THoffnung im Abstiegskampf: Deinstes Brasilianer glänzt auf Abschiedstour
Der Gefoulte schießt selbst: Henrique Fuchs Klein erzielt das 2:0 für Deinste vom Punkt. Foto: Scholz
Vor neun Jahren kam Henrique Fuchs Klein aus Brasilien nach Deinste. Vor seinem Abschied im Sommer zeigt der Offensivspieler nochmal, warum er dort so wichtig ist.
Deinste. Henrique Fuchs Klein ist überall. Er läuft die Verteidiger an, wirft sich in die Zweikämpfe, provoziert Fouls und Gelbe Karten, diskutiert mit Gegenspielern und Schiedsrichtern - und entscheidet die Partie gleich mit.
Beim wichtigen 4:1-Heimsieg des Deinster SV gegen den TSV Sievern verbucht der Offensivspieler ein Tor und zwei Vorlagen. „Heute hat man gesehen, wie wertvoll er für uns ist“, sagt Trainer Filippo Callerame.
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Am Sonntag steht der Deutsch-Brasilianer immer wieder im Mittelpunkt. Er sucht den Kontakt, bleibt nach Fouls liegen, steht wieder auf und macht weiter. „Ich werde wahrscheinlich von vielen dafür gehasst“, sagt er. „Aber das ist mein Spielstil.“
Callerame: „Fuchsi schmeißt sich in jeden Ball. Manchmal denke ich: Zieh doch einmal zurück, um deine Knochen zu schonen! Aber nee, der ist sich für nichts zu schade.“ Fuchs Klein kennt nur Vollgas.
Dank seines Vaters mit beiden Füßen stark
Doch gerade dieser kompromisslose Spielstil hat in den letzten Jahren Spuren hinterlassen. Sprunggelenks-OP, Ermüdungsbruch im Knie, Meniskusriss: Fuchs Klein hat nun die schwere Entscheidung getroffen, nach dieser Saison aufzuhören. Am Sonntag bestritt er eines seiner letzten Spiele.

Henrique Fuchs Klein sucht immer wieder den Kontakt und provoziert Fouls. Sein Spielstil stößt nicht überall auf Gegenliebe. Foto: Scholz
Geboren wurde Fuchs Klein im brasilianischen Itapiranga nahe der Grenze zu Argentinien. Fußballer zu werden, war früh sein Traum. „Schon mein Papa war fußballverrückt“, erzählt er. Sein Vater trainierte mit ihm und seinem Bruder das Spiel mit beiden Füßen. Sein Bruder, der später in Griechenlands zweiter Liga spielte, wurde zum großen Vorbild.
Mit 13 Jahren zog Fuchs Klein zu Hause aus, ging auf ein Fußballinternat, spielte unter anderem in der Jugend von Corinthians São Paulo. Mit 16 ging er für kurze Zeit nach Italien, verlor dort aber nach Problemen mit Spielerberatern die Motivation und kehrte zurück auf den Bauernhof seiner Eltern und züchtete Pferde.
An das Wetter hat er sich nie so richtig gewöhnt
2017 folgte der Schritt nach Deutschland. Über einen entfernten Verwandten kam er nach Deinste und wurde dort Greenkeeper auf dem Golfplatz. „Ich wollte eigentlich nur für ein paar Jahre bleiben, um Geld für ein Studium zu verdienen“, erzählt er. Inzwischen sind es neun Jahre.

DSV-Coach Filippo Calleramo schätzt den Einsatz von Fuchs Klein. Foto: Scholz
Das Ankommen fiel ihm leicht - vielleicht hatte es auch familiäre Gründe: Sein Uropa stammte aus Hamburg, die deutsche Staatsbürgerschaft hatte Fuchs Klein deshalb schon als Jugendlicher beantragt - auch, weil er sich so bessere Chancen im europäischen Fußball erhoffte. „Ich kannte die Kultur schon“, sagt er. In seiner Heimatregion in Brasilien werde Oktoberfest gefeiert. Nur an das Wetter habe er sich nie so richtig gewöhnt. „Alles unter zehn Grad ist lebensgefährlich“, sagt er und lacht.
Heute lebt der 32-Jährige mit seiner Frau und dem einjährigen Sohn in Helmste und fühlt sich längst zu Hause. „Mein ganzer Freundeskreis ist hier“, sagt er.
Angebote aus der Landesliga lehnte er ab
Fußballerisch spielte er zuerst beim TuS Harsefeld, bevor er 2018 nach Deinste wechselte und dort schnell zum Unterschiedsspieler wurde. In 141 Partien verbuchte er 120 Tore und 42 Vorlagen. „Ich bin immer gut vorbereitet, habe zu Hause einen kleinen Fitnessraum und achte auf meine Ernährung“, sagt Fuchs Klein. „Ich bin sehr ehrgeizig.“
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Angebote aus der Landesliga lehnte er dennoch ab. Seinen größten Erfolg feierte er 2024 mit dem Double aus Kreispokal, Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga. Nun kämpft er mit Deinste um den Klassenerhalt.
Am Sonntag gegen Sievern war jedoch nicht zu erkennen, wer Dritter und wer Vorletzter war. Deinste lief von Beginn an die Gäste hoch an, erzwang immer wieder Ballverluste rund um die Mittellinie und wurde mit einigen Distanzschüssen auf dem holprigen Rasen gefährlich. „Wir wollten vorne draufgehen - alles oder nichts“, sagt Callerame. „Der Wille war heute entscheidend.“

Moritz Glodeck erzielt nach etwas mehr als einer halben Stunde das 1:0 gegen Sievern. Foto: Scholz
Nach etwas mehr als einer halben Stunde leitete Fuchs Klein das 1:0 durch einen Ballgewinn ein. Auch nach dem Seitenwechsel ließ Deinste nicht nach. Zwar wurde die Partie hitziger, doch die Gastgeber behielten weitestgehend die Kontrolle.

Der Deinster SV feiert einen überzeugenden Heimsieg gegen Sievern. Foto: Scholz
Fuchs Klein lief mit Tempo in den Strafraum und holte einen Elfmeter heraus. Der Sieverner sah Gelb-Rot. Fuchs Klein traf mit dem rechten Fuß sicher vom Punkt zum 2:0. Wenig später bereitete er das 3:0 von Leo Gerken vor. „Ganz stark, Fuchsi!“, rief Callerame über den Platz. Marvin Lindemann sorgte für den 4:1-Endstand.
„Ich muss noch ein paar Jahre arbeiten“
Bei zwei verbleibenden Spielen verkürzte Deinste den Rückstand aufs rettende Ufer auf zwei Punkte. „Wir hatten in dieser Saison viel Personalmangel und waren nicht konstant genug“, sagt Fuchs Klein. Er selbst kommt wegen einer Verletzung in der Hinrunde auf bisher nur zehn Spiele.
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Nach dem letzten Saisonspiel am 6. Juni soll für ihn Schluss sein. Die Entscheidung sei ihm schwergefallen, sagt Fuchs Klein. „Fußball ist meine große Leidenschaft.“ Doch montags bekomme er inzwischen „die Quittung“ für die Belastung auf dem Fußballplatz. „Ich habe keinen Bürojob und muss noch ein paar Jahre arbeiten“, sagt er.
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Fuchs Klein kann sich vorstellen, künftig in Deinste auszuhelfen, wenn Not am Mann sei. Doch will er der Mannschaft erstmal im Abstiegskampf helfen.
Tore: 1:0 (33.) Glodeck, 2:0 (64., FE) Fuchs Klein, 3:0 (73.) Gerken, 3:1 (75.) Manojlovic, 4:1 (86.) Lindemann.
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