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TIn dieser Buxtehuder Werkstatt kommt der Bulle aus dem Feuer

Auf einen Schlag Entspannung: Beim Schmieden lässt Martin Porsche die Seele baumeln.

Auf einen Schlag Entspannung: Beim Schmieden lässt Martin Porsche die Seele baumeln. Foto: Weselmann

Der historische Bau ist nach außen eher unscheinbar. Im Innern lodert aber das Feuer einer alten Handwerkskunst. Ein Besuch bei Martin Porsche in der Buxtehuder Altstadt.

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Von Fenna Weselmann
Donnerstag, 13.11.2025, 11:50 Uhr

Buxtehude. Am Rand der Buxtehuder Altstadt ist noch eine alte Handwerkstradition lebendig, die sogar eine kuriose Sage begründet hat. Mit seinem verwitterten Stein, den dunkelgrün lackierten Holztoren und alten Eisenfenstern drückt sich das historische Kleinod eher unscheinbar in die enge Kurve am Liebfrauenkirchhof. Darüber prangt ein Schild mit dem Namen Porsche.

In diesem Buxtehuder Betrieb fliegen die Funken

Hammer und Amboss unter dem Schriftzug machen aber schnell klar, dass es hier nicht um schnelle Autos geht. Seit mehr als 100 Jahren hat hier eine Schmiede ihr Zuhause. Gegründet wurde sie um 1900 von Wagen- und Hufschmied Sonntag. Eingeheiratet in die Familie, übernahm später Willy Grimm den Betrieb, später Sohn Werner. Bis heute ist das Haus im Familienbesitz.

Historische Aufnahme der Schmiede am Liebfrauenkirchhof mit dem einstigen Inhaber Willy Grimm.

Historische Aufnahme der Schmiede am Liebfrauenkirchhof mit dem einstigen Inhaber Willy Grimm. Foto: Grimm

Anke Wentzien und Jürgen Grimm sind mit der Werkstatt von Großvater und Vater aufgewachsen. „Die Werkstatt hat das Leben unserer Familie geprägt“, erzählt Anke Wentzien. Sie und ihr Bruder haben viele alte Fotos bewahrt, genauso wie Gesammeltes zu der Geschichte über die Wunderkuren eines Buxtehuder Schmieds. Sie freuen sich, dass die Schmiede weitergeführt wird.

Martin Porsche hält die Schmiedetradition lebendig

Seit vielen Jahren hat Martin Porsche hier sein metallenes Reich. Geboren und aufgewachsen ist der Metallbauer und Kunstschmied in Schleswig-Holstein. Mit einem Werkzeugmacher als Vater tüftelte er schon als Jugendlicher am Bau von Seifenkisten und Go-Karts. Einige seiner acht Kinder teilen ebenfalls die Begeisterung für Metallbau.

Martin Porsche schürt das Feuer seiner Kunstschmiede.

Martin Porsche schürt das Feuer seiner Kunstschmiede. Foto: Weselmann

Dass er nach Buxtehude fand, war ein glücklicher Zufall. Nach Ausbildung, Gesellenjahren und Meisterprüfung suchte er schon länger nach einer Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Im Handwerksmuseum Horneburg traf er schließlich auf Werner Grimm. Der schlug vor, er solle sich doch mal seine Werkstatt in Buxtehude anschauen.

Martin Porsche erinnert sich noch genau an den Moment, als er hier zum ersten Mal durch die Tür trat. „Da sagte meine innere Stimme ‚Mach das‘“, erzählt der 62-Jährige von den Anfängen seiner 1997 gegründeten Firma. Für ihn ist die gepachtete Werkstatt ein Stück Zuhause.

Martin Porsches Handwerkskunst hat am Buxtehuder Liebfrauenkirchhof eine lange Tradition.

Martin Porsches Handwerkskunst hat am Buxtehuder Liebfrauenkirchhof eine lange Tradition. Foto: Weselmann

So weit das Auge reicht, füllt ein Sammelsurium an Werkzeugen und Schmiedearbeiten den Raum. Zwischen Amboss und mehreren Werkbänken hängt, steht und liegt Metall im Feuerschein der großen Esse. Angefacht wird über ein elektrisches Gebläse. Der riesige alte Blasebalg unter der Decke würde aber noch funktionieren.

Bei der Arbeit am Amboss kann die Seele baumeln

Seit 2010 arbeitet Martin Porsche zwar hauptberuflich als Meister beim Finkenwerder Maschinen- und Metallbau. Die eigene Werkstatt läuft deshalb nur noch „auf Sparflamme“, wie er erklärt. Aufgeben will Porsche seine Buxtehuder Schmiede aber auf keinen Fall. „Ich mach‘ so lange weiter, bis ich am Amboss umfalle.“

Wenn er nicht am Amboss steht, fährt Martin Porsche mit seinem Motorrad durchs Alte Land.

Wenn er nicht am Amboss steht, fährt Martin Porsche mit seinem Motorrad durchs Alte Land. Foto: Weselmann

Schmieden ist für ihn Entspannung. „Hier am Feuer kann ich einfach meine Seele baumeln lassen.“ Sonst ist er mit dem Motorrad unterwegs. Was er fährt? „Eine NSU Max Baujahr 1955. Die ist noch älter als ich“, erzählt der Schmied mit seinen Lachfalten um die Augen. Am liebsten geht es gemütlich durch das Alte Land.

Jetzt gibt es Nachschub für den Buxtehuder Bullen

An den Wochenenden schürt er das Feuer und arbeitet an vielfältigen Projekten - einfach, weil es ihm Spaß macht. Gartentore, Türbeschläge, Dekorationen: Bis nach Hamburg und Schleswig-Holstein reicht sein Kundenstamm. Dabei ist er immer auf der Suche nach neuen Ideen und Herausforderungen. Zu denen gehörte aktuell ein für Buxtehude bedeutsamer Auftrag.

Nachschub für die Gewinner des städtischen Jugendliteraturpreises: Metallbauermeister und Kunstschmied Martin Porsche hat einen neuen Vorrat an Buxtehuder Bullen geschaffen.

Nachschub für die Gewinner des städtischen Jugendliteraturpreises: Metallbauermeister und Kunstschmied Martin Porsche hat einen neuen Vorrat an Buxtehuder Bullen geschaffen. Foto: Weselmann

Martin Porsche hat erstmals den Nachschub für die Gewinner des Buxtehuder Bullen produziert. Zu dem mit 5000 Euro dotierten Jugendliteraturpreis der Stadt bekommen die Gewinner-Autoren seit jeher eine gewichtige Stahlplastik in Form eines Bullen als Erinnerung. Gut zwölf Stunden Arbeit steckt in jedem handgefertigten Exemplar der einst von Bildhauer Reinhard Güthling entworfenen Skulptur.

Passend zur Preisverleihung an diesem Donnerstag um 18.30 Uhr auf der Halepaghen-Bühne sind die neuen Bullen-Plastiken fertig geworden. Eine wird nun der diesjährigen Preisträgerin Maja Nielsen für ihre wahre Grenz-Geschichte über einen Berliner Tunnelbauer überreicht. Für den Festakt gibt es noch Restkarten an der Abendkasse. Näheres zum Programm der Bullen-Kulturtage findet sich unter www.buxtehuder-bulle.de.

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