TMitten in Nottensdorf: Wie Familie Bremer ein altes Bauernhaus rettet
Für das Bauprojekt packt die ganze Familie Bremer mit an (von links): Amelie, Jonas, Christina, Tewes, Heike und Olaf. Foto: Buchmann
Das markante Backsteinhaus in der Alten Dorfstraße fällt sofort ins Auge. Früher war im Haus der Bremers ein Pflegeheim untergebracht, bald werden dort die ersten Mieter einziehen.
Nottensdorf. In Nottensdorf leben bis heute Familien, die zu den Ureinwohnern des Dorfes zählen. Familie Bremer in der Alten Dorfstraße ist eine von ihnen. Schräg gegenüber des „Buer Soot“, des Bauernbrunnens, an dem früher das Vieh getränkt wurde, leben drei Bremer-Generationen noch heute.
Einige Orte auf dem Hof erinnern an die alte Zeit. Etwa der ehemalige Schafstall, den Olaf Bremer zur Metallwerkstatt umgebaut hat. Und das markante Backsteinhaus, das beim Spazieren durch das Dorf direkt ins Auge springt. Schon bald soll in dem ehemaligen Bauernhaus neues Leben einkehren.
Metallschmiede
T Dieser Nottensdorfer brennt für seine Handwerkskunst
Das große Vierständerhaus wurde um 1900 mit Backsteinmauerwerk und Reetdach gebaut. Der vordere Bereich diente zum Wohnen, im hinteren befanden sich die Stallungen für die Hoftiere. Unter Denkmalschutz stellte der Landkreis Stade das Bauernhaus jedoch nie: „Aufgrund der massiven Eingriffe in die denkmalrelevante Originalsubstanz“, wie es in einem Dokument zur Denkmaleinstufung aus dem Oktober 1989 heißt.
Familie Bremer will das alte Bauernhaus retten
Über 30 Jahre bot das ehemalige Bauernhaus alten Menschen eine Heimat. Zunächst betrieb Inge Bremer dort Altenwohnungen, Anfang der Neunzigerjahre erfolgte der Umbau zu einem Alten- und Pflegeheim. 1995 öffnete die Seniorenwohnanlage Haus Eichenhof ihre Tore mit Platz für 24 Bewohner.

Einige Bauelemente erinnern an die Geschichte des Bauernhauses. Foto: Buchmann
Im November 2018 musste die Betreibergesellschaft jedoch Insolvenz anmelden, der Insolvenzanwalt kündigte den Pachtvertrag zum 1. Mai 2023. So endete das Pflegekapitel in der Alten Dorfstraße 15 - doch Zukunftspläne lagen schon bereit.

Das Haus Eichenhof in Nottensdorf gab 2023 aus wirtschaftlichen Gründen auf. Foto: Archiv
Vor 13 Jahren traf die Familie eine wegweisende Entscheidung: Sie übernahm das ehemalige Bauernhaus. „Es sollte in Familienbesitz bleiben“, sagt Heike Bremer. Das Elternhaus von Olaf Bremer sollte nicht das gleiche Schicksal ereilen wie andere Gebäude im Ort, die über die Jahre abgerissen worden waren. „Wir wollen es retten“, sagt er.
Reichlich Platz für Wohnraum
Die Idee: Die insgesamt 1000 Quadratmeter Wohnfläche sollten in mehrere Mietwohnungen aufgeteilt werden. Doch der Bebauungsplan verpasste dem Plan zunächst einen Dämpfer. Dort seien maximal vier Wohneinheiten möglich gewesen, sagt Heike Bremer.

Jede freie Minute steckte die Familie in das Bauprojekt. Foto: Buchmann
Um den Bebauungsplan für mehr Wohneinheiten abzuändern, wandte sich die Familie an den Nottensdorfer Gemeinderat - mit Erfolg. Es sollte jedoch noch bis November 2024 dauern, bis der Startschuss für den Umbau des Bauernhauses fiel und der Kran für das neue Hausdach anrückte.
Auch Söhne fest in Nottensdorf verwurzelt
Gemeinsam mit dem Horneburger Architektenbüro von Florian Kissing plante Familie Bremer das Projekt mit insgesamt 13 Wohneinheiten. Unter Denkmalschutz steht es zwar nicht, dafür hat die Samtgemeinde Horneburg das Haus der Bremers als ortsbildprägend anerkannt, wie Bauamtsmitarbeiterin Gunda Kiefaber bestätigt.

Ein Foto des ehemaligen Bauernhauses von 1984. Foto: Nds. Landesamt für Denkmalpflege
Über die letzten Monate ging das Projekt stetig voran. Die ganze Familie packte mit an. Gemeinsam mit den Söhnen Jonas und Tewes, die ebenfalls fest in Nottensdorf verwurzelt sind, gründeten die Eltern eine Immobiliengesellschaft. Im Erdgeschoss des Backsteinhauses richten sich Jonas Bremer und seine Frau Christina aktuell eine gemeinsame Wohnung mit der kleinen Tochter Amelie ein.
Jede freie Minute in Haussanierung gesteckt
Sich neben Beruf, Familie und Hobbys um die Sanierung zu kümmern, sei eine große Belastung für die Familie gewesen. „Wir stecken jede freie Minute in das Haus“, sagt Heike Bremer. Über 2,5 Millionen Euro Bauvolumen umfasst das Projekt. Insbesondere der Brandschutz sei ein aufwendiges Thema gewesen, sagt Olaf Bremer.

Die alten Holzbalken sind noch gut erhalten. Foto: Buchmann
Um Fördermittel zu erhalten, arbeitete die Familie eng mit dem Kreisdenkmalamt zusammen. Etwa bei Farben oder Dachpfannen galten strenge Vorgaben. Doch die Materie sei noch in gutem Zustand, wie Olaf Bremer stolz an einem freigelegten Eichenbalken im Erdgeschoss zeigt.
Ein Ende der Arbeiten ist in Sicht: Im März sollen die ersten Mieter einziehen. Sieben Wohnungen seien bereits vermietet, inklusive der Wohnung für den eigenen Nachwuchs. Auch die 85-jährige Inge, jetzt schon Uroma, soll bald einziehen, sagt Heike Bremer. Dann leben wieder vier Bremer-Generationen auf dem Hof - wie in alten Zeiten.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.