TMentale Leere statt Aufbruch: Warum der BSV in Halle zerfiel
Der BSV spielte eine erste Halbzeit zum Vergessen, hier BSV-Spielmacherin Anika Hampel (links) im Duell mit Lynn Molenaar. Foto: Objektfoto/Volker Ballasch
Eine ungewöhnliche Auszeit, Redebedarf beim Trainer und Tränen bei den Spielerinnen: Was im Kellerduell schiefging und was sich in Buxtehude jetzt ändern muss.
Buxtehude. Während die Hallenser Trainerin Ines Seidler den Zuschauern ein frohes neues Jahr wünscht und ihre Mannschaft für einen „Riesenjob“ lobt, lässt Nicolaj Andersson auf sich warten. Die Pressekonferenz hat ohne den neuen BSV-Coach begonnen - und endet auch ohne ihn.
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„Wo sinma denn?“, poltert ein Mitarbeiter des SV Union Halle-Neustadt im Kabinengang. Physio Sabine Albrecht ist zunächst die einzige greifbare BSV-Vertreterin, wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme des Trainers verpflichtend sei. Erst rund eine Viertelstunde nach Spielende erscheint Andersson auf dem Spielfeld, lächelt und sagt, er stehe hier mit einem „Scheißgefühl“.

BSV-Trainer Nicolaj Andersson. Foto: Jan Iso Jürgens
Der Däne hatte Redebedarf in der Kabine, die PK „nicht im Kopf“. „Der Fokus lag in diesem Moment auf der Mannschaft“, erklärt er später. Der BSV war nach der desaströsen 24:33-Niederlage gegen Halle-Neustadt mit sich selbst beschäftigt. Die Spielerinnen saßen im Kreis, diskutierten, einige hatten gerötete Augen, eine weinte.
BSV macht deutlich mehr technische Fehler
Dabei war der BSV mit Zuversicht nach Sachsen-Anhalt gereist. Vier Tage zuvor hatte man gegen den damaligen Tabellenzweiten Bensheim trotz Niederlage überzeugt. Der gute Auftritt hatte allerdings nichts mit dem gemein, was die mitgereisten Fans in Halle zu sehen bekamen.

20 Fans unterstützten den BSV in Halle. Foto: Scholz
Der BSV machte am Samstag viele technische Fehler (14 mehr als gegen Bensheim), mühte sich an der intensiven Deckung der Hallenserinnen ab und erzeugte zu wenig Druck. Die erste Halbzeit in diesem wichtigen Duell war eine zum Vergessen. Der Gegner wirkte motivierter, wacher, schneller und bestrafte so die Unzulänglichkeiten im Buxtehuder Spiel. Kurz nach der Pause führte Halle bereits mit acht Toren. „Uns hat heute alles gefehlt“, sagte Andersson.
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Entscheidend war für ihn die erste Halbzeit. „Wir haben uns mental ablenken lassen: vom Spielstand, von Aktionen, die uns nicht gelungen sind. Wir lassen uns davon runterziehen.“ In dieser Verfassung sei es extrem schwierig gewesen, mit taktischen Anpassungen durchzudringen. „Ich habe über alles nachgedacht: Abwehr wechseln, Angriff umstellen, mehr auf Tempo spielen. Aber es wäre schwer geworden, das umzusetzen.“
Ungewöhnliche Ansprache in der Auszeit
Wenige Sekunden vor Schluss, als das Spiel längst entschieden war, nahm Andersson noch eine Auszeit. Nach einer kurzen taktischen Anweisung wurde er deutlich: „Jetzt geht es darum, dass wir unseren Fans zeigen, dass wir wissen, was für eine Scheißleistung wir hier gemacht haben.“ Danach solle die Mannschaft geschlossen zu den Anhängern gehen, abklatschen und dann direkt in die Kabine verschwinden, „weil das, was hier passiert ist, ist nicht das, was wir wollen. Fertig, aus.“

Der BSV, hier Isabelle Dölle, mühte sich an der Hallenser Deckung ab. Foto: Objektfoto/Volker Ballasch
Positiv war nur wenig, etwa der Auftritt der jungen Spielmacherin Enna Oberländer, die „in einer schwierigen Phase gute Aktionen hatte“, so Andersson, und zwei Tore erzielte.
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Auch Maj Nielsen sprach von mehreren Faktoren. Tabellenlage, Druck, Atmosphäre in der ausverkauften Halle. „Mit jedem Fehler haben wir mehr Spielwitz verloren“, sagte die beste BSV-Werferin. „So eine Leistung ist enttäuschend.“ Dass Buxtehude nun seit zehn Spielen sieglos ist, auf den letzten Platz abgerutscht ist und die Hinrunde ohne einen einzigen Erfolg beendete - der schlechteste Saisonstart seit dem Bundesliga-Aufstieg 1989 -, nage am Selbstbewusstsein. „Wir hatten gehofft, dass jetzt ein Ruck durch die Mannschaft geht.“
Thema Abstieg: „Noch ist nichts verloren“
Vom Abstieg will im Team dennoch niemand sprechen. „Das Thema spielt in unseren Köpfen keine Rolle. Noch ist nichts verloren“, betont Nielsen. Auch, weil es in dieser Saison einen besonderen Modus gibt. Durch die Insolvenz der HB Ludwigsburg spielen nur elf Teams in der Bundesliga. Nach der Hauptrunde geht es für den BSV nach aktuellem Stand in eine Play-off-Runde der Plätze fünf bis elf. Nur der Letzte muss in die Relegation. Ludwigsburg ist bereits der einzige direkte Absteiger.
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Umso wichtiger wird jetzt die Aufarbeitung vor dem Heimspiel am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen den Tabellenzweiten Blomberg-Lippe. Reden allein reiche nicht, sagt Andersson. „Wir müssen Situationen im Training nachstellen, wo die Spielerinnen unter Druck arbeiten und Lösungen finden müssen.“
Andersson möchte so einen Auftritt nicht noch mal erleben und findet, dass Verein und Fans etwas Besseres verdienen.
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