TSchwarzbau in Buxtehude: Wie gefährlich kann ein Sandkasten sein?
Ohne Baugenehmigung auf städtischem Grund errichtet: der Sandkasten an der Flüchtlingsunterkunft am Gildenweg in Buxtehude. Foto: Sulzyc
Ohne Genehmigung lässt eine ehrenamtliche Helferin auf städtischem Boden einen Sandkasten bauen. Sie bezahlt ihn aus eigener Tasche. Das steckt dahinter.
Buxtehude. Der Sand fein und sauber. Das Holz massiv und fachmännisch verarbeitet. Ein neuer Sandkasten wirkt der Tristesse auf dem ansonsten kargen Gelände der Flüchtlingsunterkunft am Gildenweg entgegen. Rechtlich ist er heikel: Denn die dort einzige Spielgelegenheit ist ohne Baugenehmigung auf städtischem Grund entstanden. Ein Schwarzbau also.
Ehrenamtliche zahlt 4000 Euro aus eigener Tasche
Die Entstehungsgeschichte berührt. Denn eine ehrenamtliche Helferin hat den Sandkasten bei einem privaten Unternehmen in Auftrag gegeben und die Rechnung aus eigener Tasche bezahlt: rund 4000 Euro. Aus Spenden habe sie inzwischen nach eigenen Angaben 1500 Euro refinanziert.
Die ehrenamtliche Helferin ist Elisabeth Wallmann (69), evangelisch-lutherische Pastorin außer Dienst. Ihr Bild möchte sie in der Zeitung nicht veröffentlicht sehen. Ihre Person sei dabei nicht wichtig, erklärt sie.
Helferin pflanzt mit Kindern Blumenbeete
Seit zwei Jahren lebt Elisabeth Wallmann in Buxtehude. Und seitdem kümmert sie sich an einem Nachmittag in der Woche um die 63 Bewohner und Bewohnerinnen in der Flüchtlingsunterkunft am Gildenweg.
Menschen aus der Ukraine, aus Syrien oder auch Kolumbien leben in den drei Leichtbauhäusern am Gildenweg. Die Ehrenamtliche spielt und bastelt mit Kindern, pflanzt mit ihnen Blumenbeete. Sie bringt ihnen bei, Regeln zu beachten. Mülltrennung zum Beispiel. Das kannten die Geflüchteten in ihren Herkunftsländern nicht.

Dieses Blumenbeet haucht dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft am Gildenweg in Buxtehude etwas Farbe ein. Eine ehrenamtliche Helferin hat es zusammen mit dort lebenden Kindern gepflanzt. Foto: Sulzyc
Früher im Beruf habe sie Kitas geleitet, in Norderstedt und auf Helgoland. Mit Vorschriften, auch für den Betrieb von Spielgeräten, kennt sie sich aus.
Warum sie dann, ohne die Eigentümerin zu fragen, einen Sandkasten auf dem städtischen Grundstück bauen ließ, erklärt die ehrenamtliche Helferin so: „Ich bin 69 Jahre alt und möchte keine Lebenszeit mehr verschwenden.“ Ihr Eindruck sei: In den vergangenen zwei Jahren sei auf dem Gelände nichts passiert. Deshalb habe sie gehandelt.
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Die Stadtverwaltung erfährt von dem Schwarzbau. Anschließend, bei einem Treffen, bei dem das TAGEBLATT dabei ist, prallen zwei Welten aufeinander: der hemdsärmelige Freigeist Elisabeth Wallmann und Buxtehudes Fachgruppenleiterin für Soziales und Wohnen, Juliana Weiß, die auch an Sicherheit und Haftung denken muss.
„Wir dürfen ja auch nicht auf ihrem Grundstück einen Pool bauen“, versucht Juliana Weiß zu verdeutlichen, dass die ehrenamtliche Helferin das Eigentumsrecht der Stadt verletzt hat.
„Ich wollte den Kindern zeigen, dass es hier auch schön sein kann“, entgegnet Elisabeth Wallmann. Blumenbeete hat sie zusammen mit Kindern gepflanzt. Stiefmütterchen und Erdbeerpflanzen habe sie aus einer Tasche bezahlt.
Das Bauen eines Sandkastens auf öffentlichem Grund ohne Genehmigung ist in Deutschland nicht erlaubt. Die Konsequenz könnte ein Rückbau sein. Das wäre der Fall, sollte der Sandkasten die Zuwegung bei einem Feuerwehreinsatz beeinträchtigen.
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Der neue Sandkasten ist genau dort entstanden, wo sich zuvor eine genehmigte, offenbar abgenutzte Sandgrube zum Spielen befunden hat. Etwas kleiner sei die alte Sandgrube gewesen. Dennoch hat die Fachgruppe für Gebäude- und Grundstücksbewirtschaftung geprüft, ob der neue Sandkasten einen Feuerwehreinsatz behindern könnte.
Das Ergebnis: Der Sandkasten müsse nicht zurückgebaut werden und könne stehen bleiben, teilte die Verwaltung dem TAGEBLATT mit.
Dafür steht der Sandkasten wirklich
In dem Konflikt geht es um mehr als einen Sandkasten: Die ehrenamtliche Helferin richtet den Fokus auf den Zustand aller Flüchtlingsunterkünfte in Buxtehude. Vergessen seien die Menschen, so ihr Eindruck.
Elisabeth Wallmann sagt, sie sei entsetzt über die Gestaltung der Außenanlagen, die sie als trist empfindet. In Norderstedt, wo sie sich zuvor in der Betreuung von Geflüchteten engagierte, habe sie Besseres gesehen. Als sie vor zwei Jahren nach Buxtehude kam, habe sie gedacht: „Das sieht aus wie in der Dritten Welt.“
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