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Fußball

TKommt die viergleisige Regionalliga? So steht D/A zur Aufstiegsreform

Begleitet von 750 Fans feierte der VfB Lübeck 2023 den direkten Drittliga-Aufstieg im Kehdinger Stadion. In den Jahren danach mussten Hannover 96 II und Havelse den Umweg über die Relegation nehmen.

Begleitet von 750 Fans feierte der VfB Lübeck 2023 den direkten Drittliga-Aufstieg im Kehdinger Stadion. In den Jahren danach mussten Hannover 96 II und Havelse den Umweg über die Relegation nehmen. Foto: Struwe/Archiv

Fünf Regionalligen, aber nur vier Aufsteiger. Der Modus steht in der Kritik. Jetzt könnte eine Reform kommen. Auch die SV Drochtersen/Assel positioniert sich klar.

Von Rainer Thumann Samstag, 07.03.2026, 06:00 Uhr

Landkreis. Fußball-Regionalligist Drochtersen/Assel steht aktuell auf Tabellenplatz zwei mit vier Punkten Abstand zum Spitzenreiter SV Meppen. Mit einer Partie im Rückstand ist der Aufstieg in die 3. Liga bei noch zwölf ausstehenden Spielen in greifbarer Nähe.

„Alles ist möglich. Wichtig ist, dass wir gut aus den Startlöchern kommen“, sagte D/A-Sportdirektor Sören Behrmann noch vor dem siegreichen Heimspiel gegen Eintracht Norderstedt. In dieser Saison wäre es vergleichsweise einfach für das höchstspielende Team der Region, denn der Nord-Meister steigt direkt in den Profibereich auf.

Das ist der aktuelle, umstrittene Modus

Bei fünf Regionalligen (Nord, Nordost, Bayern, Südwest und West) und vier Aufsteigern ist das nämlich kein Automatismus. Meister zu sein, nach 34 hart umkämpften Partien, reicht also nicht überall zum Aufstieg. Bereits seit geraumer Zeit gibt es Kritik am Modus Vivendi, der auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag 2019 beschlossen und zur Saison 2020/21 umgesetzt wurde.

Demnach steigen die Meister der Regionalligen West und Südwest direkt auf. Als Grund dafür wurde angeführt: Die Ballungsräume umfassen zusammen mehr als 50 Prozent der gemeldeten Männermannschaften in Deutschland. Die beiden übrigen Aufstiegsplätze verteilen sich auf die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern. Einer dieser drei Meister steigt nach einem jährlich rotierenden System direkt auf. Den vierten Startplatz für die 3. Liga spielen die beiden übrigen Meister in Aufstiegs-Playoffs mit Hin- und Rückspiel aus.

DFB setzt Arbeitsgruppe „Regionalliga-Reform“ ein

Vor allem in Ostdeutschland hatte sich der Unmut seinen Weg gebahnt. Kein Ost-Klub schaffte es seit 2018 über das Nadelöhr Relegation in die 3. Liga. Lok Leipzig scheiterte zweifach, dazu der BFC Dynamo und Energie Cottbus. Vor einigen Monaten hatte sich nun die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ gegründet, zunächst von 17 Teams der Regionalliga Nordost. Inzwischen haben sich insgesamt 59 Klubs aus den ersten fünf Ligen, darunter auch D/A, und die Fanszene aus ganz Deutschland angeschlossen. Ziel ist es, auf dem DFB-Bundestag im Herbst 2026 eine neue Regelung zu verabschieden.

Unter der Leitung des früheren NRW-Ministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten sowie einstigen DOSB-Chefs Dr. Michael Vesper wurde vom DFB die Arbeitsgruppe „Regionalliga-Reform“ eingesetzt. Bei den AG-Treffen war das „Kompass-Modell“ mit deutlicher Mehrheit bewilligt worden.

Drochtersen/Assel ist für die Reform

Es sieht eine Regionalliga-Reform hin zur viergleisigen 4. Liga vor. In diesem Modell würden sich die auf vier reduzierten Staffeln nicht mehr nach Verbandsgrenzen richten, sondern sich in jeder Saison anhand der kürzesten Fahrtstrecken zusammensetzen - dies soll wohl mithilfe einer KI (Künstlichen Intelligenz) geschehen. Vier Staffeln, vier Meister, vier Direktaufsteiger. Relegationsspiele wären Geschichte.

Für Drochtersen/Assel wäre das der Idealfall. „Wir haben uns auch an der Initiative beteiligt und unterstützen die Reform. Der Erstplatzierte, und das ist unser Credo, muss aufsteigen. Das ist auch eine Frage der sportlichen Gerechtigkeit“, formuliert Sören Behrmann die Forderung seines Vereins. Für den Sportdirektor wäre es aber auch sinnvoll, wenn die 3. Liga aufgestockt würde.

Regionalligisten fordern mehr Planungssicherheit

Die Mannschaft selbst blendet die Verbandspolitik weitgehend aus. „Meine grundlegend persönliche Meinung ist auch, dass jeder Meister aufsteigen sollte“, sagt D/A-Kapitän Nico von der Reith. Alles andere, was mit der Reform zu tun hat, blende er aus.

D/A-Kapitän Nico von der Reith.

D/A-Kapitän Nico von der Reith. Foto: Struwe

Die Interessen der niedersächsischen Regionalligisten in der AG vertritt Florian Egbers vom SV Meppen, als aktueller Spitzenreiter größter D/A-Konkurrent. Der 32-jährige SV-Geschäftsführer sieht durch die Aufstiegsspiele die Planungssicherheit der Vereine massiv in Gefahr und mahnt die Verbandsfunktionäre an, dass der Sport im Vordergrund stehen müsse und nicht verbandsinterner Machterhalt.

Kommt die Reform oder bleibt alles beim Alten?

AG-Chef Michael Vesper sprach zuletzt von „Fortschritten, sachbezogenen Diskussionen und sehr guter Arbeitsatmosphäre“ und zeigte sich zuversichtlich, „eine klare Empfehlung für die beschlussfähigen Gremien“ zu entwickeln. Nach der vierten Sitzung Mitte Februar folgte jedoch Ernüchterung. „Die Diskussionen sind intensiv, ich nehme sie aber weiterhin als konstruktiv wahr“, sagt Vesper. „Klar ist: Wenn jeder nur aus seiner eigenen Brille auf die Dinge schaut, werden wir keine Lösung finden.“ Übersetzt heißt das: Stillstand.

Vor allem der mitgliederstarke Westdeutsche Fußballverband (WDFV) soll um Einfluss fürchten und am Status quo festhalten wollen. Mit Spannung wird nun die wohl vorerst letzte AG-Sitzung am 27. März erwartet. Kommt die Reform tatsächlich oder bleibt alles beim Alten? Oder greift am Ende Bernd Neuendorf als DFB-Präsident durch und macht die Reform zur Chefsache?

Die Antwort ist vorerst offen. Um ganz auf Nummer sicher bei all der Ungewissheit zu gehen, zählt für Drochtersen/Assel am Ende dieser Saison nur eins: Ganz oben zu stehen und den Kehdinger Traum ohne Reformchaos zu realisieren.

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