TLandgasthof erfindet sich neu – Weniger À-la-carte
Börge Bammann reduziert im Sommer 2026 das À-la-carte-Geschäft im Landgasthof Willenbrock in Kirchtimke. Veranstaltungen und Buffets laufen weiter. Foto: Harscher
Der Landgasthof Willenbrock in Kirchtimke reagiert auf ein verändertes Verhalten der Gäste. Das Schnitzelbuffet bleibt, doch woanders wird angepasst.
Kirchtimke. Wenn draußen bis spätabends die Sonne scheint, bleiben die Tische häufiger leer, merkt Börge Bammann. Im fünften Jahr betreibt er den Landgasthof Willenbrock in Kirchtimke. Ein Traditionshaus mit einer Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert reicht. Und sie soll weitergehen, diese Geschichte. Der 31-Jährige hat Pläne und denkt in die Zukunft: „Ein Gasthof war immer ein Ort, an dem Menschen einkehren konnten“, sagt Börge Bammann.
Dieses Gefühl will er erhalten. Damit es erhalten bleibt, stehen in diesem Sommer Veränderungen an: „Wir haben die Öffnungszeiten über den Sommer angepasst“, sagt er. Das ist eine Entscheidung, die er nicht leichtfertig getroffen hat, aber hinter der er steht. In der Zeit vom 1. Juni bis einschließlich 30. September gibt es À-la-carte-Service nur am Sonntag. „Es ist kein Rückschritt, es ist eine Anpassung“, betont der Landgasthof-Chef. Ab Oktober ist dann wieder regulär von Donnerstag bis Sonntag geöffnet.
Veranstaltungen laufen im Sommer weiter
Für Bammann ist deshalb wichtig, eines deutlich zu machen: „Wir sind weiterhin und mit vollem Herzen für unsere Gäste da.“ Familienfeiern und Veranstaltungen sollen weiterhin stattfinden. Auch beliebte Angebote wie das Schnitzelbuffet am dritten Donnerstag im Monat oder das Frühstücksbuffet am zweiten Sonntag bleiben bestehen. Freitags gibt es nach wie vor Burger – zum Essen im Landgasthof oder außer Haus.
Das Veranstaltungsgeschäft läuft weiter, sagt der Kirchtimker. Mehr noch sogar als in den Jahren davor. Denn in diesem Sommer halbieren sie die Betriebsferien und schließen nur für zwei Wochen.
Keiner müsse sich also Sorgen machen. Trotz der reduzierten Öffnungszeiten bleibt der Gasthof ein wichtiger Treffpunkt im Ort: Veranstaltungen ab 20 Personen seien weiterhin möglich – ebenso Vereinsabende oder der regelmäßige Schnitzelabend des Kegelclubs.
À-la-carte als Risiko für Gastronomen
Die Ferien- und Sommerzeit bietet für die Menschen viele Möglichkeiten. Im Sommer sitzen viele lieber im Garten, fahren weg oder haben andere Dinge im Kopf, als sich ein Jägerschnitzel zu bestellen, erzählt Börge Bammann. Viele Menschen planen Restaurantbesuche heute zudem bewusster. Spontan werde seltener eingekehrt.
Auf diese Entwicklung reagiert der Gastronom nun. „Das sind Erfahrungswerte“, sagt Bammann. „Im Sommer läuft das Geschäft einfach anders.“ Denn zur Wahrheit gehöre auch, dass À la carte ein Risikogeschäft ist.
Für viele Gastronomen ist genau das die Schwierigkeit: Sie müssen Lebensmittel einkaufen und Personal einplanen, ohne zu wissen, wie viele Gäste tatsächlich kommen.
Gastronomie in der Region befindet sich im Wandel
Mit dieser Erfahrung steht Börge Bammann nicht allein. Auch Stefan Viebrock vom Gasthof „Zur Linde“ in Brauel beobachtet seit Jahren Veränderungen in der Gastronomie. „Es ist ein dauernder Wandel. Dem muss man sich anpassen, damit man am Ball bleibt“, sagt er.
Veränderungen seien jedoch nichts, was die Gastronomie exklusiv habe, unterstreicht Viebrock. Fast jede Branche sei davon betroffen. Für ihn ist es wichtig, flexibel zu bleiben - und positiv.
Was hat sich verändert? „Das Veranstaltungsgeschäft hat zugenommen“, sagt er. Familienfeiern, Hochzeiten, Firmen-Events, Catering. Feste Anlässe, die sich gut planen lassen, auch im Hinblick auf das Personal.
Weniger geworden sei jedoch das spontane Essengehen vieler Menschen, merkt er. Wie auch sein Kollege Börge Bammann hat Viebrock das À-la-carte-Geschäft zurückgefahren. Obwohl er dies liebend gern mache, wie er betont.
Damit niemand bei ihm vor verschlossener Türe stehen muss oder keinen Platz bekommt, rät Viebrock deshalb vorab zu Tischreservierungen.
Testlauf im Basdahler „Kluster Hof“
Jan Opitz, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Bremervörde sieht die Herausforderungen des À-la-carte-Geschäfts in dessen Unberechenbarkeit. Man wisse vorab nicht, wie viele Gäste zum Essen kommen. Aus zwei Tischen könnten schnell zehn oder 15 werden. „Die Herausforderung ist: wie plane ich mein Personal?“, sagt Opitz.
Er selbst betreibt in Basdahl den „Kluster Hof“. Dort wurde das À-la-carte-Geschäft allerdings gerade erweitert, und an mehreren Tagen gibt es dort jetzt einen Mittagstisch: von Donnerstag bis Sonntag. „Es ist ein kleiner Test für dieses Jahr“, sagt der Gastronom.
Wie sich die neuen Konzepte entwickeln, wird sich zeigen. Für viele Gastronomen in der Region steht jedoch fest: Wer bestehen will, muss flexibel bleiben – ohne die eigene Identität zu verlieren.
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