THorneburger sollen Vorreiter bei der Mobilitätswende im Kreis Stade werden
Vorbild für den Projektversuch in Horneburg: Der On-Demand-Shuttle-Dienst „hvv hop“ ist ab Mitte Dezember auch im Hamburger Teil des Alten Landes unterwegs. Foto: vhh.mobility/hvv hop
Mit dem On-Demand-Service wird Mobilität auf der Geest smarter: Mit App und Telefon können ÖPNV-Nutzer ihre Fahrt ab Sommer 2027 individuell buchen - ganz ohne Fahrplan.
Horneburg. Einstimmig hat der Kreistag beschlossen, im kommenden Jahr einen On-Demand-Verkehr-Versuch auf den Weg zu bringen. Die Kreisverwaltung wird einen Förderantrag für das Pilotprojekt in den Samtgemeinden Horneburg und Harsefeld bei der NBank stellen. Langfristig könnte das neue Angebot das Anrufsammeltaxi (AST) ablösen.
Shuttle-Dienst läuft im Stader Nachbarkreis schon erfolgreich
Im Bezirk Harburg läuft der On-Demand-Shuttle-Dienst hvv hop mit emissionsfreien Elektroautos bereits erfolgreich, mehr als 500.000 Fahrgäste nutzten seit Januar 2023 bereits das Angebot.
Es handelt sich um ein flexibles Mobilitätsangebot ohne festen Fahrplan, das die Fahrgäste - nach Bestellung mit App oder Telefon - mit Kleinbussen oder Pkw befördert. Der Landkreis Stade wolle damit die Attraktivität des ÖPNV auf dem Land steigern. Im Sommer 2027 soll der Versuch starten. „Dieser ist auf drei Jahre angelegt“, so der Erste Kreisrat Thorsten Heinze.
Vier E-Fahrzeuge mit mindestens sechs Sitzplätzen sollen eingesetzt werden. Zwei von ihnen sollen mit Klapprampe barrierefrei sein - für Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstühlen sowie Rollatoren. Betriebszeit: montags bis donnerstags von 4 bis 23 Uhr, freitags von 4 bis 0 Uhr, sonnabends von O bis 24 Uhr und sonntags von 0 bis 23 Uhr.
Die Ortschaften sollen besser an die Bahn und untereinander durch Direktfahrten von Dorf zu Dorf angebunden werden. Im Projektgebiet wird das heutige AST-Angebot ersetzt. Das werde kaum genutzt: 2025 wurden 641 Fahrten im Projektgebiet in den Samtgemeinden Horneburg und Harsefeld durchgeführt, 770 Fahrgäste befördert. Für Heinze ist das neue Angebot deshalb „ein wichtiger Schritt für die Mobilitätswende im Landkreis Stade“.
Studie geht von einer kräftigen Steigerung der Fahrgastzahlen aus
In der On-Demand-Beratungsstudie für die Verkehrsgesellschaft Nord-Ost Niedersachsen (VNO) werde - je nach Szenario - von 50 bis 146 Anfragen pro Tag ausgegangen, sprich bis zu 53.290 Fahrtanfragen mit bis zu 47.600 Fahrgästen pro Jahr. Das stützt auch die On-Demand-Verkehr-Strategie des Hamburger Verkehrsverbundes. Der HVV sieht On-Demand-Potenzial in Horneburg insbesondere als Zubringer und in Harsefeld für den Direktverkehr.

On-Demand soll keine Konkurrenz zum Bürgerbus Horneburg sein. Foto: Buchmann
Gleichzeitig fördere der On-Demand-Verkehr die Mobilität derer, die keinen Zugriff auf ein eigenes Fahrzeug haben. Der klassische KVG-Linienverkehr einschließlich der Bürgerbusse soll dadurch nicht ersetzt werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche, ältere Personen, von Armut betroffene oder gefährdete Personen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen würden profitieren. Das gelte mit der Kombi aus On-Demand-Verkehr und Bahn auch für Berufspendler, die in Hamburg, Stade oder Buxtehude arbeiten. Reguläre Buslinien fahren viele Wohngebiete nicht an. Beispiel: Horneburg-Blumenthal.
On-Demand-Service auch für Agathenburg und Dollern?
Die Fahrzeuge sollen spätestens nach 30 Minuten Wartezeit vor Ort sein. Es soll möglich sein, die Fahrt vier Tage im Voraus zu buchen. Die Buchung könne per App und telefonisch erfolgen.
Die Gemeinden Agathenburg und Dollern, die ebenfalls zur Samtgemeinde Horneburg gehören, sind nicht Teil des Projektgebiets mit 33.600 potenziellen Fahrgästen. Der Grund: Beide Dörfer seien über die S-Bahn bereits gut an den ÖPNV angebunden, die Agathenburger zusätzlich an die Stader Stadtbuslinie 2007.
Es soll der HVV-Tarif gelten. Zusätzlich muss ein Komfortzuschlag entrichtet werden. Dieser beträgt für jede Fahrt zwischen 4 und 21 Uhr 1 Euro pro Person, zwischen 21 und 4 Uhr 3 Euro. Auch Wochenkarte (5 Euro) und Monatskarte (15 Euro) soll es geben. Die Projektkosten wurden 2024 auf bis zu 1,4 Millionen Euro im Jahr geschätzt.
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