Polizei rät

TNachts allein unterwegs: Darum sollte man potenzielle Täter siezen

Auf das Umfeld achten: Ist man allein unterwegs, sollten die AirPods einmal pausieren, damit potenzielle Gefahren frühzeitig erkannt werden können.

Auf das Umfeld achten: Ist man allein unterwegs, sollten die AirPods einmal pausieren, damit potenzielle Gefahren frühzeitig erkannt werden können. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Ein Heimweg in der Dunkelheit, Schritte hinter sich – und die Unsicherheit wächst. Wann wird aus einem mulmigen Moment eine echte Gefahr? Das sagt die Polizei.

Von Feenke Hornbostel 23.06.2026, 08:10 Uhr

Eine Frau joggt allein durch einen Park, plötzlich taucht hinter ihr ein Mann auf. Er folgt ihr, filmt sie sogar mit dem Handy. Ein Video davon verbreitete sich im vergangenen Jahr in den sozialen Netzwerken. Fälle wie diese sorgen immer wieder für Diskussionen – genauso wie Catcalling, aufdringliche Ansprachen oder sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum. Viele Frauen haben solche Situationen bereits erlebt, oft sogar mitten am Tag und dort, wo andere Menschen in der Nähe sind.

Doch besonders bedrohlich wirken solche Momente nachts: nach dem Feiern auf dem Heimweg, an einer stillen Bushaltestelle oder auf einer fast leeren Straße. Vielleicht sind es nur noch ein paar Minuten bis nach Hause. Vielleicht kommt einem plötzlich eine Gruppe entgegen. Vielleicht passiert nichts. Vielleicht aber doch.

Frauen sind häufiger betroffen, aber nicht ausschließlich

Ob eine Situation tatsächlich gefährlich ist, lässt sich im ersten Moment oft nicht einschätzen. Genau darin liegt das Problem: Viele Frauen kennen dieses Gefühl, wenn aus einem kurzen Unbehagen langsam Angst wird. Genau dort setzt die Präventionsarbeit der Polizei an.

Situationen wie Verfolgungen, Belästigungen oder im schlimmsten Fall auch Sexualstraftaten könnten überall passieren. Frauen seien häufiger betroffen, grundsätzlich könne es jedoch jede Person treffen, sagt Pamela Koellner von der Zentralen Prävention der Polizei Bremerhaven.

Wichtig sei deshalb vor allem eines: aufmerksam bleiben. „Viele Menschen haben AirPods im Ohr und das Handy vor der Nase“, sagt Koellner. Das sei verständlich, lenke aber vom Umfeld ab. In den Selbstbehauptungstrainings der Prävention gehe es deshalb zunächst darum, die eigene Wahrnehmung wieder zu schärfen. Wer nachts allein unterwegs ist, solle bewusst beobachten, wer sich noch auf der Straße befindet, welche Wege beleuchtet sind und wo es Anlaufstellen gibt.

Das eigene Bauchgefühl als wichtigste Orientierung

Auch das eigene Bauchgefühl spiele eine wichtige Rolle. Wenn sich etwas komisch anfühlt, solle man diesem Gefühl vertrauen und lernen, auf den Urinstinkt zu hören.

Das könne bedeuten, frühzeitig die Straßenseite zu wechseln, in ein geöffnetes Geschäft zu gehen oder bewusst den Weg über belebte Straßen zu wählen – auch wenn dieser länger dauert. Nicht immer sei der kürzeste Weg der sicherste.

Besonders wichtig sei Planung. Wer weiß, dass er spät nachts allein unterwegs sein wird, könne vorher überlegen, wie der Heimweg organisiert wird: Gibt es jemanden, der begleiten oder abholen kann? Ist ein Taxi eine Option? Kann man den Standort mit Freunden oder Familie teilen? „Wir haben alle WhatsApp auf dem Handy“, sagt Koellner. Viele Funktionen, die Sicherheit geben könnten, seien längst vorhanden.

Der oft verbreitete Rat, nur so zu tun, als würde man telefonieren, sei wenig sinnvoll. „Der Aufwand, wirklich zu telefonieren, ist ja nicht größer, warum soll ich denn nur so tun, als würde ich telefonieren?“, fragt Koellner. Viel hilfreicher sei es, tatsächlich jemanden anzurufen. So habe man nicht nur ein Gefühl von Sicherheit, sondern eine echte Person am anderen Ende der Leitung.

„Siezen“ als wichtiger Tipp bei Suche nach Aufmerksamkeit

Kommt es tatsächlich zu einer bedrohlichen Situation, empfiehlt Koellner vor allem eines: laut werden. Statt nur „Hilfe“ zu rufen, seien klare Sätze wie „Fassen Sie mich nicht an“ oder „Lassen Sie mich in Ruhe“ wirksamer. Das „Siezen“ signalisiere möglichen Zeugen sofort, dass es sich nicht um einen privaten Streit handelt. „Wenn draußen jemand laut wird, schauen die Menschen hin“, sagt Koellner. Viele würden den Notruf wählen, auch wenn sie selbst gar nicht sichtbar eingreifen.

Von Waffen oder vermeintlichen Selbstverteidigungsmitteln rät die Polizei eher ab. Pfefferspray etwa könne im Ernstfall durch Wind schnell gegen die betroffene Person selbst wirken. Stattdessen gehe es darum, Handlungssicherheit zu gewinnen: Abstand schaffen, Aufmerksamkeit erzeugen, sich losreißen und Hilfe holen. In akuten Situationen sollte sofort der Notruf über die 110 gewählt werden.

Und wo ist es am unsichersten? „Alles kann überall und zu jeder Zeit passieren“, sagt Koellner. Deshalb wolle sie keine bestimmten Orte stigmatisieren.

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