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TSB-Kassen auf dem Vormarsch: Warum nicht jeder diesen Trend mitgeht

Volle Einkaufswagen, lange Warteschlangen und die Suche nach dem Centstück: An der Supermarktkasse ist manchmal Geduld gefragt – die Kunden allerdings oftmals fehlt. Der stationäre Handel setzt deshalb immer häufiger auf Selbstbedienungskassen - auch im Cuxland.

Volle Einkaufswagen, lange Warteschlangen und die Suche nach dem Centstück: An der Supermarktkasse ist manchmal Geduld gefragt – die Kunden allerdings oftmals fehlt. Der stationäre Handel setzt deshalb immer häufiger auf Selbstbedienungskassen - auch im Cuxland. Foto: dpa

Immer mehr Supermärkte, Discounter und Drogerien im Kreis Cuxhaven setzen auf Selbstbedienungskassen. Das soll den Einkauf für die Kunden schneller und bequemer machen.

Von Christian Mangels Montag, 28.07.2025, 12:50 Uhr

Cuxhaven. Zwei Müsliriegel, ein Shampoo in Reisegröße und eine Wasserflasche landen im Rucksack von Katherina Grossmann - und das ohne Einwirken eines Kassierers oder einer Kassiererin.

Die Cuxhaven-Urlauberin bezahlt die Waren an der Selbstbedienungskasse. Keine zwei Minuten dauert der Vorgang im Drogeriemarkt. „Ich habe ja nur vier Artikel. Hier geht es schneller als bei den anderen Kassen“, meint die Kölnerin.

Tatsächlich sind die Selbstbedienungskassen, auch Self-Checkout-Kassen genannt, auf dem Vormarsch. Laut dem Forschungsinstitut EHI in Köln stieg die Anzahl der Geschäfte mit SB-Kassen in Deutschland von 903 im Jahr 2019 auf 4.270 Ende 2023.

Die Gesamtzahl der Selbstbedienungskassen betrug mehr als 16.000. Gut 60 Prozent dieser Kassen befinden sich im Einzelhandel, jeweils 15 Prozent in den Drogerieläden und den Bau- und Heimwerkermärkten.

Für ein Feedback der Kunden ist es noch zu früh

Auch im Kreis Cuxhaven breiten sich die Terminals zunehmend aus. Ob Lidl, Rossmann oder Toom - immer mehr Märkte stellen Kassen auf, an denen die Kunden ihre Waren eigenständig scannen und bezahlen können. Neuestes Beispiel ist der Combi-Verbrauchermarkt an der Brockeswalder Chaussee in Cuxhaven. Dort wurden vor wenigen Tagen drei Self-Checkout-Kassen eingerichtet. Wie kommt der neue Service an?

„Für ein Feedback der Kunden ist es noch zu früh“, sagt Dr. Christiane A. Kolass, Sprecherin der Bünting-Unternehmensgruppe, die den Combi-Markt an der Brockeswalder Chaussee betreibt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Marktes würden die Kundschaft bei Bedarf an den SB-Kassen unterstützen, so Kolass. Für Kundinnen und Kunden, die lieber bei der Kassiererin oder dem Kassierer bezahlen möchten, stehen vier traditionelle Kassen zur Verfügung.

In den Aldi-Märkten im Kreis Cuxhaven gibt es aktuell noch keine Selbstbedienungskassen. Aber Aldi Nord ist an dem Thema dran: „Die Aldi-Nord-Gruppe testet derzeit verschiedene Kassen-Technologien, die den Bezahlvorgang vereinfachen könne“, teilt Pressesprecher Dennis Willhardt mit.

In insgesamt drei Test-Filialen im Aldi-Nord-Gebiet können die Kundinnen und Kunden die Ware selbst einscannen und anschließend per Bankkarte, Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte bezahlen. „Welche Rolle diese Technologien künftig in der gesamten Aldi-Nord-Gruppe spielen, können wir aktuell noch nicht sagen“, so Willhardt.

Beim Discounter Lidl kommen die Selbstbedienungskassen deutschlandweit seit 2023 zum Einsatz. „Bei der Einführung von Selbstbedienungskassen in den Lidl-Filialen berücksichtigen wir stets individuelle Gegebenheiten, da sich die Anforderungen unserer Kunden an verschiedenen Standorten, beispielsweise in der Stadt oder auf dem Land, voneinander unterscheiden können“, erläutert Lidl-Sprecherin Lena Hummel.

In wie vielen der insgesamt 15 Lidl-Filialen im Cuxland SB-Kassen bereits stehen, teilte die Sprecherin nicht mit. „Grundsätzlich werden Selbstbedienungskassen herkömmliche Kassen nicht ersetzen“, versichert Lena Hummel. „Vielmehr bieten wir unseren Kunden einen zusätzlichen Service. Wir überlassen unseren Kunden die Wahl, welches Kassensystem sie nutzen möchten.“

Argumente sprechen gegen den Einsatz von SB-Kassen

Nicht überall geht der Trend zur Selbstbedienungskasse. Beispiel: der Edeka-Markt in Hemmoor. Kaufmann Marc Kliebisch, der das Edeka-Center an der Stader Straße betreibt, hat zwar kurzzeitig darüber nachgedacht, SB-Terminals aufzustellen, die Idee aber letztendlich wieder verworfen.

Auf seiner Pro- und Contra-Liste überwiegen bei weitem die Argumente, die gegen den Einsatz von SB-Kassen sprechen. „Selfscanning-Kassen sind störanfällig und ungeeignet für Großeinkäufe“, findet der Hemmoorer.

Schwierigkeiten gebe es beispielsweise beim Kauf von Alkohol oder Tabakwaren. „Hier muss der Vorgang durch einen Mitarbeiter legitimiert beziehungsweise freigeschaltet werden“, erklärt Kliebisch. Außerdem würden häufig Probleme bei der richtigen Wahl der Tasten für Obst und Gemüse oder Backwaren auftauchen. „Das führt dann zu unweigerlichen Inventurdifferenzen und Verlusten.“

Marc Kliebisch hält große Stücke auf den direkten Kundenkontakt. „Dieser Kontakt ist Gold wert, da man sehr schön herausfinden kann, welche Artikel sich die Kunden im Sortiment wünschen“, sagt Kliebisch.

Und noch ein Argument spricht aus Sicht des Hemmoorer Marktleiters gegen die SB-Kassen: „Der Anstieg von Ladendiebstählen im Zusammenhang mit Selfscanning wurde bereits mehrfach erwiesen.“

Auch Kaufmann Tobias Holling, der unter anderem den Marktkauf an der Abschnede in Cuxhaven leitet, schätzt den persönlichen Kontakt zu den Kundinnen und Kunden. Derzeit seien im Cuxhavener Marktkauf keine Self-Checkout-Kassen in Planung, wie Gina Liebe von der Edeka-Handelsgesellschaft Nord auf Anfrage mitteilt.

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