T„Mutlos“: FWG-Chef van Lessen kritisiert CDU und SPD in Drochtersen
Die Kläranlage in Drochtersen ist für van Lessen aus mehrerlei Gründen ein Ärgernis. Foto: Klempow
Cornelius van Lessen sieht Fortschritte beim Repowering, vermisst aber Mut bei CDU und SPD. Die AfD hält er für verfassungswidrig - rechnet aber mit ihrem Einzug in den Rat.
Drochtersen. Am 13. September 2026 wird während der Kommunalwahl in Niedersachsen auch in Drochtersen ein neuer Gemeinderat gewählt. Cornelius van Lessen, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, zieht Bilanz - und übt Kritik an der Ratsmehrheit aus CDU und SPD.
FWG-Bilanz: Erfolge und Niederlagen
Van Lessen nennt als einen der größten Erfolge das Windenergie-Repowering: Die Planung sei in kürzester Zeit umgesetzt worden. Die Gemeinde erziele 0,2 Cent Einnahmen pro Kilowattstunde. „Mit diesen Einnahmen in Höhe von mehreren 100.000 Euro jährlich können wichtige Projekte, wie die Grundschule oder neue Kita finanziert werden“, findet van Lessen.
Ihn freut zudem, dass seine Partei die Ratsmehrheit vom Neubau der Grundschule Drochtersen überzeugen konnte. Die Freien Wähler setzen auf öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) zur Finanzierung. Eine Niederlage ist die Kläranlage: „Mir und meiner Fraktion ist es leider nicht gelungen, die Ratsmehrheit von CDU/SPD von dem Rückkauf der Kläranlage von der EWE zu überzeugen“, so van Lessen.
Die Infrastruktur gehöre in Gemeindehand, damit die Schmutzwassergebühren niedrig gehalten werden könnten. Ebenfalls zu lange gescheitert sei der Bebauungsplan „An der Elbmarsch“ - die EWE habe falsch versichert, so van Lessen, dass die Kläranlage das Schmutzwasser noch aufnehmen könne.
Letzte Vorhaben: Stadion und Parksystem
Beim Ausbau des Kehdinger Stadions fordert van Lessen klare Regelungen: Die Gemeinde solle seines Erachtens mit den beabsichtigten Baumaßnahmen - Volumen mehr als fünf Millionen Euro - „nicht einmal ansatzweise irgendetwas zu tun haben.“
Das gehe nur über ein Erbbaurecht. Zudem müsse das Verkehrskonzept für mehr als 5000 Zuschauer geregelt werden. Weitere Vorhaben der FWG: das Bauleitplanverfahren für „Alter Hof“, die Prüfung von ÖPP-Modellen für die Schulen und ein computergesteuertes Parksystem auf Krautsand.
Erste Kandidaten bekannt
Die Kandidatenliste der Freien Wähler in Drochtersen steht noch nicht final fest, aber van Lessen nennt bereits drei Namen, die wieder antreten wollen: Er selbst, Yvonne Neumann und Claus-Christoph Herrmann. Es gebe zudem neue Gesichter.

Cornelius van Lessen tritt im Herbst wieder zur Wahl an. Foto: Privat
Zur Zusammenarbeit: CDU und SPD sind mutlos
Van Lessen kritisiert: „Die Arbeit mit CDU und SPD ist nicht immer reibungslos. Das liegt daran, dass beide Parteien in vielen Fragen mutlos sind.“ Als Beispiel nennt er die Energie-GmbH, die die Freien Wähler schon vor Jahren gefordert hätten. „Ferner ist uns nicht nachvollziehbar, warum SPD/CDU die Kläranlage nicht wieder in kommunale Hoheit bringen. Das ist grob fahrlässig zulasten der Gebührenzahler.“
Rechtsextremismus
T AfD gründet einen Ortsverband für Drochtersen und Nordkehdingen
AfD für van Lessen „verfassungswidrige Partei“
In Drochtersen hat sich ein AfD-Ortsverband gegründet, der voraussichtlich bei der Kommunalwahl antreten wird. Van Lessen hat die beiden AfD-Versammlungen besucht und „schillernde Personen“ erkannt, sagt er. Eine sachliche Diskussion sei jedoch nicht möglich gewesen, „weil ständig Un- oder Halbwahrheiten verbreitet wurden“. Seine Einschätzung: „Ich halte die AfD für eine verfassungswidrige Partei.“ Er gehe aber davon aus, dass die AfD in den Gemeinderat einziehe.
Herausforderungen statt Sorgen
Sorgen um die Entwicklungen in der Gemeinde Drochtersen macht er sich keine: „Wir erkennen die Probleme“. Sie müssten nur schneller gelöst werden. Als Beispiel nennt er die Brücke in Dornbusch: Die Ratsmehrheit habe vor zehn Jahren die Sanierung für 500.000 Euro abgelehnt - jetzt koste es 1,8 Millionen Euro.
Die größten Herausforderungen sieht van Lessen in den Ortsteilen Assel, Barnkrug und Wethe: „Der vorhandene Leerstand mit maroden Gebäuden muss angepackt werden.“ Die Freien Wähler werden beantragen, zwei Millionen Euro für den Ankauf solcher Grundstücke einzustellen. Nach Abbruch könnten diese wieder verkauft werden.
Dorfentwicklung
T Ehemalige Barnkruger Gaststätte schmückt jetzt ein neues Reetdach
„Druck und Frust kenne ich nicht“
Wichtig seien günstige Baugrundstücke für junge Menschen - über ein „Einheimischenmodell“ oder Zuschüsse. Van Lessen fordert, Innenentwicklung zu forcieren, statt immer wieder Neubaugebiete auszuweisen. „Wir können, wenn überhaupt, nur so der Landflucht begegnen.“
Entscheidend seien günstige Grundstücke und Mieten, gute Infrastruktur - dazu gehöre der Innenausbau der Kulturscheune - sowie besserer ÖPNV. „Es müssen mehr und schnellere Busverbindungen geschaffen werden.“
Trotz aller Kritik und einer Liste offener Baustellen bleibt van Lessen gelassen: „Druck und Frust kenne ich nicht, daher überwiegt das Positive auch in Niederlagen.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.