TJubel und Enttäuschung in Stade: Reaktionen auf die Bürgermeisterwahl
Einzug des neuen Bürgermeisters im alten Rathaus: Kai Koeser kommt in den Königsmarcksaal, etwas verspätet. Foto: Strüning
Das Wahlvolk hat entschieden: Kai Koeser (SPD) wird der neue Bürgermeister von Stade. Was sagen Gewinner und Verlierer dazu? Antworten zwischen Bitterkeit und Jubel.
Stade. Einer strahlte unübersehbar am Sonntagabend: Kai Koeser von der SPD. „Ich freue mich über dieses deutliche Ergebnis und nehme das als Rückendeckung für unser gemeinsames Projekt“, sagt Kai Koeser kurz nach seiner Wahl zum Stader Bürgermeister.
Er wolle Stade fit machen für die Zukunft und dabei das Versprechen der Kleinstadt bewahren. Und als Bürgermeister allen die Hand reichen, den Ehrenamtlichen, Bürgerinnen und Bürgern und über Parteigrenzen hinweg.
SPD jubiliert: „Ein großartiges Ergebnis“
In seiner Partei wurde gejubelt. Genossin Silvia Nieber, einst selbst Stades Bürgermeisterin, freut sich für Kai Koeser: „Das ist ein großartiges Ergebnis.“

Ex-Bürgermeisterin Silvia Nieber am Wahlabend im Gespräch mit Erstem Stadtrat Lars Kolk. Foto: Stehr
Koeser sei der Bürgermeister der Herzen, das Rathaus werde wieder rot. Koeser und Co. hätten einen „unglaublichen Wahlkampf“ mit geringen Mitteln und hohem persönlichen Einsatz hingelegt. Nieber: „Ich bin absolut überzeugt, dass er der Richtige ist.“

Das SPD-Team mit (von links) Elena Brückner, Kai Koeser, Christian Häckl und Philipp Lausch. Foto: Strüning
Davon ist Koesers Ehemann Christian Häckl schon lange überzeugt. „Ich freue mich für Kai, der hat richtig Bock auf Stade und viele gute Ideen.“ Koeser habe das Vertrauen der Wähler bekommen, die Stadt zu gestalten und nicht nur zu verwalten, sagt Corinna Lange als SPD-Kreisvorsitzende.
Stade und Harsefeld mit SPD-geführten Rathäusern
Kommunalwahl sei eine Persönlichkeitswahl, da habe Koeser im Vorfeld einiges richtig gemacht und mit guten Ideen und seiner Persönlichkeit überzeugt. Sie sei wahnsinnig stolz, dass neben Harsefeld demnächst in Stade ein zweites Rathaus SPD-geführt wird.
T Koeser vs. Kramer: Stader Bürgermeister-Duell hier zum Nachschauen
SPD-Ratsmitglied Tamer Yüksel hatte die ganze Zeit über ein gutes Gefühl. Koeser habe sich seinen Erfolg hart erarbeitet, die unzähligen Haustürbesuche hätten Wirkung gezeigt. Yüksel: „Es ging bei dieser Wahl nicht ums Parteibuch.“

Zweimal Kai: Landrat Kai Seefried (CDU, rechts) gratuliert Kai Koeser (SPD). Foto: Strüning
„Das war ein wichtiger Abend für den Landkreis. Das Wahlergebnis war deutlich. Ich gratuliere Kai Koeser und freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt Landrat Kai Seefried (CDU). Als Privatperson habe er aber seinem Freund Arne Kramer (CDU) die Daumen gedrückt, gibt er zu.

Landrat Kai Seefried (links) drückte als Privatperson Arne Kramer die Daumen, sagt er. Er freue sich aber auch auf die Zusammenarbeit mit Kai Koeser. "Das Wahlergebnis war deutlich." Foto: Stehr
„Große Reden sind noch nie meine Stärke gewesen, vor allem nicht nach solchen Momenten“, sagt Arne Kramer und ringt mit den Tränen. Er wurde am Sonntagabend unter tosendem Applaus in der Stader Seminarturnhalle empfangen.
Der Unterlegene gratuliert per TAGEBLATT-Video
Per TAGEBLATT-Video gratuliert der Wahlverlierer wenige Minuten später Kai Koeser zum Wahlerfolg und sagt: „Mach das beste draus. Schade, dass es bei mir nicht gereicht hat. Vielen Dank für jede einzelne Stimme.“ Er werde sich jetzt erst mal ein paar Tage Ruhe gönnen. Hat die CDU mit ihm als Kandidaten womöglich aufs falsche Pferd gesetzt?

"Man hat leider gemerkt, dass Berlin doch eine Rolle spielt", sagt Elif Aydin, stellvertretende Vorsitzende der CDU Stade. Sie und Arne Kramer waren während des Wahlkampfs unzertrennlich. Foto: Stehr
„Arne Kramer war der richtige Kandidat“, sagt Elif Aydin, stellvertretende Vorsitzende der CDU Stade und Kramers Wahlkampfhelferin Nummer eins. Man habe leider gemerkt, dass Berlin doch eine Rolle auf kommunaler Ebene spiele. „Die Menschen können da offenbar nicht differenzieren“, sagt sie. Das Ergebnis sei demokratisch. Das müsse man jetzt so hinnehmen.
„Wir konnten unsere Wähler nicht mobilisieren“
Auch Melanie Reinecke, CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU im Landkreis Stade, glaubt nicht, dass die Wahlniederlage an der Person Arne Kramer liegt. „Der Bund hat da mitreingespielt. Die Stimmung ist allgemein nicht gut“, sagt sie. Der CDU vor Ort sei es nicht gut genug gelungen, ihre Wähler zu mobilisieren.

"Wir konnten unsere Wähler nicht gut genug mobilisieren. Die Wahlbeteiligung war erschreckend niedrig", sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke aus Stade. Foto: Stehr
Die Wahlbeteiligung von gut 37 Prozent bezeichnet Melanie Reinecke als „erschreckend gering“. Viele hätten gar nicht mitbekommen, dass es eine Stichwahl gibt. Und das, obwohl Arne Kramer in den vergangenen 14 Tagen alles gegeben habe. „Er verdient großen Respekt.“

"Wir hatten einen guten Kandidaten, aber vielleicht setzen viele bei der Direktwahl eher auf Sympathie als auf Können", sagt Daniel Friedl, Fraktionsvorsitzender der CDU Stade. Foto: Stehr
Die SPD habe es einfach besser hinbekommen, die Wähler zu mobilisieren, sagt Daniel Friedl, Fraktionsvorsitzender der CDU Stade. Arne Kramer sei ein guter Kandidat gewesen. „Vielleicht setzen viele bei der Direktwahl aber eher auf Sympathie als auf Können.“
„Wir müssen uns in der Mitte zusammenraufen“
CDU-Ratsherr Karsten Behr sei mehr denn je überzeugt, dass Arne Kramer der richtige Kandidat war. „Das Ergebnis kam für mich unerwartet und ist bitter.“

CDU-Ratsherr Karsten Behr bezeichnet den Wahlausgang als "unerwartet und bitter". Foto: Stehr
Unsere Leute sind heute nicht zur Wahl gegangen“, sagt er und fügt hinzu: „Im neuen Rat gibt es keine klaren Mehrheiten, das wird nicht einfach. Auch der Bürgermeister hat keine Mehrheit. Wir werden uns in der Mitte zusammenraufen müssen.“
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