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TSechs Männer als Erzieher: Wieso sie in dieser Stader Kita arbeiten

Am Arbeitsplatz: Pascal Wohlgemuth, Kevin Meybohm, Otto Trapp, Kai Riggers und Nante Kaltenbaum (von links) mit Hortkindern.

Am Arbeitsplatz: Pascal Wohlgemuth, Kevin Meybohm, Otto Trapp, Kai Riggers und Nante Kaltenbaum (von links) mit Hortkindern. Foto: Richter

Viele Jahre war Kai Riggers der einzige Mann unter lauter Erzieherinnen bei den Cosmae-Spatzen in Stade. Doch nach und nach hat er Verstärkung bekommen. Inzwischen sind die Männer in der Kita schon zu sechst - und liegen damit im bundesweiten Trend.

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Von Anping Richter
15.10.2023, 09:36 Uhr

„Ach, du bist Erzieher? Das hätte ich gar nicht gedacht.“ Diesen Spruch bekommt Kai Riggers öfter mal zu hören. Mit seinem blonden Bart und einer Körpergröße von 1,98 Meter passt er offenbar nicht ins Klischee.

Allein unter Frauen - die Zeiten sind inzwischen vorbei

Als der 41-Jährige in die Ausbildung ging, waren in seiner 20-köpfigen Berufsschulklasse nur zwei Männer. Doch inzwischen ist das anders. Kai Riggers, der lange alleine unter Frauen war, hat in den vergangenen Jahren immer mehr Kollegen bekommen. „Mehr Männer in Kitas“ - so hieß ein Programm des Bundesfamilienministeriums, das 2011 aufgelegt wurde. Ziel war, einen Männer-Anteil von 20 Prozent zu erreichen. Das haben die Cosmae-Spatzen längst übertroffen: Im 20-köpfigen Kita-Team sind sechs Männer, also 30 Prozent.

Der Aufwärtstrend ist bundesweit zu beobachten: Für Kinder in Deutschland hat sich die Wahrscheinlichkeit, von einem Mann betreut zu werden, in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Doch welche Bedeutung hat das Geschlecht der Erzieher für die Kinder? Diese Frage beantworten ein Junge und ein Mädchen aus der Kita.

Mann oder Frau? Hort-Kinder sagen: Der Charakter zählt

„Männer sind halt Männer und Frauen sind Frauen. Wie sie sind, hängt doch eher vom Charakter ab“, sagt der zehnjährige Leonhard, der den Hort der Cosmae-Spatzen besucht. Die sechsjährige Julietta pflichtet ihm bei: „Kommt drauf an, wie streng sie sind. Bei mir sind die Männer netter.“

Die Rollenbilder sind im Wandel. Bei den Kindern erleben sie keine Vorurteile, sagen die Männer von der Cosmae-Kita. Und von Eltern hören sie oft: „Schön, dass auch ein Mann da ist.“ Ihm sei der Berufswunsch damals allerdings nicht in die Wiege gelegt worden, sagt der 28-jährige Kevin Meybohm. Weil er nach der Schule ein Jahr zu überbrücken hatte, ging er in den Bundesfreiwilligendienst und landete in der Krippe. „Dass mir das lag, war eine Überraschung, auch für mich“, sagt er. Kai Riggers kam auf die pädagogische Schiene, weil er als Jugendleiter aktiv war, unter anderem bei der Stader Flotte: „Das war anerkannt, da waren viele Männer.“

Bei Erziehern ist die Bezahlung offenbar besser als ihr Ruf

Auch der 19-jährige Otto Trapp, der bei den Cosmae-Spatzen ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, ist durch seine Jugendleiter-Tätigkeit auf den Beruf gekommen. Der 24-jährige Erzieher Nante Kaltenbaum absolvierte ein Bethel-Jahr in Vechta bei einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche und merkte: „Passt, habe ich Bock drauf.“

Die Bezahlung wird häufig als Grund dafür genannt, dass soziale Berufe für Männer weniger attraktiv seien. „Hatte ich auch gedacht. Aber ich kann mich nicht beklagen“, sagt Kaltenbaum. Gezahlt wird in der evangelischen Kita nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes: Erzieher erhalten aktuell je nach Arbeitsjahren zwischen 3000 und 4000 Euro plus 130 Euro monatliche Zulage, bei Sonderaufgaben ist mehr drin. Während der drei- bis vierjährigen Ausbildung ist eine Bezahlung aber noch immer nicht selbstverständlich und auch nicht einheitlich geregelt.

Kita-Leiterin Kristina Weide begrüßt, dass Männer neue Themen in die Arbeit einbringen. Der 21-jährige Sozialassistent Pascal Wohlgemuth ist beispielsweise Meister der Pokémon-Karten - das gab es in der Kita vorher nicht, und es komme sehr gut an. Kevin Meybohm hat das Gefühl, dass es den Hortkindern guttut, Gesprächspartner zu haben, die sich mit solchen Spielen oder auch Fußball auskennen.

Einen Vorteil des Männeranteils gibt der zehnjährige Leonhard zu bedenken: „Wenn da keine Männer wären, hätte ich als Junge das Gefühl, nicht so gute Chancen zu haben, wenn ich mal Erzieher werden will. Aber bei uns sind ja genügend.“

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