TRiesen-Überraschung: So hat die 10c der IGS Stade den Stadtrat gewählt
Mauro zückt sein Tablet, um abzustimmen: Welche Partei ist die beste für den Stader Stadtrat? Eine Partei gewinnt überraschend mit sieben Stimmen. Foto: Meyer
24 Schüler simulieren die Stadtratswahl. Zwei Parteien verlieren klar und eine gewinnt unerwartet. Doch auch für den Wahlsieger haben die Schüler schlechte Nachrichten.
Stade. Getuschel in der 10c. Schnell wird es laut unter den 24 Schülerinnen und Schülern, als die Balken am Smartboard hochschnellen. Gerade haben alle 24 auf ihrem Tablet für eine Partei abgestimmt. Wie sähe der Rat der Hansestadt Stade aus, wenn nur Erstwähler wählen dürften?
Wahlexperiment an der IGS Stade: Wahlgewinner ist nicht mal im Bundestag vertreten
Das wollte das TAGEBLATT wissen und ließ in einer Politikunterrichtsstunde von Lehrerin Myra Pape abstimmen. Die Testwahl wurde vereinfacht und die Schüler konnten für eine Partei abstimmen.

Haben ihre Meinungen zur Kommunalpolitik gesagt: die Schüler der 10c von der IGS Stade und Politiklehrerin Myra Pape (rechts). Foto: Meyer
„Ich bin jetzt überrascht“, sagt Philipp, als er den Balken mit den meisten Stimmen sieht - die sieben Stimmen für die FDP. Die FDP auf dem ersten Platz verwundert den Erstwähler, „weil die nicht im Bundestag ist“. Für Mauro ist der FDP-Sieg „ein bisschen random“, unerwartet.

So hat die 10c der IGS Stade gewählt. Die Stader Stadtratwahl gewinnt die FDP (7 Stimmen) vor der SPD und den Linken (je 6). Foto: Screenshot (Mentimeter)
Mit jeweils sechs Stimmen zählen SPD und Linke auch zu den Wahlgewinnern. Die AfD rangiert mit drei Kreuzen im Mittelfeld. Schlusslichter der Wahl sind mit jeweils einer Stimme CDU und Grüne. Die Schüler schätzen ihre Wahlentscheidung ein.
Die 10c der IGS Stade wählt die FDP zum Sieg - aber nicht aus Überzeugung
Shawn hat eine Vermutung, warum die FDP gewonnen hat. Parteien, mit deren Politik Jugendliche unzufrieden sind, haben schlechte Karten. Der Zehntklässler glaubt, die FDP ist „das Einzige, was man wählen könnte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“. Die Wahl ist also auch eine moralische Entscheidung. Philipp sitzt neben Shawn und stimmt ihm zu: „Es geht nur darum, das kleinste Übel zu wählen.“
T Erstwählerforum zur Kommunalwahl in Stade: Kritik an AfD-Teilnahme
Verblüfft vom Ergebnis ist auch Arvid, denn die FDP sei eine Partei, die „unsere Interessen nicht besonders stark vertritt“. Auch das spricht für eine Protestwahl der 10c. Das schlechte Abschneiden von CDU und Grünen habe Arvid so erwartet. Luca hätte mit mehr Stimmen für die SPD gerechnet.

Welche Partei gewinnt die Wahl zum Stader Stadtrat? Sina und Tamme machen ihr Kreuz auf dem Tablet. Foto: Meyer
Zwei Drittel der Klasse sind am 13. September wahlberechtigt und haben drei Stimmen bei der Stadtratswahl und drei Wahlmöglichkeiten. Erstens können sie ein Kreuz bei einer Partei machen, und ihre drei Stimmen gehen automatisch an die ersten drei Kandidaten auf der Parteiliste. Zweitens können die Erstwähler ihre Stimmen kumulieren und alle drei oder zwei Stimmen einem einzigen Kandidaten geben. Drittens können die 16- bis 17-Jährigen auch panaschieren und bei drei verschiedenen Kandidaten jeweils ein Kreuz machen.
Es kristallisiert sich ein Stimmungsbild heraus: Die Stader Zehntklässler und Erstwähler stimmen nicht aus Überzeugung für eine Partei, sondern für die Partei, die aus ihrer Sicht noch am ehesten akzeptabel ist.
Kaum ein Schüler aus der 10c identifiziert sich stark genug mit einer Partei, um positiv von ihr zu sprechen. Die FDP hat also offenbar nicht gewonnen, weil sie mit Inhalten bei zumindest sieben Schülern punktet, sondern weil für die Jugendlichen andere Parteien schlechtere Arbeit machen.
TAGEBLATT-Serie: So tickt die Jugend
Wie politisch sind junge Menschen im Landkreis Stade? Wie heimatverbunden sind sie - wollen sie bleiben oder zieht es sie weg? Was müssen Vereine tun, um sie zu begeistern? Wie und wo verbringen sie ihre Freizeit? Wie feiern junge Menschen in der Region? Auf Fragen wie diese gibt es in den nächsten Wochen und Monaten Antworten in der TAGEBLATT-Serie „So tickt die Jugend“.
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