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Top-Thema 2025

TKaufhaus-Chef Fabian Stackmann: „Warum nicht Trinkgeld für Beratung?“

Kaufhaus-Chef Fabian Stackmann vor der Kulisse der Altstadt. In Buxtehude zeigt sich der Einzelhandel noch stabiler als in vielen anderen Städten.

Kaufhaus-Chef Fabian Stackmann vor der Kulisse der Altstadt. In Buxtehude zeigt sich der Einzelhandel noch stabiler als in vielen anderen Städten. Foto: Schmidt

Neueröffnungen und einige Leerstände in Buxtehudes Altstadt waren 2025 von großem Interesse. Wie die Innenstadt in Zukunft aussehen könnte, sagt Fabian Stackmann.

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Von Thomas Sulzyc
Freitag, 02.01.2026, 18:50 Uhr

Buxtehude. Die Gastronomie macht sich in der Buxtehuder Innenstadt schneller breit als alle anderen Branchen. Wenn auch auf dem Rückzug, zeigt sich das Sortiment Textilien robust. Die wenigen Leerstände halten sich hartnäckig. Das ist das Bild, das der Handel in der Altstadt 2025 bot.

Das tat sich 2025 in der Altstadt

Die auffälligste Veränderung: der Leerstand im Rathausquartier entlang der Langen Straße. Die Metzgerei Fleischerjungs, das E-Zigaretten-Geschäft Hanse Dampfer und das Buxtehuder Wein und Genuss Kontor sind seit dem Sommer geräumt.

Aber die Eröffnung des Restaurants Kimchi Lab in der Abtstraße brachte im vergangenen Jahr die koreanische Küche nach Buxtehude. Der Lieferdienst Din Hau (asiatisches Essen) eröffnete in der Ritterstraße in einem früheren Nagelstudio.

In das frühere Weinlokal Primus in der Buxtehuder Altstadt ist 2025 das koreanische Restaurant Kimchi Lab eingezogen.

In das frühere Weinlokal Primus in der Buxtehuder Altstadt ist 2025 das koreanische Restaurant Kimchi Lab eingezogen. Foto: Sulzyc

Wichtigster Einzelhandelsakteur in der Altstadt ist das Modehaus Stackmann. Drum herum haben sich viele inhabergeführte Textilhändler etabliert. Das unterscheidet die Buxtehuder Innenstadt von vielen anderen Städten.

Der Markt im Einzelhandel verändert sich - bedrohlich für Buxtehude. Der Onlineanteil am gesamten Umsatzvolumen im Einzelhandel lag dem Handelsverband Deutschland zufolge 2024 bei 13,4 Prozent. Bei Kleidung liegt der Onlinehandel allerdings bei mehr als 40 Prozent - nur fünf Prozent waren es 2008.

„Einzelhandelsfläche ist weniger produktiv als noch vor zehn Jahren“, sagt Kaufhaus-Chef Fabian Stackmann. Davon hat das Modehaus viel: 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Erlebnisbranchen wie Food und Reisen täten sich bei Konsum und Preissteigerungen leichter, sagt er.

Deshalb bietet Stackmann Erlebnisse im Modehaus. Fabian Stackmann gilt als Baumeister. So hat ihn Moderator Wolfgang Stephan in der Talkshow „Menschen des Jahres 2025“ bezeichnet. Veranstalter ist das Kaufhaus. Baumeister, weil Fabian Stackmann im schnellen Rhythmus Abteilungen verändern lässt.

Das plant Stackmann im Jahr 2026

Das Ziel des Baumeisters: Erlebnisse schaffen. Zwar nur 85 Quadratmeter groß, spielt dabei eine Fläche im Erdgeschoss eine wichtige Rolle. Unmittelbar zur Fußgängerzone in der Langen Straße befindet sie sich - trotzdem präsentiert das Kaufhaus dort keine Waren.

Wie die freie Fläche genutzt werden wird? „Wir testen noch bis Mitte 2026“, antwortet Fabian Stackmann. Es gehe in Richtung Dienstleistung. „Food, um die Fußgängerzone zu bespielen.“ In der Vorweihnachtszeit veranstaltete Stackmann einen Pizza-Pop-up. An sechs Tagen habe das Modehaus 950 Pizzen verkauft. Das deutet an, wohin die Reise gehen könnte.

Foodroboter sind ein Zukunftstrend

Rosig geht es Food-Dienstleistern auch nicht. Menschen wollen auch an Restaurantbesuchen sparen, weniger an Reisen, lautet das Ergebnis von Verbraucherumfragen zur Konsumlaune. Fachkräftemangel ist ein anderes Problem. „Es gibt weniger Menschen, die diese Arbeit machen wollen“, sagt Fabian Stackmann.

Das Gespräch mit dem TAGEBLATT über die Zukunft der Innenstadt lenkt der Kaufhaus-Chef auf Foodroboter. Das sind Automaten, die Speisen kochen. Gesehen habe er so etwas schon. „Robotik und Automation wird selbstverständlicher.“

Vorschlag: Trinkgeld im Einzelhandel

Fabian Stackmann erwähnt Roboter, um anschließend leidenschaftlich für Service und Beratung im stationären Einzelhandel zu plädieren. Er spricht von Wertschätzung, die der Gesellschaft etwas abhandengekommen sei. Wertschätzung den Mitarbeitern im Einzelhandel gegenüber. Jeder, der ins Kaufhaus komme, werde herzlich begrüßt und kompetent beraten.

„Trinkgeld als Wertschätzung für unsere top Berater“, schlägt Fabian Stackmann vor. Er ist sich bewusst, dass er damit provoziert. „Trinkgeld ist in der Gastro üblich, im Handel wäre es eine Kulturrevolution.“

Buxtehudes Innenstadt: Wohin geht die Reise?

Speisen aus Automaten und geschlossene Ladengeschäfte – wird Buxtehudes Innenstadt in 10 oder 20 Jahren so aussehen? Fabian Stackmann antwortet, indem er Voraussetzungen nennt, um das positive Bild der Buxtehuder Innenstadt zu bewahren. Mit regionalen Unternehmen und Gastronomien, die inhabergeführt sind.

Die Gewährleistung des Individualverkehrs spiele eine große Rolle. „Menschen im Landkreis Stade fahren überwiegend mit dem Auto“, sagt Fabian Stackmann. Buxtehude müsse außerdem weiter investieren: in Events und Marketing, in Aufenthaltsqualität und Besuchsanlässe. Jede Entscheidung dagegen mache es Unternehmern in der Summe zunehmend schwerer – und sei sie noch so klein.

Kommt der Sporthandel Decathlon?

Neue Einzelhandelsakteure, die sich in der Buxtehuder Innenstadt ansiedeln könnten, seien nicht in Sicht. Der französische Sportartikelhändler Decathlon sei auf Wachstumskurs. Aber der brauche mindestens 5000 Quadratmeter Fläche - eine Größenordnung, die in der Innenstadt nicht verfügbar sei.

Und ansonsten? „Bleibt Massage, Kosmetik, Nagelstudio, Immobilienbüro, Tattoo und Bäcker“, sagt Fabian Stackmann. Aktuell profitieren diese Konzepte von gesunkenen Mieten und der Frequenz, die Handel und Gastronomie erzeuge. Nachgelagert seien auch sie unter Druck.

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