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Kriminalstatistik

Ministerin: Niedersachsen ist „noch sicherer geworden“

Die Zahl der Straftaten in Niedersachsen geht zurück - dafür nehmen Messerangriffe zu, wie Innenministerin Daniela Behrens sagt.

Die Zahl der Straftaten in Niedersachsen geht zurück - dafür nehmen Messerangriffe zu, wie Innenministerin Daniela Behrens sagt. Foto: Shireen Broszies/dpa

Die Polizei registriert weniger Straftaten in Niedersachsen, gleichzeitig werden mehr Messerangriffe gezählt – gegen den Trend. Was also tun? Innenministerin Daniela Behrens hat etwas vor.

Von dpa Montag, 16.03.2026, 17:25 Uhr

Hannover. Die Gewalt mit Messern nimmt in Niedersachsen zu - dabei registriert die Polizei insgesamt weniger Straftaten. „In den Köpfen vor allem junger Männer muss ankommen, dass Messer kein Statussymbol sind“, betonte Landesinnenministerin Daniela Behrens. „Gegen den Trend“ seien die Fallzahlen gestiegen, sagte die SPD-Politikerin. Sie kündigte ein landesweites Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr an.

Im vergangenen Jahr stellte die Polizei insgesamt 506.634 Straftaten fest - ein Jahr zuvor waren es 529.264. „Niedersachsen ist im vergangenen Jahr noch sicherer geworden“, sagte Behrens. Sie gehe davon aus, dass sich das Land angesichts sinkender Fallzahlen und einer nahezu gleichbleibenden Aufklärungsquote von 62,72 Prozent „in einer vorderen Position im Ländervergleich“ befinden werde. Auch kündigte sie an, ab April schrittweise ein Konzept umzusetzen, um Hinweise auf mögliche Anschläge oder Amok-Taten frühzeitig zu erkennen.

Etwa 217.000 Menschen wurden als Tatverdächtige ermittelt, das waren 5.600 weniger als noch 2024. Knapp zwei Drittel der Verdächtigen waren Deutsche. Behrens mahnte: „Kriminalität ist keine Frage der Nationalität.“ Die Zahl der aufgeklärten Fälle mit jungen Verdächtigen unter 21 Jahren sank auf 56.643 - ein Jahr zuvor waren es 62.734. „Prävention beginnt zu Hause“, sagte die Ministerin.

Messerangriffe nehmen weiter zu

Nach Angaben von Landespolizeipräsident Axel Brockmann gab es 2025 im Vergleich mit dem Vorjahr 130 Messerangriffe mehr, die Gesamtzahl stieg auf 3.185 Fälle. Immerhin 87 Prozent der Tatverdächtigen waren männlich, etwa ein Viertel war jünger als 21 Jahre. 

Bedrohungen machten bei den Messerangriffen mit 1.739 Fällen mehr als die Hälfte (54,6 Prozent) aus. Allerdings sank die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen im Zusammenhang mit Messerangriffen um 112 oder 12,76 Prozent auf 766. 

Behrens kündigte an, das Ministerium werde ein landesweites Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr erlassen - zeitnah. Das sei eine „klare Ansage“ an alle, die den Nahverkehr nutzten: „Waffen gehören nicht in den öffentlichen Raum.“ Nach Brockmanns Angaben betrifft das Verbot Busse, Bahnen, Fähren sowie Bahnhofsgebäude, Bahnsteige und Unterführungen. Die Ministerin sagte, bislang gebe es fünf Waffenverbotszonen in Niedersachsen, nämlich in der Landeshauptstadt Hannover, in Braunschweig, Göttingen, Osnabrück und Wolfsburg.

Weniger Gewaltkriminalität

Die Zahl der sogenannten Straftaten gegen das Leben sank nach Brockmanns Angaben um 32,5 Prozent auf 270 Fälle - und damit auf ein Zehn-Jahres-Tief. Ursache seien vor allem Rückgänge um 25,68 Prozent auf 136 Fälle bei den Totschlägen sowie um 49,62 Prozent auf 67 Fälle bei fahrlässigen Tötungsdelikten. Die Aufklärungsquote stieg von 88 Prozent im Jahr 2024 auf 94,8 Prozent. 

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gab es ebenfalls einen Rückgang um 4,29 Prozent auf 14.157 Fälle. Allein die Fälle von kinderpornographischen Darstellungen gaben um 18,19 Prozent auf 4.560 Fälle nach. Sogenannte Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gaben um 1,89 Prozent nach, blieben laut Brockmann mit 96.015 Fällen aber auf hohem Niveau. 

Häusliche Gewalt auf hohem Niveau

Häusliche Gewalt gab es „leider noch zu oft“, wie Brockmann sagte. Insgesamt wurden 2025 ganze 5 Fälle weniger registriert als im Vorjahr - die Gesamtzahl lag bei 32.540 Fällen. Die Polizei erfasste 19.136 Körperverletzungen, davon 3.159 gefährliche und schwere Körperverletzungen. Deutlich war der Rückgang bei den Tötungsdelikten: Brockmann zählte 4 (2024: 9) vollendete Morde und 17 (14) versuchte Morde auf, außerdem 9 (20) vollendete und 29 (40) versuchte Fälle von Totschlag.

Die Bekämpfung der häuslichen Gewalt sei ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit, sagte Brockmann. Die Novelle des niedersächsischen Polizeigesetzes sehe vor, in Hochrisikofällen nicht nur Täter zu kontrollieren, sondern auch Betroffene mit technischen Mitteln zur Vorwarnung auszustatten, sagte Behrens. Allerdings: „Die elektronische Fußfessel ist kein Allheilmittel.“ 

Cannabis-Teillegalisierung drückt Fallzahlen

Einen erheblichen Anteil am Rückgang der Fallzahlen hatte die Entkriminalisierung von Cannabis, hier wurden 2025 immerhin 5.572 Fälle weniger erfasst. Der Rückgang auf 4.570 Fälle sei allerdings „trügerisch“, sagte Behrens. Der gewachsene Bedarf an Cannabis könne weder durch den Eigenanbau noch durch Anbauvereinigungen gedeckt werden: „Es ist deshalb naheliegend, dass die Beschaffung auch im Bereich von Cannabis zu einem großen Teil weiterhin auf dem illegalen Markt erfolgt.“ 

Das sagen Gewerkschaft und Opposition

Die Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen sprach von guter Arbeit der Polizei im Land: „Rückläufige Fallzahlen bei gleichzeitig stabil hoher Aufklärungsquote sind das Ergebnis konsequent professioneller Polizeiarbeit“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Kevin Komolka. Er warnte: „Dass die Gewaltbereitschaft in Teilen der Gesellschaft weiterhin hoch ist, bedeutet eine ernsthafte Herausforderung.“

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, André Bock, betonte: „Häusliche Gewalt und Messerkriminalität bleiben auf besorgniserregend hohem Niveau.“ Er mahnte wirksame Instrumente zum Schutz der Betroffenen an, die elektronische Fußfessel sei „überfällig“.

2025 sinkt die Zahl der Straftaten laut Landespolizeipräsident Axel Brockmann von 529.264 Fällen im Vorjahr auf 506.634 Fälle.

2025 sinkt die Zahl der Straftaten laut Landespolizeipräsident Axel Brockmann von 529.264 Fällen im Vorjahr auf 506.634 Fälle. Foto: Shireen Broszies/dpa

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Jochen Mextorf
16.03.202613:19 Uhr

Warum gehört ein Messerangriff nicht zur Gewaltkriminalität? Frisur der Statistik meinen die Plebs.

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