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T„Mein Mann hat sich stark verändert“: Leser-Fragen zum Schlaganfall

Die sichtbaren Folgen sind das eine, aber was hilft, wenn der Schlaganfall die Persönlichkeit verändert?

Die sichtbaren Folgen sind das eine, aber was hilft, wenn der Schlaganfall die Persönlichkeit verändert? Foto: Besim Mazhiqi/Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe/dpa-tmn

Wohl die Meisten denken bei den Folgen eines Schlaganfalls an sichtbare Einschränkungen wie Lähmungen oder Bewegungsstörungen. Doch häufiger sind die unsichtbaren Veränderungen belastender. Was Leser wissen wollen.

Von Redaktion 19.09.2026, 13:00 Uhr

Landkreis. Betroffene leiden nach einem Schlaganfall unter Sprachstörungen, können sich nur schwer konzentrieren oder ihren Alltag planen, sind kaum belastbar oder kämpfen mit emotionalen Veränderungen.

Die gute Nachricht: Neuropsychologische Störungen sind behandelbar. Selbst wenn ein Schlaganfall schon länger zurückliegt, lassen sich mit gezielten Trainings spürbare Fortschritte erreichen.

Welche unsichtbaren Spuren ein Schlaganfall hinterlässt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Laut Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe leiden acht von zehn Betroffenen in der ersten Zeit nach einem Schlaganfall unter Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, oft in Verbindung mit Gedächtnisproblemen. Auch ihre Fähigkeit zu planen kann eingeschränkt sein – selbst einfache Aufgaben wie ein Einkauf werden zur Herausforderung.

Doch nicht nur das Denken, auch die Persönlichkeit kann sich verändern: Manche verhalten sich plötzlich aggressiv oder teilnahmslos, andere fühlen sich ständig überreizt, als stünden sie unter Strom. Nicht zuletzt zählen Seh- und Sprachstörungen zu den neuropsychologischen Folgen eines Schlaganfalls. All diese Veränderungen belasten nicht nur die Betroffenen, sondern führen auch in ihrem Umfeld zu Missverständnissen und Überforderung. Umso wichtiger ist es, alle therapeutischen Möglichkeiten zu kennen und auszuschöpfen.

Expertinnen am Telefon

  • Sabine Böhm, Klinische Neuropsychologin (GNP)
  • Dr. Theresa Schölderle, Sprachtherapeutin
  • Jasmin Wolf, Ergotherapeutin
  • Birgit Straßek, Klinische Neuropsychologin (GNP) (pm/san)

Leserfragen: Meinem Mann macht seine Aphasie schwer zu schaffen und es geht nur langsam voran. Kann man die Therapie intensivieren?

Antwort: In der ambulanten Therapie bewilligen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht mehr als zwei Einheiten in der Woche. Es gibt einige wenige Zentren in Deutschland, die eine Intensivtherapie über drei Wochen anbieten. Je nach Voraussetzung der Patienten kann das sogar über reguläre Verordnungen abgerechnet werden. Wichtig ist aber über die Therapie-Einheiten hinaus das Eigentraining, zum Beispiel digital mit einer Aphasie-App.

Mein Mann hat sich nach dem Schlaganfall stark verändert. Er ist oft müde, dann wieder gereizt. Wie kann ich ihm helfen?

Sie sollten sein Verhalten zunächst einmal nicht persönlich nehmen. Solche Veränderungen sind oft organisch bedingt. Sie brauchen jetzt vor allem Geduld, denn es dauert oft lange, bis die Betroffenen selbst ihre Veränderung erkennen. Sprechen Sie offen mit ihrem Mann darüber, aber ohne Vorwurf. Häufig ist gereiztes Verhalten auf eine Überforderung zurückzuführen. Es ist deshalb wichtig, auf Belastungsgrenzen zu achten, Belastungen zu reduzieren und Pausen zu setzen.

Ich habe Probleme in der räumlichen Wahrnehmung, Dinge auf meiner linken Seite übersehe ich oft. Gibt es spezielle Trainings, die das verbessern können?

Ja, die gibt es. Ein Neglect lässt sich durch viele alltagspraktische Übungen verbessern, sollte aber immer wieder mit einem Therapeuten rehabilitiert werden. Das Gehirn möchte sich nicht selbstständig auf die Einschränkungen der linken Seite konzentrieren. Deshalb ist es beim Neglect besonders wichtig, therapeutische Führung und Angehörigenberatung durch einen Therapeuten zu erhalten.

In der Rehaklinik hat man mir ambulante Neuropsychologie empfohlen. Das Problem ist: Es gibt nur wenige Therapeuten vor Ort, und die sind alle ausgebucht.

Das ist leider in vielen Regionen ein Problem. Lassen Sie sich auf die Wartelisten setzen und lassen Sie sich von langen Wartezeiten nicht abschrecken. Wenn Sie mobil sind, erweitern sie den Suchradius so groß wie möglich. Eventuell können Sie sich an die Rehaklinik wenden, um Empfehlungen für spezifische Trainingsprogramme als Überbrückung zu erhalten.

Mein Schlaganfall liegt jetzt zwei Jahre zurück. Noch immer machen mir Wortfindungsstörungen zu schaffen. Wird das noch besser?

Eine Prognose ist immer schwierig, aber nach einem Schlaganfall sind es gerade die neuropsychologischen Funktionen, die sich auch Jahre später noch verbessern können. Insbesondere für die Aphasie gibt es einige Studien, die das Potenzial belegen. Wichtig ist, weiter durch Therapie und Eigentraining an der Rehabilitation zu arbeiten, dann sind weitere Fortschritte möglich. Das Gehirn lernt ein Leben lang.

Was kann ich selbst tun, um meine Konzentrationsfähigkeit wieder zu verbessern?

Idealerweise sollten Sie Übungen von ihrer Therapiepraxis erhalten und diese regelmäßig zu Hause ausführen. Wichtig ist dabei, dass Sie systematisch vorgehen. Trainieren sie nicht länger als 20 bis 30 Minuten, legen Sie dann eine Pause ein. Eine feste Tagesstruktur hilft beim Training, genauso wie ein ruhiger Raum ohne Ablenkungen. Es gibt auch wirksame Apps – die sollten aber spezifisch auf Ihre Störung ausgelegt sein. Da empfehle ich therapeutische Beratung bei der Auswahl.

Körperlich geht es mir wieder ganz gut, ich bin nur im Alltag oft überfordert. Kann mir Ergotherapie da weiterhelfen?

Konkret bräuchte es zunächst eine Anamnese, wo genau Ihre Defizite liegen. Grundsätzlich würde ich aber sagen: Ja, Ergotherapie kann Ihnen bestimmt helfen, weil die Alltagsorientierung ein Grundprinzip ergotherapeutischer Arbeit ist. Sie trainiert echte Lebenssituationen und versucht dabei, Funktionen wiederherzustellen oder Kompensationsstrategien zu entwickeln. Ergotherapeuten kennen sich auch sehr gut mit Hilfsmitteln aus. Ich würde Ihnen empfehlen, sich in einer Praxis vorzustellen. (mkr)

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