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Energieversorgung

TSie ist wieder da: LNG-Schiff liegt jetzt wieder in Stade-Bützfleth

Das Spezialschiff und schwimmende LNG-Terminal "Energos Force" legt im Industriehafen Stade-Bützfleth an.

Das Spezialschiff und schwimmende LNG-Terminal "Energos Force" legt im Industriehafen Stade-Bützfleth an. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die Energos Force, das schwimmende LNG-Terminal, liegt im Industriehafen Stade-Bützfleth vor Anker. Und diesmal soll tatsächlich bald Gas fließen.

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Von Anping Richter
15.09.2026, 21:40 Uhr

Stade. 10 Festmacher in oranger Montur warten schon seit eineinhalb Stunden auf diesen Moment: Gegen 20 Uhr legt die Energos Force im Stader Hafen an. So ein Parkmanöver in der Elbe ist eben anspruchsvoll - besonders, wenn das Fahrzeug 294 Meter lang und 47 Meter breit ist.

Die Energos Force trifft am Anleger im Industriehafen Stade-Bützfleth ein.

Die Energos Force trifft am Anleger im Industriehafen Stade-Bützfleth ein. Foto: Richter

Vier Schlepper haben die sogenannte FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) von der Elbmündung bis zu ihrem Liegeplatz im Industriehafen Stade-Bützfleth gezogen. Niedersachsens Hafengesellschaft NPorts hatte ihn in kurzer Zeit für 300 Millionen Euro gebaut, um in der Folge des Ukraine-Kriegs und der Gasmangellage die Versorgung mit Gas zu sichern.

Als die Energos Force am 15. März 2024 zum ersten Mal in Stade ankam, fiel der Empfang enthusiastischer aus. Seither ist das Projekt des schwimmenden LNG-Terminals allerdings mehr als holprig verlaufen. Hier eine Chronik der Meilen- und der Stolpersteine.

15. März 2024: Empfang mit Polizei-Großaufgebot

„Heute ist ein großer Tag für die Region“, sagt Landrat Kai Seefried. Der Landkreis Stade werde eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas spielen. Stade profitiere auch als Industrie- und Chemiestandort. Zwei Hubschrauber kreisen, 500 Einsatzkräfte der Bereitschafts-, Bundes- und Wasserschutzpolizei sichern die Ankunft des schwimmenden LNG-Terminals am frühen Morgen.

26. Januar 2025: Skagen statt Stade

Die Energos Force ist noch immer nicht in Betrieb. Jetzt verlässt sie ihren Liegeplatz - und kommt vorerst nicht zurück. Erst heißt es, die Liegewanne müsse nur turnusmäßig ausgebaggert werden. Doch dann ist im Schiffstracker zu sehen, dass die Energos Force vor Skagen liegt.

19. März 2025: Streit um die LNG-Anlagen

Die DET und das Konsortium Hanseatic Energy Hub (HEH) liegen im Streit. Es geht um die sogenannte Suprastruktur im Hafen, also die Technik zwischen Schiff und Gasfernleitungsnetz. Wer ist zuständig, DET oder HEH? Sie werfen einander vor, ihre Aufgaben nicht richtig erfüllt zu haben.

November 2025: Die Energos Force in Jordanien

Die Energos Force ist von der DET unterverchartert worden - um die Charterkosten von bis zu 200.000 Euro pro Tag zu refinanzieren, die dem Steuerzahler zur Last fallen. Jetzt ist sie in Akaba in Jordanien im Einsatz. Immerhin haben DET und HEH sich inzwischen geeinigt: Die DET wird die Suprastruktur in Stade fertigstellen. Unter anderem hatte die niedersächsische Staatskanzlei vermittelt.

Juli 2026: Bau der Gaspipeline ins deutsche Netz

Die Firma Gasunie baut Rohrleitungen: Die 17,9 Kilometer lange Pipeline ETL 179/200 zum Anschluss des LNG-Terminals an das Gasnetz soll Ende 2026 fertig sein. Von Bützfleth kommend soll sie bei Deinste an das Bestandsnetz von Gasunie sowie an die neue ETL 182 anschließen. Die soll auch Gas vom LNG-Terminal Brunsbüttel bis zur Verdichterstation Achim West bei Bremen transportieren. Geplante Fertigstellung: Ende 2027.

Letzteres gibt der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Anlass zur Kritik: Die Anschluss-Pipelines seien noch nicht ausreichend ausgebaut, um die volle Kapazität nutzen zu können. Zudem drohe Deutschland seine Abhängigkeit von schmutzigem Fracking-Gas aus den USA zu vergrößern.

Auch der neu gewählte Grünen-Ratsherr und Klimaaktivist Martin Lüdders aus Drochtersen meldet sich zu Wort: „Viele wissen gar nichts über die schlimme Klimabilanz von LNG, die Überkapazitäten, die gesundheitlichen Probleme oder die dramatische Ausbeutung von armen Menschen in der LNG-Lieferkette.“ Gerade sie seien von der Fracking-Industrie betroffen und deutsche Konzerne und Banken daran mitbeteiligt. Ihm sei es wichtig, global zu denken, Solidarität zu zeigen, mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten und Klimagerechtigkeit einzufordern. Er verweist auf die von ihm mitgestaltete Webseite „Gemeinsam gegen Gas“.

15. September 2026: Rückkehr der Energos Force

Mit wenig Medienrummel unspektakulär und nur kleinem Polizeiaufgebot hat die Energos Force am Abend wieder in Stade angelegt. „Es ist ein schöner Moment“, sagt DET-Geschäftsführer Dr. Peter Röttgen, als er mit NPorts-Geschäftsführer Holger Banik und Referatsleiter Till Spannagel vom Bundeswirtschaftsministerium die Ankunft beobachtet.

Bundeswirtschaftministerin Katherina Reiche lässt mitteilen: „Mit dem Einlauf der Energos Force in Stade wird sichtbar, was Versorgungssicherheit in der Praxis bedeutet.“ Mit einer Einspeisekapazität von bis zu 3,2 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2027 werde Stade ein wichtiger Baustein sein. Laut DET reicht diese Menge aus, um 2,6 Millionen Vier-Personen-Haushalte ganzjährig mit Heizenergie zu versorgen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne sieht die Rückkehr der Energos Force laut Pressemitteilung als „starkes Signal in energiepolitisch enorm herausfordernden Zeiten“. Niedersachsen leiste mit Stade und den beiden LNG-Terminals in Wilhelmshaven einen zentralen Beitrag zur Diversifizierung der Gasversorgung.

Till Spannagel vom Bundeswirtschaftsministerium, Peter Röttgen von der DET und Holger Banik von NPorts am Stader Anleger - die Energos Force ist schon in Sichtweite.

Till Spannagel vom Bundeswirtschaftsministerium, Peter Röttgen von der DET und Holger Banik von NPorts am Stader Anleger - die Energos Force ist schon in Sichtweite. Foto: Richter

Anfang November soll der erste LNG-Tanker längsseits der Energos Force andocken. Laut DET-Geschäftsführer Röttgen werde Stade ab dann Flüssiggas einspeisen: „Der Weg bis hierhin war nicht immer leicht. Wir haben nach Übernahme der Verantwortung für die Fertigstellung in Kürze alle nötigen Partner an Bord geholt.“

Kurz vor der Ankunft: Vier Schlepper ziehen die Energos Force seit ihrer Einfahrt in die Elbmündung und bringen sie jetzt an ihren Liegeplatz.

Kurz vor der Ankunft: Vier Schlepper ziehen die Energos Force seit ihrer Einfahrt in die Elbmündung und bringen sie jetzt an ihren Liegeplatz. Foto: Richter

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