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Trailrunning

THitze und Höhenmeter: Stader Läufer gehen in den Alpen an ihre Grenzen

Die Stader Trailer sind mit knapp 30 Läuferinnen und Läufern in Innsbruck an den Start gegangen.

Die Stader Trailer sind mit knapp 30 Läuferinnen und Läufern in Innsbruck an den Start gegangen. Foto: privat (nomo)

Die Stader Trailer gehören zu den größten Gruppen beim Trailrun in Innsbruck. Benjamin Käsehage erklärt, was die Gruppe so besonders macht und wie hart der Lauf wirklich war.

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Von Tim Scholz
Samstag, 09.05.2026, 07:50 Uhr

Landkreis. Stade liegt gerade mal zwölf Meter über dem Meeresspiegel. Der Schwarze Berg bringt es auf rund 35 Meter Höhe. Doch ausgerechnet aus dieser Stadt kommt eine der größten Gruppen beim Innsbruck Alpine Trailrun Festival - einem Lauf, bei dem es in den Alpen über schmale Wege, Anstiege, Geröll und Waldpfade geht.

27 Läuferinnen und Läufer gingen Anfang Mai unter dem Teamnamen „Stader Trailer“ in Innsbruck an den Start. Insgesamt waren bei der elften Auflage rund 9000 Teilnehmer dabei. Angeboten wurden Strecken zwischen 7 und 110 Kilometern. Die Stader liefen Distanzen zwischen 15 und 65 Kilometern - und mittendrin: Benjamin Käsehage aus Kakerbeck bei Ahlerstedt.

„Ein Stader Trailer überschätzt sich im Grunde immer“, sagt der 41-Jährige und lacht. Der Satz klingt wie ein Grundsatz, und tatsächlich beschreibt er gut, was die Gruppe ausmacht: sportlicher Ehrgeiz, viel Selbstironie und Leidensfähigkeit.

„Ein Stader Trailer muss im Elbe Klinikum geboren sein“

Gegründet wurde die Gruppe von den beiden Stadern Moritz Sierwald und Jakob Schomaker. Sierwald zog vor rund zehn Jahren zum Studium nach Innsbruck, Schomaker nach München. Über die Jahre wurde die Gruppe immer größer. „Früher hieß es, ein Stader Trailer muss im Elbe Klinikum Stade geboren sein.“

Inzwischen gehören aber auch Läuferinnen und Läufer aus Hamburg, München, Österreich und den Niederlanden dazu. Voraussetzung sei, dass ein echter Stader Trailer für einen „Auswärtigen“ bürgt, erklärt Käsehage.

Die Stader Trailer Benjamin Käsehage, Karsten von Borstel und Alexander Schulz (von links).

Die Stader Trailer Benjamin Käsehage, Karsten von Borstel und Alexander Schulz (von links). Foto: privat (nomo)

Dass die Gruppe vieles mit Humor nimmt, zeigen auch die Geschichten aus den Anfangsjahren. Damals starteten die ersten Stader in Innsbruck - mit zu wenig Wasser, falschem Schuhwerk und sogar einer vergessenen Suppenkelle im Trinkrucksack. Heute gilt dagegen ein anderer Grundsatz: „Equipment first“. Laufwesten, passende Schuhe und genügend Energienachschub gehören inzwischen selbstverständlich dazu. Käsehage setzt dabei lieber auf Haribo-Gummibären statt auf „diese modernen Energiegels“.

Ein Freund meldete ihn ohne sein Wissen an

Er selbst hätte nie gedacht, einmal an einem Trailrun in den Alpen teilzunehmen. „Hätte mir das jemand vor 15 Jahren gesagt, hätte ich ihn für bescheuert erklärt.“ Der zwei Meter große Käsehage spielte früher Fußball in der fünften Mannschaft von D/A. „Läuferisch bin ich eher die kurzen Wege gegangen“, sagt er und lacht.

Vor rund zehn Jahren hörte Käsehage mit dem Fußball auf und entdeckte das Laufen für sich. Sein Kumpel Dominik, der inzwischen in Innsbruck lebt, meldete ihn 2020 ohne sein Wissen erstmals für den Trailrun an. Wegen Corona fiel der Lauf damals aus. 2023 und 2024 ging Käsehage schließlich an den Start.

Beim Trail-Halbmarathon über 25 Kilometer mussten die Teilnehmer rund 900 Höhenmeter bewältigen.

Beim Trail-Halbmarathon über 25 Kilometer mussten die Teilnehmer rund 900 Höhenmeter bewältigen. Foto: privat (nomo)

In diesem Jahr absolvierte er den Trail-Halbmarathon über 25 Kilometer und rund 900 Höhenmeter. Die Strecke führte bis hinauf auf die Nordkette. „Bis Kilometer zehn habe ich mich richtig gut gefühlt“, berichtet er. Dann kam der erste lange Anstieg, und das bei 28 Grad. „Bis Kilometer 20 habe ich mich eher geschleppt.“ Erst danach wurde es wieder flacher.

Warum tun sich die Stader Trailer das an?

Nach 4:33:31 Stunden kam Käsehage ins Ziel und wurde wie jeder Stader Finisher von den Teamkollegen mit einer Bierdusche gefeiert. „Die haben sich alle hart erarbeitet und verdient.“ Ein Stader absolvierte die 65 Kilometer mit 2640 Höhenmetern in etwas mehr als neun Stunden, andere kämpften sich bei der Hitze in sieben bis zehn Stunden über die Marathonstrecke mit 2400 Höhenmetern.

Beim Trailrun in Innsbruck geht es über schmale Wege, Anstiege, Geröll und Waldpfade

Beim Trailrun in Innsbruck geht es über schmale Wege, Anstiege, Geröll und Waldpfade Foto: privat (nomo)

Warum man sich das antut? „Um an die eigenen Grenzen zu gehen, Spaß zu haben und wegen der Gemeinschaft“, erklärt Käsehage. Aber das ist nur ein Teil der Antwort: „Auch das Bergpanorama pusht mich total. Mir gibt das mehr, als am Strand zu liegen und aufs Wasser zu schauen.“

Nächstes Jahr will sich Käsehage besser vorbereiten

In der Vorbereitung hat sich Käsehage wenig Stress gemacht, kam im April gerade mal auf 40 Kilometer. Höhenmeter? So gut wie keine. „Andere aus der Gruppe machen Trainingslager im Harz oder laufen in der Fischbeker Heide und kommen jetzt schon auf 1000 Kilometer. Ich schaffe das zeitlich einfach nicht.“

Käsehage arbeitet als Chemikant im Schichtdienst, hat zwei Kinder und läuft in der Regel 15 bis 20 Kilometer pro Woche. Für 2027 möchte er besser vorbereitet sein und die vier Stunden angreifen.

Die Bierdusche beim Zieleinlauf gehört für jeden Stader Trail dazu.

Die Bierdusche beim Zieleinlauf gehört für jeden Stader Trail dazu. Foto: privat (nomo)

Im kommenden Jahr feiern die Stader Trailer bereits ihr zehnjähriges Bestehen. In der Gruppe wird deshalb schon scherzhaft darüber diskutiert, einen eigenen Lauf im Stader Raum zu organisieren. Viele Höhenmeter dürften dabei zwar nicht zusammenkommen, für die Stader Trailer wäre aber vermutlich selbst das nur der nächste Anlass zur sportlichen Selbstüberschätzung.

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