden. Foto: Strüning
Foto Schattke schließt in Stade und Buxtehude. Damit endet eine 128 Jahre lange Familientradition. Trotz des schmerzhaften Schritts ist Geschäftsführer Claus Duderstadt guter Dinge.
Stade. Claus Duderstadt steht im Keller seines Hauses am Pferdemarkt. Videorekorder aller Couleur und Bildschirme sind hier aufgebaut. Nahezu stolz präsentiert er seinen verborgenen Schatz. Hier werden alte Filme und Videos digitalisiert. Das bietet Foto Schattke auch für alte Dias an, die hier für den elektronischen Gebrauch umgewandelt werden.
Steht auf Technik: Claus Duderstadt im Keller seines Geschäfts. Hier werden alte Filme digitalisiert. Foto: Strüning
Das ganze Haus steht voller Technik. Nicht nur im Ladengeschäft, sondern auch dahinter. Mehrere Generationen der Fotografie-Entwicklung sind hier nachvollziehbar. Duderstadt ist verbriefter Meister der Fotografie. Was ihn daran fasziniert? Die Technik. Und die rapide Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.
Als Digitalfotografie noch ganz modern war
Als er 1994 seine Lehre in Bremervörde begann, kamen gerade die ersten Digitalkameras auf den Markt. Sehr klobig, langsam und teuer. Das hat sich rapide gewandelt. Jahre später fuhr kaum mehr jemand ohne seine kleine Digitalkamera in den Urlaub. Aber auch das ist schon wieder obsolet.
Heute ist das Smartphone der ständige Begleiter. „Es wurde noch nie so viel fotografiert auf der Welt wie heute“, sagt Duderstadt. Stündlich entstünden Milliarden von Fotos. Von dieser Massenbewegung profitiert er wenig.

Claus Duderstadt im Stader Geschäft mit alten Fotoapparaten. Foto: Foto Schattke
Das Geschäft mit dem Verkauf der Kameras ist zäh geworden. Ab und an geht mal eine professionelle Digitalkamera für eine größere Summe über den Ladentisch. Die Stückzahl hält sich in Grenzen. Duderstadt schwenkte deshalb um auf Dienstleistungen. Die Digitalisierungen gehören dazu, selbstredend die Passfotos oder auch die Selfie-Boxen für Partys oder Firmenveranstaltungen. Foto Schattke kann auch gebucht werden für die Foto-Reportage von Festen oder Feiern. Der reine Einzelhandel lohne sich aber kaum noch, so der Schattke-Chef in Stade.
19.000 zahlende Kunden 2026 - aber zu wenig Umsatz
Immerhin. Bislang zählte Duderstadt 19.000 zahlende Kunden im Jahr. Aber oft seien das nur kleinere Beträge, wenn zum Beispiel Kopien gemacht werden sollen. Der Umsatz: manchmal nur 2 Euro. Häufig seien Personaleinsatz und Beratungen sehr intensiv, wenn erklärt werden muss, wie die Fotobestellungen vonstattengehen. Duderstadt: „Es zwackt an vielen Stellen.“

Das Geschäft am Stader Pferdemarkt heute - vor dem Umbau. Foto: Strüning
Apropos Passfotos: Seitdem das schnelle Foto für den Personalausweis auch im Rathaus direkt vor Ort gemacht werden kann, sei sein Umsatz um 25 Prozent eingebrochen. Die Ämter könnten das unschlagbar billig anbieten. Auch gerichtliches Vorgehen des Einzelhandels gegen diese Praxis habe nicht geholfen. Duderstadt spricht in seiner süffisanten Art von einem „Angriff“ der öffentlichen Verwaltungen.
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Das leicht Humoreske hat er wohl von Vater Günther Duderstadt, der bis 2006 die Läden führte. Er brachte den Karneval nach Stade. Er war einer der Gründer der inzwischen aufgelösten Fastnachtsgilde. Der kolportierte Grund: Seine Frau, also Claus‘ Mutter, kam aus Köln und wollte in Stade auf ihren Karneval nicht verzichten.

Das Geschäft Zwischen den Brücken in Buxtehude. Foto: Foto Schattke
Seit 2006 kümmert sich Sohn Claus um die beiden Standorte in Buxtehude und Stade. Auch Claus Duderstadt brachte sich über Jahrzehnte in die Stader Gesellschaft ein, als Kassenwart und ständiger Berater des Vorstands von Stade aktuell, dem Zusammenschluss von Kaufleuten und Dienstleistern in der Innenstadt. So begleitete er die beiden langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Drusell und Georg Lempke intensiv.
Emotionaler Abschied - sachliche Entscheidungen
Duderstadt ist 47 Jahre alt. Zu früh, um aufzuhören. Dem emotionalen Schritt, das Familienunternehmen nach 128 Jahren zu schließen, begegnet er mit Sachlichkeit. „Lieber alles im Guten abwickeln“, sagt er, als unter finanziellem Druck. Er sagt aber auch, dass nach so vielen Jahrzehnten dieser Schritt mit vielen Erinnerungen verbunden sei. Duderstadt: „Viele Familien haben wir über Generationen begleitet - vom ersten Kinderfoto über Pass- und Bewerbungsbilder bis hin zu Hochzeiten und Familienaufnahmen.“ Duderstadt hat schon konkrete Pläne, wie es weitergehen soll.

Das Geschäft am Pferdemarkt 1965. Hier wurden einst Tapeten und Zigarren verkauft, bevor Schattke übernahm. Foto: Foto Schattke
Das Stader Gebäude, das ihm gehört, wird ab Oktober umgebaut. Für den neuen Mieter wird die Fassade verändert. In der ersten Etage werden die Räume neu zugeschnitten. Aus dem ehemaligen Fotostudio mit Nebenräumen - auf einer Fläche von 180 Quadratmetern - werden zwei neue Wohnungen entstehen. Duderstadt selbst hat im Obergeschoss sein Zuhause mit Frau und zwei Töchtern.
Eine Parfümerie zieht an den Stader Pferdemarkt
Das Ladengeschäft in Stade hat bereits einen Nachmieter. Zufrieden präsentiert Duderstadt den Namen: Es ist die Parfümerie Schuback mit Sitz in Lübeck. Schuback hat bundesweit laut Wikipedia 60 Filialen mit etwa 500 Mitarbeitern. Duderstadt spricht von einer sehr guten Nachfolgeregelung.
Offen ist noch die Nutzung in Buxtehude. Die Gespräche liefen. Bis Jahresende soll an beiden Standorten der Verkauf weiterlaufen. Die Mitarbeiterzahl sei bereits von 16 auf 9 geschrumpft, bald seien es nur noch 7. Sie fänden Jobs in anderen Branchen. Und der Chef selbst?
Der wird sich nicht ganz zurückziehen, sondern weiterhin seine Dienstleistungen online anbieten. Also Versandgeschäft, Foto-Boxen oder auch die Digitalisierungen. Denn die Technik hat ihn in der Fotografie ja schon immer fasziniert.
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