TKriminalstatistik: Mehr Straftaten, höhere Aufklärungsquote im Kreis Stade
Drogen: Das Mobile Einsatzkommando (rechts) hat 2025 den Kulturverein Sapur Suouer in der Straße Hinter dem Zwinger in der Buxtehuder Altstadt gestürmt. Foto: Vasel
Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Gewaltdelikte: Das ist eine Erkenntnis aus der Kriminalstatistik 2025 der Polizeiinspektion Stade. Was sonst noch in den Zahlen steht.
Landkreis. Gewalt mit Messern nimmt landesweit zu. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat deshalb bei der Vorstellung der Niedersächsischen Kriminalstatistik ein Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Behrens: „In den Köpfen vor allem junger Männer muss ankommen, dass Messer kein Statussymbol sind.“ In der Stader Kriminalstatistik wird auf den Streit zweier rivalisierender Clans in Stade verwiesen, der mit einem tödlichen Messerangriff endete.
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Zahl der Gewaltdelikte gesunken - Mehr Messerangriffe
Für 2025 seien 61 Messer-Fälle aktenkundig. Bei der Hälfte habe es sich um eine Bedrohung gehandelt, bei 15 Fällen kam es zu gefährlichen Körperverletzungen. Im Kreis Stade seien die Messer-Taten um 19 Prozent zurückgegangen. Der Grund: Kriminelle griffen weniger als letztes Jahr zum Messer, um ihre Opfer zu bedrohen. Die Polizei spricht von einer Momentaufnahme. Doch wie steht es insgesamt um die Kriminalität?
Wie viele Straftaten gab es 2025?
10.134 Straftaten seien erfasst worden - ein Anstieg um 121 entgegen dem Landestrend. Das liegt vor allem an Rohheitsdelikten wie Körperverletzung, Raub, Erpressung, Nötigung und Tötungsdelikte. Rückgänge gab es hingegen bei Diebstahl und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
4718 Tatverdächtige wurden ermittelt. Betrüger und Diebe richteten einen Schaden von 13 Millionen Euro an.
4879 Straftaten entfallen auf 100.000 Einwohner. Landesweit sind es 6329 Straftaten. Das heißt: Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist hierzulande geringer als anderswo.
32,6 Prozent der Tatverdächtigen haben keinen deutschen Pass. 58,3 Prozent der Kriminellen wohnen in derselben Gemeinde wie ihr Opfer, zehn Prozent außerhalb Niedersachsens und Deutschlands.

Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen und Aufklärungsquote der Polizeiinspektion Stade seit 2016. Foto: PI Stade
2944 Personen seien 2025 zum Opfer einer Straftat geworden. Das sind 222 mehr als im Vorjahr. Der prozentuale Anstieg falle bei Jugendlichen am höchsten aus. Aber auch bei Kindern und bei Heranwachsenden ist ein Anstieg zu verzeichnen. Die Zunahme der Opfer resultiert im Wesentlichen aus den Delikten gefährliche Körperverletzung und Bedrohung.
Was waren die Tötungsdelikte?
Neben dem Messer-Mord von Stade und dem Femizid von Buxtehude - ein Mann hatte seine Ex-Frau und sich in deren Wohnung mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und diese entzündet - gab es ein drittes Delikt: eine fahrlässige Tötung.
Eine Hausärztin und ein Radiologe hätten - trotz Anzeichen einer Lungenembolie - das Opfer „nicht adäquat behandelt“. Die Morde passierten 2025, entscheidend für die Statistik sei laut Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach die Abgabe des Falls an die Justiz. Auch der Femizid von Apensen steht deshalb nicht in der Statistik 2025. Die Aufklärungsquote bei Mord beträgt weiter 100 Prozent.
Wie entwickeln sich die Sexualdelikte?
Die Polizei registrierte 271 Sexualdelikte, ein Rückgang von 25 Prozent. Knapp die Hälfte der Taten entfalle auf den Bereich der Pornografie, insbesondere die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie. Dort sei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Einen Anstieg gebe es hingegen bei den sexuellen Belästigungen (58).
Wie entwickeln sich die Rohheitsdelikte?
Hier gibt es eine Zunahme - bei Bedrohung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung. Rückläufig seien hingegen einfache Körperverletzungen und räuberischer Diebstahl. Die Aufklärungsquote stieg leicht auf 91 Prozent.
Wie entwickelt sich der Diebstahl?
Bei Wohnungseinbrüchen ist ein Rückgang um acht Prozent zu verzeichnen. Die erfassten 138 Taten sind der zweitniedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Es lohne sich, seine Immobilie zu schützen, sagt Bohmbach. Zwei Fünftel der Einbrecher scheitern. Der Wert der Beute lag bei 363.833 Euro. Die Aufklärungsquote ist auf 18,84 Prozent gestiegen und liege über dem Landeswert.
Wie sieht es bei den Fahrrädern aus?
Die Fahrraddiebstähle gehen weiter zurück - um 6,62 Prozent auf 423 Taten. Bohmbach: „Dies entspricht dem niedrigsten Wert in den letzten zehn Jahren.“ Räder im Wert von einer halben Million Euro verschwanden. Im Fokus: E-Bikes.
Wie sieht es bei den Drogen aus?
Die BTM-Delikte (Betäubungsmittel) sind mit 196 rückläufig - vor allem durch die Teil-Legalisierung von Cannabis. Minus: 38 Prozent. Doch die Dealer machen weiter - unter anderem mit Kokain. Die Zahl der Kokain-Delikte stieg um 123,33 Prozent - plus 37 Taten.
Wie steht es um die Gewalt gegen Einsatzkräfte?
2025 gab es 161 Opfer unter Polizisten, 23 seien verletzt worden. „Jeder tätliche Angriff ist nicht nur ein Angriff auf die Person, sondern zugleich ein Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung“, sagt Polizeipräsidentin Kathrin Schuol. Beim Rettungsdienst gab es eine Zunahme von 5 auf 15 Angriffe, bei der Feuerwehr sank die Zahl von 16 auf 1.

Polizeioberrat Martin Kaliebe, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Stade, zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung. Foto: Bohmbach
Das Fazit: Der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Polizeioberrat Martin Kaliebe, zeigte sich zufrieden - vor allem mit der Erhöhung der Aufklärungsquote auf 63,45 Prozent. Um drohende schwere Gewaltstraftaten, von Anschlägen bis zu Taten psychisch Kranker, zu erkennen, wird auch in Stade der Bereich Früherkennungs- und Bedrohungsmanagement eingerichtet.
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