TLetzte Chance: Gespräche über Finanzierung des Industriegleises laufen
Mit dem Bau eines neuen Industriegleises bräuchten die Gefahrguttransporte nicht mehr mitten durch Stade geführt zu werden. Foto: Beneke
Die Autobahn GmbH drängt auf eine Entscheidung zur Verlegung des Stader Industriegleises. Stadt, Landkreis und Land ringen um eine Lösung für das 40 bis 50 Millionen Euro teure Projekt.
Stade. Die Stadt Stade, der Landkreis Stade und das Land Niedersachsen suchen derzeit nach einer Lösung, um die Verlegung des Stader Industriegleises zu finanzieren.
Die Autobahn GmbH drängt auf eine schnelle Entscheidung, da sie die Planungen für das Kehdinger Kreuz und den Weiterbau der A26 zwischen Stade und Drochtersen vorantreiben will. Autobahn und Gleis sollen eine gemeinsame Trasse bekommen.
Derzeit verläuft das Industriegleis durch die Stadt. Ein neues Gleis soll außerhalb der Stadt parallel zur geplanten Weiterführung der A26 verlaufen. Ohne eine schnelle Einigung könnten beide Projekte entkoppelt werden.
So teuer ist das neue Industriegleis
Die Kosten für die Verlegung des Gleises werden auf 40 bis 50 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt Stade hat bereits 2015 einen Ratsbeschluss gefasst, der bis zu 15 Millionen Euro als Eigenanteil vorsieht. Stadtbaurat Lars Kolk betont jedoch, dass Stade diese Summe nicht alleine aufbringen kann.

Die Karte zeigt den geplanten gemeinsamen Verlauf von A26 und Industriegleis im Stader Norden. Foto: Archiv
Eine mögliche Lösung sieht vor, dass das Land Niedersachsen rund zwei Drittel der Kosten übernimmt, während Hansestadt und Landkreis Stade ein Drittel, also bis zu 15 Millionen Euro, tragen. Landrat Kai Seefried (CDU) hat finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt und will die Hälfte des kommunalen Anteils, etwa 7,5 Millionen Euro, übernehmen.
SPD-Frau Lange macht Druck in Hannover
Seit Monaten laufen Gespräche, um das Land für die Finanzierung zu gewinnen. Ministerpräsident Olaf Lies, der das Thema aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister kennt, ist involviert. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange aus Deinste und die CDU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landrätin Birgit Butter aus Buxtehude setzen sich in Hannover für das Projekt ein. Besonders Lange nutzt ihre Kontakte in die SPD-geführte Landesregierung.
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Sie zeigt sich optimistisch, dass die Finanzierung mit Hilfe des Landes gelingt, betont jedoch, dass noch nichts entschieden sei. Lange kritisiert, dass sich der Bund und die Deutsche Bahn nicht an den Finanzierungsgesprächen beteiligten.
Die SPD- und FDP-Kreistagsfraktionen unterstützen das Projekt und haben entsprechende Anträge gestellt. Der Kreistag wird voraussichtlich vor der Sommerpause einen Beschluss fassen.
Landrat: Jahrhundertchance für Stade
„Es ist eine Jahrhundertchance, die wir jetzt wirklich nutzen müssen“, sagt Landrat Kai Seefried. „Würden wir es nicht hinbekommen, den Bau der Autobahn und des Industriegleises zusammenzuführen, wäre das wirklich niemandem zu vermitteln.“ Der Landrat sieht in dem Projekt eine „wichtige Zukunftschance für unseren Chemie- und Industriestandort und für den geplanten weiteren Hafenausbau“.
Auch der SPD-Kreistagsvorsitzende Björn Protze verweist auf die große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Stade. Der gesamte Landkreis profitiere davon. Der Kreistag erwarte dann aber auch, dass die Hansestadt Stade diese Bedeutung durch Beschlüsse untermauere.
Stader Hafen mit überregionaler Bedeutung
„Der Stader Hafen und das angrenzende Industriegebiet haben eine wirtschaftliche Bedeutung, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht“, sagt der Stader FDP-Kreistagsabgeordnete Wolfgang Ehlers. Deshalb sei es sachgerecht, dass sich nicht allein Stade, sondern auch der Landkreis an der Finanzierung beteilige.

Der Bahnübergang in der Altländer Straße gehört zu den vier Übergängen, die es nach einer Verlegung des Industriegleises nicht mehr geben müsste. Foto: Vasel
Ein neues Industriegleis ist aus zwei Gründen wichtig: Erstens würden vier Bahnübergänge in der Stadt entfallen, was städtebauliche Entwicklungspotenziale eröffnet. Zweitens ist die Kapazität des alten Gleises begrenzt. Durch die Entwicklung im Stader Hafen, insbesondere im Bereich LNG, werden mehr Güterzüge erwartet.
Die DB Netz AG warnt, dass der Bahnhof Stade nicht für einen Anstieg der täglichen Züge und Rangierfahrten ausgelegt sei. Der Bahnhof erreicht während der Spitzenzeiten der Industrie seine Kapazitätsgrenze. Zusätzliche Zugbewegungen seien wegen der parallelen Nutzung der Strecke Hamburg-Cuxhaven für den Personenverkehr nicht möglich.
Bald sollen mehr Züge nach Stade fahren
Das Ziel, den schienengebundenen Nahverkehr auszubauen, schränkt die Nutzung des Bahnhofs für den Güterverkehr weiter ein. Es geht um die Reaktivierung der Strecke Stade-Bremervörde und die Weiterführung dieser Verbindung bis nach Himmelpforten.
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Fachleute sehen die Verlegung des Industriegleises als einzige Lösung, um diesen Engpass zu überwinden. Dies würde die Entwicklung des Industrie- und Hafengebiets an der Elbe ermöglichen und den Güterverkehr steigern.
Die Verlegung des Rangierbetriebs aus dem Bahnhof Stade auf ein neues Industriegleis außerhalb sensibler Siedlungsbereiche würde auch die Möglichkeit eröffnen, Parallelgleise zu bauen.
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