TIm S-Bahn-Tunnel: So machen die Bauarbeiten in Harburg den Bahnverkehr besser
Mit Blick auf ein Display begleitet ein Arbeiter den Spezialzug beim Fräsen der Schiene. Die Maschine trägt dünne Metallschichten ab und saugt die entstehenden Frässpäne auf. Foto: Sulzyc
Die Generalüberholung bedeutet für Bahnfahrer aus dem Kreis Stade eine Geduldsprobe. Donnerstagabend erreichten die Bauarbeiten an der S5-Strecke die Zielgerade. Ein Besuch auf der Baustelle.
Harburg. Mehrere Belüftungsmaschinen, etwa 1,60 Meter hoch und 3,50 Meter lang, blasen kräftig frische und kühle Luft in den S-Bahn-Tunnel in Harburg. Gespräche in ihrer Nähe zu führen, ist keine gute Idee - so laut sind sie.
Die Baustelle zur Generalüberholung des S-Bahn-Tunnels in Harburg hat ihre besonderen Tücken: Maschinen mit Verbrennungsmotoren sind im Einsatz. „Ohne die Lüfter im Tunnel würden sich die Abgase im Tunnel ausbreiten und könnten lebensgefährlich werden“, erklärt Alexander Klefken von der CFT GmbH. Das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen ist ein Spezialist für lufttechnische Anlagen im Tunnelbau.
Während der Bauarbeiten versorgen gewaltige Belüftungsmaschinen den mehr als 4 Kilometer langen Harburger S-Bahn-Tunnel mit frischer Luft. Foto: Sulzyc
Vor mehr als 40 Jahren ging der 4,2 Kilometer lange S-Bahn-Tunnel in Betrieb. Er verbindet die unter der Erde gelegenen Haltestellen Heimfeld, Harburg-Rathaus und Harburg. Zum ersten Mal seit der Inbetriebnahme lässt die Deutsche Bahn die wichtige Verkehrsachse in Hamburgs Süden generalüberholen. Alle vier bis fünf Minuten fährt dort eine S-Bahn entlang.
Für Tausende Berufspendler aus dem Landkreis Stade liegt der S-Bahn-Tunnel auf ihrem Arbeitsweg. Seine Sperrung vor zwei Wochen wegen der Bauarbeiten bedeutete eine harte Geduldsprobe für sie. Umwege und Fahrten in Bussen, die S-Bahn-Züge ersetzten, verlängerten die Fahrzeit - bei manchen bis zu eine Stunde pro Fahrt und mehr.
Am späten Donnerstagabend erreichten die Bauarbeiten die Zielgerade. Aus diesem Anlass luden das Bahninfrastrukturunternehmen DB Infra Go und S-Bahn Hamburg zu einem Pressegespräch auf der Baustelle tief unter der Erde.
120 Arbeiter pro Tag auf der Tunnelbaustelle
Seit Beginn der Bauarbeiten sind 30 bis 40 Arbeiter pro Schicht und damit 120 pro Tag auf der Baustelle im Harburger-S-Bahn-Tunnel tätig. Ihre Sicherheit spielt eine große Rolle. Im Bahnbetrieb stehen Schienen unter Strom - eine Berührung wäre lebensgefährlich. Während der Arbeiten sind die Stromschienen abgeschaltet.
Zutritt zur Baustelle erfolgt nur mit einem Transponder, der an einem Schlüsselband um den Hals hängt. Mit Hilfe der Sender wissen die Mitarbeiter im Leitstand, wo sich die Menschen in dem meist im Halbdunkel liegenden 4,2 Kilometer langen Tunnel befinden.

Im Leitstand oberhalb der S-Bahn-Station Harburg-Rathaus erklärt Alexander Klefken von der beauftragten CFT GmbH die Überwachung der Sicherheit bei den Bauarbeiten. Das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen ist Spezialist für lufttechnische Anlagen im Tunnelbau. Foto: Sulzyc
An diesem späten Donnerstagabend beseitigt ein Schienenfräszug Risse und Abnutzungen. Die Spezialmaschine trägt dünne Metallschichten von der Fahrfläche ab - manchmal lediglich mehrere Zehntelmillimeter, mal bis zu 1,5 Zentimeter. Entstehende Frässpäne saugt die Maschine direkt auf. Deshalb entstehen keine oder kaum Funken. Im schnellen Gehtempo bewegt sich die Maschine beim Fräsen.

Fräsköpfe tragen Zehntelmillimeter Material von der Fahrfläche ab. Dabei entstehen in dieser Szene einige wenige Funken. Foto: Sulzyc
Tief im S-Bahn-Tunnel, 1000 Meter weit von der S-Bahn-Station Harburg-Rathaus entfernt, zeigt die Deutsche Bahn den Journalisten den 16 Tonnen schweren Schienenfräszug bei der Arbeit. Haarfeine Risse auf der Schiene seien ähnlich wie Spurrillen auf der Straße, erklärt Kristina Thaiß, Leiterin Instandhaltungsmanagement DB Infra Go Hamburg.
Schiene abgenutzt: Bahnbetrieb unterbrochen
In zwei Fällen im vergangenen Jahr habe der S-Bahn-Betrieb im Harburger Tunnel unterbrochen werden müssen - wegen auffälliger Abnutzungen an der Schiene. Bei der Generalüberholung hätten die Planer darauf geachtet, alles zu reparieren, worunter die Pünktlichkeit im Bahnverkehr leidet, sagt Kristina Thaiß.
So hat die Deutsche Bahn auf der 4,2 Kilometer langen Tunnelstrecke zwischen Heimfeld und dem Bahnhof Harburg die Signaltechnik ausgetauscht, Schienen geschliffen und die Weichenantriebe modernisiert.

Zwei Wochen lang wurde der Harburger S-Bahn-Tunnel auf mehr als vier Kilometer Länge generalüberholt und blieb deshalb gesperrt. Foto: Sulzyc
Das Fräsen verlängert die Lebensdauer der Gleise, verbessert die Laufruhe der Züge und reduziert Lärm - gut für die Fahrgäste. „Wir haben auch autonome Schmiervorrichtungen an den Weichen eingebaut“, sagt Kristina Thaiß.
Wie geschmiert läuft offenbar die Rundumerneuerung im Harburger S-Bahn-Tunnel. Die Deutsche Bahn ist im Zeitplan: Die Bauarbeiten enden in der Nacht zu Freitag. Anschließend räumt die Tagesschicht auf: Arbeiter bauen die mobilen Lüfter ab und deinstallieren Stromkabel für die Sicherheitstechnik. Zum Beispiel die zur Erfassung der Beschäftigten mit Transpondern.
„Ab Sonnabendmorgen werden wir wieder fahren“, kündigt Bahnmanagerin Kristina Thaiß bereits am späten Donnerstagabend auf der Baustelle im Harburger S-Bahn-Tunnel an.
Das bedeutet: S-Bahn-Züge fahren ab Betriebsbeginn am Sonnabend, 23. Mai, wieder zwischen den Haltestellen Neugraben und Wilhelmsburg.
Bahnfahrgäste aus dem Landkreis Stade dürfen aufatmen: Der Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Neugraben und Wilhelmsburg ist Geschichte.
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