TIm Agathenburger Schloss finden Besucher jetzt ungewöhnlichen Unterschlupf
In der neuen Ausstellung „Habitat“ bringt Kuratorin Claudia Rasztar vier künstlerische Positionen zusammen, die das Verhältnis von Mensch, Natur und Technik beleuchten. Foto: Weselmann
Leben auf Güterzügen, surreale Behausungen und ein atmender Rollmops: Auf Schloss Agathenburg wird jetzt erlebbar, wie Menschen, Tiere und Natur um Raum ringen.
Agathenburg. Wo finden Mensch und Tier eigentlich ihren Platz in einer Welt rasanter Veränderung? Mit der neuen Kunstausstellung lädt die Kulturstiftung Schloss Agathenburg dazu ein, dieser Frage auf überraschende und eindringliche Weise nachzugehen.
Unter dem Titel „Habitat“ verwandeln vier zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler die historischen Räume des Schlosses in Erfahrungsräume rund um Natur, Tiere und unsere Verantwortung für ihre Lebensräume. Feierliche Eröffnung war am Sonnabend.
Das Schloss stößt auf ein virulentes Thema
Mit Fotografie, Malerei, Objekten, Collagen, Film und einer großen Rauminstallation zeigt die Schau wieder eine ganze Palette an Kunstformen. Dabei offenbaren sich ungewöhnliche Unterschlupfe. Diese bringen Themen ins Spiel, die auch viele Menschen in der Region bewegen: Klimawandel, Artensterben, Urbanisierung und das Zusammenleben von Mensch und Tier.
Marschtorzwinger
T Heidi Meyers letzte Ausstellung: Die Buxtehuder Künstlerin sagt Tschüss
„Habitat“ bedeutet Lebensraum. Die Schau fragt: Wie verändern wir unsere Umwelt - und wie verändert sie uns? Was geht verloren, wenn Natur verschwindet? „Alle Positionen schwingen zusammen und bleiben doch in der jeweiligen Aussage erkennbar“, so Kuratorin Claudia Rasztar.
Kunstpositionen eröffnen surreale Tierwelten
Svenja Maaß liefert den surrealen Auftakt zum Ausstellungsrundgang. Die Hamburger Künstlerin kombiniert Erdmännchen, Meerschweinchen und andere Tiere mit Alltagsgegenständen zu absurden Konstellationen. So entstehen irritierende wie humorvolle Bildwelten, die unsere Entfremdung von der Tierwelt aufzeigen.

Sina Heffner setzt Tierpräparate auf ungewöhnliche Weise in Szene. Foto: Heffner
Die Braunschweiger Künstlerin Sina Heffner inszeniert Tierpräparate neu und stellt die Frage, wie nah oder fern uns Tiere heute sind. Entlang ihrer archivisch aufgereihten „Nistkästen“ können Besucher auf Entdeckung gehen, um hinter Gucklöchern vielfältige Bewohner zu erspähen. Dem gegenüber steht ihre Serie bizarrer Pflanzenwelten. Diese fiktionalen Zeichnungen muten an wie neu entdeckte Arten von Expeditionen in Flora und Fauna.
Die Werke der beiden ziehen sich durchs Schloss. Im Salon ist an exponierter Stelle auf einmal ein Tier auszumachen. Und der Eiskeller ist besetzt durch einen atmenden Rollmops.
Blick auf blinde Passagiere und bedrohten Raum
Der Bremer Johannes Fiola holt Menschen in den Blickpunkt, die versteckt in Güterzügen durch Europa reisen - blinde Passagiere auf der Suche nach einem anderen Leben. Seine Fotografien machen eine geheime Gemeinschaft im Niemandsland sichtbar, die eine Nische zwischen Sehnsucht, Unsicherheit und globalisierten Transportwegen gefunden hat.

Mit ihrer raumgreifenden Installation „Choir of Fragments“ schafft Julia Nordholz ein eindrückliches Kunsterlebnis zum Lebensraum Wald. Foto: Maik Graf
Den großen Saal nimmt eine begehbare Installation aus Holzscheiben gefällter Stadtbäume, Glas, Klang und Licht ein. Der Raum macht Waldgeräusche und Klimadaten hörbar und versetzt Besucher mitten ins Geschehen. Mit ihrem „Choir of Fragments“ gibt die Hamburger Künstlerin Julia Nordholz dem Wald als bedrohtem Lebensraum so eine eindringliche Stimme.
Die Ausstellung läuft bis zum 5. Juli. Schloss Agathenburg versteht sich als Ort, an dem aktuelle Themen für alle zugänglich werden. Führungen und Gespräche mit Kunstschaffenden geben Gelegenheit, sich auszutauschen und Kunst auf neue Art zu erfahren. Infos zu Öffnungszeiten und Eintritt finden sich unter www.schlossagathenburg.de.
Das Rahmenprogramm im Überblick
- Donnerstag, 11. Juni, 18 Uhr Tandem-Führung mit Svenja Maaß und Kuratorin Claudia Rasztar
- Freitag, 12. Juni, 14 bis 20 Uhr Freitag ist Frei-Tag: Eintritt frei und verlängerte Öffnungszeit für Schloss und Ausstellung
- Sonnabend, 27. Juni, 16 Uhr Kuratorinnenführung anlässlich des Kleinen Schlossfestes
- Donnerstag, 2. Juli, 18 Uhr Art & Aperitif mit Claudia Rasztar
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