TS5: So lange dauert die Fahrt von Buxtehude zum Hamburger Hauptbahnhof
Die TAGEBLATT-Redakteure Karsten Wisser (rechts) und Thomas Sulzyc treffen sich im Hamburger Hauptbahnhof. Beide starteten von Buxtehude aus: Der eine fuhr mit Linienbus, Fähre und U-Bahn, der andere mit Ersatzbus und S-Bahn. Foto: Wisser
Busse statt S-Bahn zwischen Neugraben und Wilhelmsburg. Morgens im Berufsverkehr macht das TAGEBLATT den Selbstversuch. Das Ergebnis ist hart für Pendler.
Buxtehude. Seit Sonntagabend bis Sonnabend, 23. Mai (circa 1 Uhr), fahren zwischen Wilhelmsburg und Neugraben Busse statt S-Bahnen. Der Grund sind umfangreiche Instandhaltungsarbeiten im Harburger Tunnel.
Wie viel länger ist dadurch der Arbeitsweg? Am Montagmorgen begibt sich TAGEBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc auf eine typische Strecke für Berufspendler aus dem Landkreis Stade: mit der S-Bahn und dem Bus im Schienenersatzverkehr (SEV) von Buxtehude zum Hamburger Hauptbahnhof.
Unterwegs mit dem S5-Ersatz: Reisebericht eines Hamburg-Pendlers
Das ist sein Reisebericht:
Gegen 7.15 Uhr treffe ich am Bahnhof Buxtehude an den Bahngleisen in Richtung Hamburg ein. Um diese Uhrzeit setzen die meisten Fahrgäste offenbar auf den Regionalzug (RE5), der sie auf Gleis 2 bis nach Harburg bringt. Kaum jemand steigt in die auf Gleis 3 stehende S-Bahn ein.
Der Regionalzug trifft pünktlich in Buxtehude ein: um 7.20 Uhr. Das ist an diesem Morgen nicht selbstverständlich. Das Portal Nahverkehr Hamburg meldet um 13.14 Uhr einen „stark gestörten“ Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Cuxhaven und Harburg: Drei von fünf Zügen seien verspätet. Die maximale Verspätung bis dahin habe 23 Minuten betragen.

Zusätzliches Servicepersonal der S-Bahn Hamburg an den Bahnhöfen, hier in Buxtehude, informiert die Fahrgäste. Zu erkennen ist es an den leuchtend gelben Westen mit S-Bahn-Symbol. Foto: Sulzyc
Zusätzliches Servicepersonal der S-Bahn Hamburg informiert auf dem Bahnsteig die Fahrgäste. Zu erkennen ist es an den leuchtend gelben Westen mit dem grünen S-Bahn-Symbol. Die jungen Servicemitarbeiter an diesem Morgen in Buxtehude seien Schüler, erfahre ich von ihnen. Ferienjob, Schicht von 6 Uhr bis 14 Uhr. Zwischen 15 bis 18 Euro die Stunde erhalten sie, sagt einer.

Visuelle Orientierungshilfe für Fahrgäste: Am Bahnhof Harburg weisen Fußstapfen auf dem Fußboden den Weg zu den Ersatzbussen. Foto: Wisser
Ich wähle die S-Bahn - wie vermutlich die meisten Berufspendler. Denn der Regionalzug verkehrt nur ein Mal in der Stunde. Die S-Bahn dagegen fährt alle 10 Minuten. Mit den häufigen Abfahrtzeiten lassen sich Bürozeiten und Termine besser vereinbaren.
Berufspendler-Test
T Von Buxtehude nach Hamburg: Als Pendler unterwegs im Baustellenchaos
Abfahrt um 7.26 Uhr in Buxtehude. Im S-Bahn-Zug herrscht gähnende Leere. Ankunft um 7.44 Uhr in Neugraben. Hier muss ich in den Bus im Schienenersatzverkehr (SEV) umsteigen. Servicepersonal in gelben Westen auch hier auf den Bahnsteigen. Am Busbahnhof auf dem Bahnhofsvorplatz wartet der SEV-Bus bereits.

TAGEBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc steigt in Neugraben in den Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) in Richtung Wilhelmsburg um. Foto: Sulzyc
Bei aller Kritik am ÖPNV: S-Bahn und Hochbahn haben sich ins Zeug gelegt. Auch im SEV-Bus informiert zusätzlich zum Fahrer ein zweiter Servicemitarbeiter. Zwar ohne gelbe Weste, aber mit lauter Stimme: „Wilhelmsburg ja, Harburg ja, Rathaus nein“, ruft er. Viele Leute steigen deshalb wieder aus. „Nächster Bus“, ruft der Mann ihnen hinterher.
Ersatzbus: Das irritiert Fahrgäste
Damit ist gemeint: Bei diesem Bus handelt es sich um den Express-SEV-Bus, zu erkennen am Buchstaben B. Dieser hält nicht an der Station Harburg-Rathaus und nicht in Heimfeld. Der langsamere Bus A aber schon. An diesem Morgen fällt öfter auf: Vielen Fahrgästen ist der Unterschied zwischen den beiden SEV-Bus-Linien nicht bekannt. Das sorgt für Desorientierung.
Bauarbeiten
T B73 in Buxtehude gesperrt: Droht ein Pendlerdrama?
Zeit in Neugraben verliere ich kaum. Nur fünf Minuten nach meiner Ankunft fährt der SEV-Bus um 7.49 Uhr ab. Einige Sitzplätze bleiben frei. Stockender Verkehr auf der Bundesstraße 73 in Heimfeld hält uns auf.
So ist eine Pendlerin aus Neu Wulmstorf betroffen
Im Bus komme ich mit Berufspendlerin Franziska Roth aus Neu Wulmstorf, eine überzeugte Bahnfahrerin, ins Gespräch. Wie die unterbrochene S-Bahn-Verbindung auf den Linien S5 und S3 ihren Alltag verändert, möchte ich von ihr wissen. „Mein Arbeitsweg verdoppelt sich um eine Stunde - die Zeit gibt einem niemand zurück“, antwortet sie.
Landkreis Stade
T Warten in der S-Bahn: Wenn der Lokführer plötzlich Flachwitze erzählt
Hin zur Arbeitsstelle und zurück - Franziska Roth verliert dadurch täglich zwei Stunden freie Zeit. Die Neu Wulmstorferin arbeitet in der Hamburger City Süd, steigt am S-Bahnhof Hammerbrook aus.
Übervoller S-Bahn-Zug in Wilhelmsburg
Ankunft am S-Bahnhof Wilhelmsburg um 8.30 Uhr. Der S-Bahn-Zug der Linie S3 in Richtung Hauptbahnhof ist so voll, dass Bahnmitarbeiter herbeieilende Fahrgäste davon abhalten, einzusteigen. Ich warte auf die nächste S-Bahn. Zeitverlust: zehn Minuten.
Der S-Bahn-Zug kommt außerplanmäßig zwei Mal zum Stehen. Zwei Minuten lang vor Hammerbrook, Franziska Roth erreicht das Büro mit zwei oder drei Minuten Verspätung. Anschließend steht der S-Bahn-Zug neun Minuten vor dem Hauptbahnhof. Den Grund nennt eine Durchsage: besetzte Gleise. Endlich: Um 9.10 Uhr treffe ich am Hauptbahnhof ein.
So viel länger dauert die Fahrt
Fazit: 104 Minuten dauerte die Fahrt mit S-Bahn und Ersatzbus von Buxtehude zum Hamburger Hauptbahnhof. Die Fahrzeit im regulären S-Bahn-Betrieb: 43 Minuten.
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