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T„Freundlich und mitfühlend“: Ex-Freundin lobt Angeklagten im Stader Mordprozess

Am Landgericht Stade läuft der Prozess gegen einen Mann aus Gyhum, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll.

Am Landgericht Stade läuft der Prozess gegen einen Mann aus Gyhum, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll. Foto: Harscher

Am Landgericht Stade gibt die Frau aus der Samtgemeinde Sottrum Einblicke in die frühere Beziehung mit dem 34-Jährigen, der seine Lebensgefährtin in Gyhum getötet haben soll. Ihr kam aber etwas „komisch“ vor.

Von Lutz Hilken Freitag, 10.04.2026, 09:01 Uhr

Stade. Die Frau im Zeugenstand kennt den 34-jährigen Gyhumer aus einer früheren Partnerschaft, berichtet sie am Nachmittag des vierten Prozesstages. Vor gut sechs Jahren habe sie den Angeklagten über die Social-Media-Plattform Snapchat kennengelernt.

Nach dem Austausch auf digitalem Wege folgte ein erstes persönliches Treffen und daraus eine Beziehung. Die habe etwa ein halbes Jahr gehalten, schildert die Frau aus der Samtgemeinde Sottrum. Dann habe sie die Beziehung beendet: „Es hat nicht gepasst.“ Trotzdem sind beide weiter schriftlich in Kontakt geblieben.

„In unserer Beziehung war alles in Ordnung“, erläutert sie. Sie habe sich nicht unwohl gefühlt. Doch für sie fühlte sich die Partnerschaft damals nicht richtig an, erzählt sie. Dabei geht es um den Zeitraum Oktober/November 2020 bis etwa März/April 2021.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie der Angeklagte auf die damalige Trennung reagiert habe, sagt die Ex-Freundin: „Er war enttäuscht, dass ich Schluss gemacht habe, was ich verstehen kann.“ Sie habe sich nie bedroht gefühlt. „Er war traurig.“ Und habe weiter Interesse an ihr gezeigt und sich erkundigt, wie es ihr geht.

Gyhum-Mordprozess: Ex-Freundin des Angeklagten schildert Beziehung

Nach der Trennung, so erzählt die Frau, habe sie ihn nur einmal persönlich getroffen. Das soll etwa im Februar/März 2024 bei ihm zu Hause gewesen sein. „Wir haben geschnackt und einen Film zusammen geguckt.“ Danach blieben sie über WhatsApp in Verbindung.

Ob sie den Eindruck habe, dass er die Beziehung zu ihr habe „aufwärmen“ wollen? Ja, das sei ihr so vorgekommen. Da sie sich in einer festen Partnerschaft befindet, sei das aber für sie nicht infrage gekommen. Und nein, die später getötete Partnerin ihres Ex-Freundes habe sie nie gesehen.

Der Angeklagte habe die Zeugin zuweilen gefragt, ob sie noch mit ihrem Freund zusammen ist. Ende August 2025 habe er sogar gefragt, „ob wir zusammen Urlaub machen wollen“. Er habe eine Kreuzfahrt angeregt. „Das fand ich komisch“, bekennt die Zeugin. Sie habe einen Freund und wolle nicht mit ihrem Ex-Freund in den Urlaub fahren.

Sie habe bemerkt, dass er mit seiner Beziehung nicht zufrieden war und gefragt, warum er sich dann nicht trenne? „Man möchte nicht alleine sein“, soll er als Grund genannt haben. Mitte September 2025 habe sie letztmals Kontakt mit ihrem Ex-Freund gehabt. Er habe sie gefragt, ob sie ihn treffen wolle. Darauf habe sie sich nicht zurückgemeldet.

Zeugin: Angeklagter aus Gyhum „freundlich und hilfsbereit“

Der Verteidiger des Angeklagten fragt die Zeugin, ob er irgendwann mal „auffällig“ gewesen sei. Das verneint die Frau und verdeutlicht: „Meine Eltern mochten ihn.“ Ob es mal Ärger gegeben habe? „Nein, nur kleine Kabbeleien“, wie in vielen Beziehungen. „Nichts, was mich erschüttert hat.“ Und nein, sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass der 34-Jährige eine „kurze Zündschnur“ habe.

Ein psychiatrischer Sachverständiger, der den Prozess und den Angeklagten beobachtet, bittet die Zeugin zu beschreiben: „Was ist er für ein Mensch?“ Sie charakterisiert ihren Ex-Freund als „freundlichen, mitfühlenden und hilfsbereiten Mann“, der im Dorf in der Feuerwehr und im Schützenverein aktiv gewesen sei.

Der Prozess, in dem dem Angeklagten unter anderem vorgeworfen wird, seine von ihm getrennte, aber noch mit ihm zusammenwohnende Lebensgefährtin im September 2025 getötet sowie anschließend eine Brandstiftung begangen zu haben, wird am 22. April fortgesetzt.

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