TMutmaßlicher Brandanschlag auf Bahnanlage: Ermittler geben neue Details bekannt
Durch den Brand des Verteilerkastens in Neu Wulmstorf wurde der Bahnverkehr nach Stade am Dienstag lahmgelegt. Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
Nachdem Unbekannte am Dienstag einen Verteilerkasten der Deutschen Bahn in Neu Wulmstorf in Brand gesetzt hatten, fahren die Züge wieder. Was über die Ermittlungen bekannt ist.
Landkreis. Stundenlang war der Bahnverkehr in den Landkreis Stade am Dienstag unterbrochen. „Die Polizei geht derzeit von einer vorsätzlichen Brandlegung aus“, hatte der Sprecher der Polizeiinspektion Harburg, Jan Krüger, am Dienstagmorgen mitgeteilt.
Der Bahnverkehr läuft auf der Strecke inzwischen wieder. Wann genau die Strecke wieder freigegeben wurde, ist unklar, eine Anfrage an die Pressestelle der S-Bahn Hamburg blieb bislang unbeantwortet.
Generalstaatsanwaltschaft Celle ist in die Ermittlungen involviert
Auf TAGEBLATT-Nachfrage zum Stand der Ermittlungen verwies Krüger am Mittwochmorgen auf die Generalstaatsanwaltschaft Celle. Der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum bestätigt dem TAGEBLATT auf Nachfrage, dass die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen gemeinsam mit dem polizeilichen Staatsschutz der zentralen Kriminalinspektion Lüneburg aufgenommen habe.
Der Grund: Laut Appelbaum besteht der Anfangsverdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage nach Paragraf 88 des Strafgesetzbuchs (StGB). Dieser im Wortlaut:
Paragraf 88: Verfassungsfeindliche Sabotage
(1) Wer als Rädelsführer oder Hintermann einer Gruppe oder, ohne mit einer Gruppe oder für eine solche zu handeln, als Einzelner absichtlich bewirkt, dass im räumlichen Geltungsbereich dieses Gesetzes durch Störhandlungen
- Unternehmen oder Anlagen, die der öffentlichen Versorgung mit Postdienstleistungen oder dem öffentlichen Verkehr dienen,
- Telekommunikationsanlagen, die öffentlichen Zwecken dienen,
- Unternehmen oder Anlagen, die der öffentlichen Versorgung mit Wasser, Licht, Wärme oder Kraft dienen oder sonst für die Versorgung der Bevölkerung lebenswichtig sind, oder
- Dienststellen, Anlagen, Einrichtungen oder Gegenstände, die ganz oder überwiegend der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung dienen,
ganz oder zum Teil außer Tätigkeit gesetzt oder den bestimmungsmäßigen Zwecken entzogen werden, und sich dadurch absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand oder die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Bislang keine Hinweise auf ein Bekennerschreiben
Delikte, die in diese Kategorie fallen, machen das Eingreifen der Generalstaatsanwaltschaft erforderlich, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt.
„Derzeit gibt es keine Täterhinweise und auch kein Bekennerschreiben“, so Appelbaum weiter. Zu weiteren Einzelheiten zu den Ermittlungen könne die Generalstaatsanwaltschaft zurzeit keine Angaben machen.
Mehr als 200 Zugfahrten fielen aus
Ein Zeuge hatte in der Nacht zum Dienstag zunächst einen „Feuerschein“ an einem Technikgebäude des Bahnübergangs an der Straße Elstorfer Heuweg in Neu Wulmstorf gemeldet, außerdem stand etwa 50 Meter weiter ein Verteilerkasten in Flammen.

Der Verteilerkasten wurde durch den Brand zerstört. Foto: Vasel
Das Feuer habe laut einer Bahnsprecherin die Schieneninfrastruktur beschädigt - der Verteilerkasten sei für die sichere Steuerung der Züge erforderlich. Das traf die Pendler im Kreis Stade hart: Mehr als 200 Zugfahrten fielen aus und mussten durch Busse ersetzt werden, Tausende Fahrgäste mussten Umwege und längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Auch 19 Güterzüge wurden laut der Bahnsprecherin abrupt gestoppt.
Fachleute waren den gesamten Dienstag im Einsatz, um die Schäden zu begutachten und das weitere Vorgehen zu prüfen. „Wir wissen, dass die Situation für unsere Fahrgäste mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist“, sagte die S-Bahn-Sprecherin am Dienstag. (mit dpa)
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