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Debatte

TSchulen oder Feuerwehr? Buxtehude streitet um Prioritäten

Das Feuerwehrgerätehaus in Buxtehuder Stadtteil Altkloster ist 50 Jahre alt. Es soll durch einen Neubau an der Moisburger Landstraße ersetzt werden.

Das Feuerwehrgerätehaus in Buxtehuder Stadtteil Altkloster ist 50 Jahre alt. Es soll durch einen Neubau an der Moisburger Landstraße ersetzt werden. Foto: Wisser

Während die Grünen den Fokus auf die Bildungsinfrastruktur legen, mahnt die Feuerwehr dringend notwendige Verbesserungen an ihrem maroden Gerätehaus an.

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Von Karsten Wisser
Freitag, 27.02.2026, 18:29 Uhr

Buxtehude. „Weder bei der Sicherheit der Bürger noch bei der Bildungs- und Sportinfrastruktur sind dauerhafte Kompromisse vertretbar“, sagt Sebastian Hinsen, Ortsbrandmeister von Buxtehude und stellvertretender Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr.

Hinsen reagiert auf einen politischen Streit: Wie das TAGEBLATT berichtete, diskutiert die Politik, welches Bauprojekt zuerst umgesetzt werden soll. Ulrich Felgentreu, Grünen-Co-Fraktionsvorsitzender und Schulausschuss-Vorsitzender, plädiert dafür, den Neubau und die Sanierung der Grundschulen zu priorisieren. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses könne warten.

Altes Gebäude ist unzureichend

Felgentreu befürchtet, dass die Bauverwaltung nicht genug Kapazitäten hat, um mehrere Projekte zu stemmen. Besonders die SPD widerspricht. „Man darf Grundschule und Feuerwehr nicht gegeneinander ausspielen“, sagt Christian Krüger, Buxtehuder SPD-Parteivorsitzender.

„Das Gerätehaus am Eichholz ist baulich und organisatorisch seit Jahren unzureichend“, erklärt die Ortsfeuerwehr Buxtehude. Es fehlt eine normgerechte Trennung zwischen Schwarz- und Weißbereich. Derzeit müssen sich die Einsatzkräfte in der Fahrzeughalle umziehen, was den hygienischen und arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen nicht entspricht.

Probleme bei Hygiene und Arbeitsschutz

„Der Platz reicht nicht aus, sodass persönliche Schutzausrüstung im Flur gelagert wird und sich Einsatzkräfte dort umziehen müssen“, sagt Hinsen. Dies führt zu einer Vermischung von Funktionsbereichen, Sozialtrakt und Schwarzbereich.

Sebastian Hinsen ist Ortsbrandmeister von Buxtehude und stellvertretender Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr.

Sebastian Hinsen ist Ortsbrandmeister von Buxtehude und stellvertretender Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr. Foto: Vasel

Der Schwarzbereich umfasst die Lagerung kontaminierter Einsatzkleidung sowie der Einsatzfahrzeuge und Geräte. Der Weißbereich ist für Privatkleidung, Sozial- und Aufenthaltsräume vorgesehen. „Eine klare Trennung dieser Bereiche ist aus hygienischen Gründen zwingend erforderlich“, betont Hinsen.

Die gestiegenen Anforderungen im Brandschutz, der Hilfeleistung und im Katastrophenschutz erfordern zusätzliche Kapazitäten.

Ortsbrandmeister Sebastian Hinsen

Hinzu kommt, dass die Einsatzzahlen in Buxtehude seit Jahren steigen. 640 Einsätze zählt die Statistik 2025 für Buxtehude. Das sind 90 mehr als 2024. An beiden Standorten der Ortsfeuerwehr Buxtehude (Zug 1 und Zug 2) ist zu wenig Platz. „Für vorhandene Fahrzeuge gibt es teilweise nicht ausreichend dimensionierte Stellflächen. Die gestiegenen Anforderungen im Brandschutz, der Hilfeleistung und im Katastrophenschutz erfordern zusätzliche Kapazitäten“, so die Feuerwehr.

Auslagerung von Fahrzeugen geht nicht

Die Idee, Einsatzfahrzeuge vorübergehend an anderen Standorten unterzubringen, ist für die Feuerwehr keine tragfähige Lösung. Auf den Fahrzeugen ist das notwendige Material verladen, das im Alarmfall schnell zur Einsatzstelle muss.

„Eine Auslagerung führt zu strukturellen Nachteilen in der Einsatzorganisation, beeinträchtigt Ausrückzeiten und ersetzt keine bedarfsgerechte Infrastrukturplanung“, sagt Hinsen.

Die Spinde stehen im alte Gerätehaus von Zug II in der Fahrzeughalle.

Die Spinde stehen im alte Gerätehaus von Zug II in der Fahrzeughalle. Foto: Vasel

Die Bewertung von Fahrzeugkonzeption, Standortstruktur und infrastrukturellen Anforderungen ist Aufgabe der Feuerwehr in Abstimmung mit der Verwaltung.

Standort- und Organisationsentscheidungen müssen auf fachlicher Analyse und rechtlichen Rahmenbedingungen beruhen, nicht auf parteipolitischen Erwägungen.

Feuerwehr fordert Brandschutzbedarfsplan

„Vor diesem Hintergrund halte ich die zeitnahe Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes für dringend erforderlich“, sagt Hinsen. Eine Bedarfsanalyse wird den Infrastruktur- und Flächenbedarf transparent darstellen und eine Entscheidungsgrundlage schaffen. Die Anträge dafür liegen der Verwaltung vor.

Die Feuerwehr ignoriere dabei nicht die Probleme der Schulen: Es ist unstrittig, dass mehrere Grundschulen und Sportstätten erheblichen Sanierungsbedarf haben, so Hinsen.

„Dieser Handlungsbedarf ist real und dringlich. Bildung und Sportinfrastruktur sind ebenso wesentliche Bestandteile der kommunalen Daseinsvorsorge wie der Brandschutz“, so der Ortsbrandmeister von Buxtehude.

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