Mulsum

TPächterwechsel und Kneipenrettung: Das durchlebte das Deutsche Haus

Das Dorf steht zusammen: Bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz - heute der Rote Platz vor dem Deutschen Haus - war am 1. Mai 1935 Jahren ganz Mulsum versammelt.

Das Dorf steht zusammen: Bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz - heute der Rote Platz vor dem Deutschen Haus - war am 1. Mai 1935 Jahren ganz Mulsum versammelt. Foto: Lutz/Beneke (Archiv)

Das Deutsche Haus erlebte in der Vergangenheit immer wieder Rückschläge - wie 2019. Doch die Mulsumer fanden eine Lösung. Eine Chronik mit den wichtigsten Meilensteinen.

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Von Thies Meyer
13.07.2026, 09:50 Uhr

Muslum. 1817-2019. 1817 wird das heutige Deutsche Haus im Herzen Mulsums errichtet, heißt es im Niedersächsischen Landesarchiv. Heinrich Hagenah ist der erste Gastwirt und kauft das Haus 1887, in dem sich Gaststätte und Kolonialwarenladen befinden. Erst später entsteht ein Saal mit Tanzfläche, Theke und Bühne sowie Turngeräten, der TSV Mulsum von 1919 trainiert hier. Zum Hauptgebäude gehört ein weiteres gegenüberliegendes Gebäude. 1935 brennt dieses landwirtschaftlich genutzte Haus mit Stallungen ab.

Um 1945 gibt es in Mulsum neben der Gaststätte in der Hochstädt fünf weitere Gaststätten: den Gasthof Müller, den Gasthof Heinrich Mau, den Schützenhof Lühmann, den Gasthof Dieckmann und die Bahnhofsgaststätte. 1968 brennt das Gebäude, in dem nach mehreren Pächterwechseln damals Fieten Lutz bewirtet. Seine Familie und Übernachtungsgäste überleben den Großbrand, kommen mit Verletzungen und dem Schrecken davon. Am Jahresende steht das Haus wieder vollständig. Erst mit der Übernahme durch Fieten Lutz bekommt die Gaststätte ihren heutigen Namen: Deutsches Haus.

Die ehemalige Wirtin im Deutschen Haus, Trixi Büchler.

Die ehemalige Wirtin im Deutschen Haus, Trixi Büchler. Foto: Beneke (Archiv)

1992 wechseln Festsaal, Restaurant mit Gaststube und Monteurszimmer von der Familie Lutz zum Ehepaar Büchler. 27 Jahre später sucht Gastwirtin Trixi Büchler einen Pächter. Die Gastwirtin plant ihren Ruhestand und leitet den Verkauf in die Wege.

Aus des Deutschen Hauses wäre tiefer Bruch: Mulsum kämpft für Zukunft seines Herzstücks

2019. Die jüngere Vergangenheit des Deutschen Hauses verlangt Betreibern und Dorfbewohnern viel ab. Über Jahrzehnte macht sich das Gaststättensterben in Mulsum bemerkbar. Das Deutsche Haus ist der letzte Treffpunkt, an dem Menschen bei Bier, Brause, Schnitzel und Currywurst zusammenkommen. Mulsum ohne das Deutsche Haus am Roten Platz ist für viele Mulsumer undenkbar.

Im Clubraum mit Platz für 35 Personen hängen viele Wandbilder, die die 136-jährige Geschichte des Deutschen Hauses illustrieren.

Im Clubraum mit Platz für 35 Personen hängen viele Wandbilder, die die 136-jährige Geschichte des Deutschen Hauses illustrieren. Foto: T. Meyer

„Die Attraktivität des Ortes steht und fällt mit dem Deutschen Haus und seinem Saalbetrieb“, betont Gerhard Seba (CDU), damals Bürgermeister der Gemeinde Kutenholz.

Eine 20-köpfige Arbeitsgruppe formt sich, um ihren sozialen Treffpunkt zu retten. Am 24. April 2019 folgen rund 200 neugierige Bürgerinnen und Bürger der Einladung der Rettungsinitiative und strömen in den Saal des Deutschen Hauses, um eine Frage zu diskutieren: Ist die Gründung einer Genossenschaft zum Erwerb und Erhalt der Gaststätte sinnvoll?

Wendepunkt: Mulsumer haben die Lösung

2020. Mehrheitlich mit „Ja“ beantworten die Mulsumer im Juni 2020 die Frage. Die Genossenschaft Dorfgemeinschaftshaus Deutsches Haus eG ist geboren. Die drei Mulsumer Stefan Allers, Ralf Steffens und Henning Götzke sitzen im Gründungsvorstand.

Die Kapazität von 200 Sitzplätzen ist ausgeschöpft: Hohes Interesse bei der ersten Informationsveranstaltung 2019 zur Zukunft des Deutsches Hauses.

Die Kapazität von 200 Sitzplätzen ist ausgeschöpft: Hohes Interesse bei der ersten Informationsveranstaltung 2019 zur Zukunft des Deutsches Hauses. Foto: Beneke (Archiv)

Das Konzept der Genossen: Die Genossenschaft kauft das Haus und finanziert seine Renovierung. Ein Gastronom kann es pachten und Mulsum und eine ganze Region bewirten. Genossen und Dorfvereine nutzen den Saal als Dorfgemeinschaftshaus für Versammlungen oder Partys.

2021. Die Genossen erwerben das Deutsche Haus und finden neue Betreiber. Bis August 2021 zieht Büchler in der Kneipe durch. Danach kocht der Mulsumer Norbert Schatz zusammen mit seinem Sohn Nils deutsche Küche.

Wenn die Kneipe stirbt, stirbt auch das Dorfleben

2023. Nach mehr als 10.000 Arbeitsstunden der ehrenamtlichen Kneipenretter und rund 600.000 Euro Kosten für Kauf und Sanierung ist Mulsums Kultstätte fertig saniert, mit neuer Gebäudefassade, Küche und Kneipe. Am 2. April feiert Mulsum die Neueinweihung.

2026. „Du kannst hier noch deine Brötchen holen und wenn die Glocken läuten, in die Kirche gehen. Aber wenn du keine Brause mehr trinken kannst, kannst du hier den Bürgersteig hochklappen“, sagt Allers. 2026 steht die Genossenschaft wieder vor der Frage: Wie geht es weiter? Denn Wirt Norbert und Sohn Nils Schatz, die seit 2022 die Mulsumer bewirten, wollen und können das Deutschen Haus nicht mehr betreiben.

Doch das zwingt die Mulsumer nicht, die Bürgersteige hochzuklappen. Die Genossen suchen mit Erfolg nach einem Nachfolger: Am 1. September übernehmen Stefan und Angelika Augst die Bewirtung im Deutschen Haus. Bis heute verkraften die Mulsumer Rückschläge immer wieder.

Hinweis: Dieser Artikel wurde im Vergleich zu einer früheren Version auf Hinweis eines Lesers korrigiert und aktualisiert.

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