TMord und Totschlag im Kreis Stade: Kapitalverbrechen der vergangenen Jahre
Tatort Straße Am Salztor in Stade: Am 22. März 2024 endet hier ein Streit zweier Großfamilien mit Mord. Foto: Polizei Stade (Archiv)
Die Anklage lautet auf Mord: Das gab es zuletzt mehrfach nach Taten im Landkreis Stade. Darunter ist auch ein Sonderfall.
Landkreis. Sechs Tote, ein Täter: Die Bluttat von Stade erschüttert ganz Deutschland. Immer wieder werden Menschen im Landkreis vorsätzlich getötet. Hier eine Übersicht von Aufsehen erregenden Fällen der vergangenen Jahre.
19. Dezember 2025: Ehemann tötet in Apensen seine Frau mit einem Messer
Am 19. Dezember tötet ein 57-Jähriger seine 40 Jahre alte Ehefrau mit mehreren Messerstichen. Die beiden leben getrennt und haben vier gemeinsame Kinder. Die Polizei fahndet bundesweit nach dem mutmaßlichen Täter, der sich acht Tage nach der Tat, am 27. Dezember, stellt.
Seit dem 11. Juni steht der Mann vor dem Stader Landgericht. Er ist wegen Mordes angeklagt. Am zweiten Verhandlungstag berichtet ein Experte von grausamen Details der Tat.
T Getötete Frau in Apensen: Experte berichtet grausame Details
22. März 2024: Clan-Krieg in Stade eskaliert
Auf der Straße Am Salztor geraten Mitglieder der Großfamilien Al-Zein und Miri aneinander. Es kommt zum Streit und zu Gewalttaten, die darin gipfeln, dass Mustafa M. ein Messer in den Kopf von Kahled R. rammt, der an den Folgen des Angriffs stirbt.
Die Tat ist der vorläufige Höhepunkt eines immer wieder aufflammenden Streits zwischen den beiden Clans. Es geht dabei unter anderem um abgesteckte geschäftliche Bereiche, bei denen sich Clan-Mitglieder regelmäßig bekämpfen.
Nach einem fast ein Jahr andauernden Prozess spricht das Stader Landgericht am 34. Verhandlungstag den Angeklagten schuldig und verurteilt ihn wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
11. November 2024: In Buxtehude zündet ein Mann seine Frau an - beide sterben
Nachbarn berichteten von einer heftigen, lautstarken, körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem Mann und seiner Ex-Frau in einem dreistöckigen Mehrfamilienhaus in der Schröderstraße in Buxtehude. Der 47-Jährige überschüttet die 42-Jährige mit einer brennbaren Flüssigkeit und entzündet diese.
Die Frau wird lebensgefährlich verletzt und stirbt später im Krankenhaus. Der Mann verstirbt noch am Tatort. Aufgrunddessen ist das ein Sonderfall, denn gegen Tote wird in Deutschland nicht ermittelt. Folglich kommt es auch zu keinem Prozess.
13. September 2023: Frau stirbt nach Messerattacke ihres Mannes
Eine 47 Jahre alte Frau will, nachdem sie sich vom Ehemann getrennt hat, ihre Sachen aus der gemeinsamen Wohnung in Horneburg holen. Es kommt zum Streit. Der 42-Jährige verletzt seine Ex-Frau mit einem Messer tödlich.
Das Stader Landgericht verurteilt den Angeklagten schließlich wegen Mordes zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. Die 3. Große Strafkammer sieht das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt, weil das spätere Opfer beim Betreten der Wohnung von keiner Gefahr für ihr Leben ausging.
19. September 2022: Tödliche Schüsse auf der Terrasse des Restaurants „Renas“
Ein 28-Jähriger und ein 23-Jähriger sitzen sich am Stader Stadthafen auf der Terrasse des Restaurants „Renas“ gegenüber, als der Ältere plötzlich eine Waffe zieht und den Jüngeren jeweils mit einem Schuss in den Kopf und in die Brust tötet. Kurz nach der Tat wird der Mann verhaftet. Die Polizei geht bei der Tat von einem Streit um Geld und Drogen aus. Täter und Opfer kannten sich.
Das Stader Landgericht klagt den 28-Jährigen unter anderem wegen Mordes an. Nach einem Aufsehen erregenden Prozess spricht die 2. Große Strafkammer am 16. Verhandlungstag den Angeklagten schuldig des Mordes, des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie des versuchten Totschlags. Der Mann hatte unmittelbar nach dem Attentat auf der Terrasse noch weitere Taten begangen.
Der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp betont, dass das Motiv der Tat beim Urteil keine Rolle spielt. Er macht deutlich, dass es in der strafrechtlichen Bewertung um strikte Gesetzesanwendung gehe. Das Gericht verurteilt den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
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