Bei der ersten Informationsveranstaltung war der Saal voll. Foto: Beneke
Mit diesem Andrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet: 200 Mulsumer kamen zur Informationsveranstaltung einer Initiative, die eine Genossenschaft gründen will, um die Gaststätte Deutsches Haus zu kaufen und zu verpachten.
„Ich bin begeistert“, sagt der Kutenholzer Bürgermeister Gerhard Seba (CDU) beim Blick in den vollen Saal. „Mulsum ist auf dem richtigen Weg.“ Doch eines sei klar: „Die Attraktivität des Ortes steht und fällt mit dem Deutschen Haus und seinem Saalbetrieb.“ Ob Geburtstag, Trauerkaffee oder Vereinsversammlung – in Mulsum gebe es keinen vergleichbaren Veranstaltungsraum. Schützenfest, Erntefest, Faschingsfeier und Herbstmarkt seien ohne das Deutsche Haus nicht denkbar. Die Gründung einer Genossenschaft hält Gerhard Seba für „einen gangbaren Weg“. Die Mulsumer sollten dafür Werbung machen und Mitstreiter gewinnen. Die Gemeinde könne sich aus rechtlichen Gründen nicht an einer Genossenschaft beteiligen, aber auf anderen Wegen Hilfe anbieten.
Initiator Stefan Allers, der auch für die CDU im Rat der Gemeinde sitzt, erinnert an die seit Herbst 2018 im Dorf kursierenden Gerüchte über die Zukunft des Deutschen Hauses. Die Mulsumer wollen das Gebäude keinen ortsfremden Investoren überlassen. Edeka, Schlecker, Volksbank – viele Unternehmen hätten ihre Filialen in Mulsum geschlossen, die Kreissparkasse habe ihre Öffnungszeiten reduziert. Den Abwärtstrend gelte es zu stoppen. Zehn Mal haben sich Stefan Allers und seine Mitstreiter bisher getroffen. Auch Wirtin Trixi Büchler sitzt mit im Boot. „Der Idealfall wäre, dass sie das Deutsche Haus weiter bewirtschaftet“, heißt es aus der Arbeitsgruppe.
Gastwirtin Trixi Bücher steht hier seit 32 Jahren hinter dem Tresen. Sie wünscht sich, dass das Deutsche Haus für die kommenden Generationen erhalten wird. „Ohne die Saalveranstaltungen ist ein Betrieb dieser Größenordnung nicht finanzierbar“, betont die Mulsumerin. Ihre Botschaft: „Alle sind gefragt.“ Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie sich mehr Buchungen des Saals wünschen würde. Es gebe keinen Stichtag, an dem sie sich zur Ruhe setzen will. Im Raum steht das Jahr 2020.
Stefan Allers und die Arbeitsgruppe feilen an der Idee, dass die Mulsumer eine Genossenschaft gründen, um das Deutsche Haus zu erwerben. In Kuhstedtermoor werde bereits eine Kneipe von einer Genossenschaft betrieben, berichtet er. „Aber wir haben nicht vor, hinter dem Tresen zu stehen“, betont der Initiator. Für die Gründung einer Genossenschaft, an der sich alle Mulsumer beteiligen können, sind Gutachten, Businessplan, Satzung, Vorstand und Aufsichtsrat erforderlich.
Danach, wie viele Menschen Mitglied werden wollen, richtet sich der Preis eines Geschäftsanteils. Anders als bei einer Aktiengesellschaft hat jeder Anteilseigner nur eine Stimme – egal, wie viele Anteile er besitzt. Ein Mitglied kann nur mit seinem Anteil haften. Die Arbeitsgruppe bittet die Mulsumer um ihr Votum. Eine unverbindliche Abfrage soll die Bereitschaft zur Mithilfe darlegen – sei es in finanzieller oder personeller Form. Bei einer weiteren Informationsveranstaltung im Herbst sollen die Ergebnisse präsentiert werden.
Stefan Allers und sein Team gehen von einem sechsstelligen Betrag aus, der für Kauf und Sanierung des Deutschen Hauses mit Kneipe und Saal sowie dem Roten Platz (Vorplatz) aufgebracht werden muss. Der Stader Makler Ingomar Schumacher-Hahn aus Stade hat von dem Eigentümer, einem Berliner Geschäftsmann, den Auftrag erhalten, das Objekt ab 2020 zu vermarkten. Der aufgerufene Kaufpreis beträgt 219 000 Euro Ingomar Schumacher-Hahn soll auch weitere Nebengebäude und Ländereien verkaufen. Kneipe, Saal und Roter Platz kämen zusammen auf 1050 Quadratmeter, das Küsterhaus und die Brachflächen seien nicht Teil der Planungen der Arbeitsgruppe. „Die Idee einer Genossenschaft finde ich super“, bekennt der Makler. Private Investoren hätten eher Interesse am Gesamtkomplex, der sich zum Beispiel als Standort für Altenwohnungen eignen würde.
Die Mulsumer hoffen auf Zuschüsse für die Renovierung aus Mitteln der Verbunddorferneuerung. Die Elektrik ist laut Stefan Allers in einem ordentlichen Zustand. Sanitäre Anlagen, Küchen- und Brandschutztechnik müssten jedoch modernisiert werden. Die Substanz sei „absolut solide“. Die Fremdenzimmer im Obergeschoss könnten zu Monteurswohnungen hergerichtet werden.
„Ohne Pächter macht es wenig Sinn zu investieren“, sagt Bürgermeister Gerhard Seba. Arbeitsgruppen-Sprecher Stefan Allers erzählt von Kontakten zu Gastronomen, doch Konkretes könne er noch nicht präsentieren: „Einen Pächter haben wir noch nicht, das wird unser größtes Problem.“ Als Anlageobjekt tauge ein Investment in der Genossenschaft nicht. Die Rechtslage verbiete das Ausschütten einer Dividende. Die Genossenschaft sei eine krisensichere Form der Gesellschaft. Als Sicherheit bekäme sie das Grundstück und das Gebäude als Gegenwart. 30 bis 40 Prozent der Kaufsumme könnten per Bankkredit finanziert werden.
Die Arbeitsgruppe ist per E-Mail an die Adresse kneipe.mulsum@gmail.com erreichbar.