Zähl Pixel
Dorfleben

TFriseurin in Freiburg: Wenn sich kein Nachfolger für den Betrieb findet

Der Friseursalon von Haike Hain in Freiburg.

Leerstand in Dörfern? Viele kleine Betriebe im ländlichen Raum - hier der Friseursalon von Heike Hain in Freiburg - suchen Interessierte, die ihren Betrieb weiterführen. Foto: Meyer

Kleine Betriebe haben es schwer, im ländlichen Raum zu überleben. Besonders Geschäftsleute im Rentenalter wie Heike Hain finden keine Betriebsnachfolge. Das sind die Gründe.

author
Von Thies Meyer
Mittwoch, 04.02.2026, 11:40 Uhr

Freiburg. Sie ist Rentnerin, doch das hält sie nicht davon ab, aufzuhören: Friseurin Heike Hain (81) schneidet Freiburgern immer noch die Haare und hält als eine von mehreren lokalen Geschäftsleuten den 1.755-Einwohner-Flecken Freiburg am Laufen. Doch sie hat ein Problem: Sie findet keine Nachfolge für ihren Betrieb. Hain steht symbolisch für eine Entwicklung, die über Freiburg und den Kreis Stade hinausgeht.

Freiburger Friseurin findet keine Nachfolge: Ein deutschlandweites Problem

Heike Hain macht weiter, weil viele ihrer Stammkunden - vor allem Senioren - sich einen Friseur im Dorf wünschen. Sie würde abgeben, wenn sich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger meldet. Auf diesen Tag wartet sie immer noch. Über die Handwerkskammer fand sie ebenfalls keinen, der Interesse hat, ihren Friseursalon in Freiburg weiterzuführen.

Heike Hain betreibt den Salon seit 1967.

Heike Hain betreibt den Salon seit 1967. Foto: Meyer

Dr. Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, sagt zu diesem Beispiel: „Im Friseur-Handwerk gibt es traditionell immer viele Gründungen. Die Anfangsinvestitionen bei einer Betriebseröffnung sind nicht sehr hoch. Trotzdem haben wir auch im Friseurhandwerk die Tendenz, dass sich die Betriebe in die etwas größeren zentralen Orte verlagern, dort ist eine andere Kundenfrequenz zu erwarten.“ Für Optiker oder Buchhändler gilt das ebenso.

Ingo Toborg, Friseur aus Hemmoor, spricht für die Friseur-Innung Cuxhaven/Land Hadeln/Stade. Laut ihm ist dies kein Einzelphänomen. Das Suchen nach einer Nachfolge ohne Erfolg gebe es genauso in Cuxhaven und „deutschlandweit“. Der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser sind „eine Handvoll Friseurbetriebe“ bekannt, die von Meisterinnen und Meistern geführt werden, die „das Rentenalter deutlich überschritten haben“. Halves sagt: „Manche haben einfach noch Lust, wollen einen Betriebsübergang noch gestalten und möglicherweise gibt es eben auch keinen Nachfolger.“

Berufsleben verändert Einstellungen bei Arbeitnehmern

Der Geschäftsführer nennt Gründe, warum allgemeines Desinteresse an einer Übernahme eines kleinen Geschäfts in einem Dorf herrscht. Nachfolger müssten den Eindruck haben, dass es sich wirtschaftlich auszahlt, einen eigenen Friseursalon zu betreiben. Am Ende dieser Kosten-Nutzen-Abwägung steht die Entscheidung: Eine Betriebsübernahme rechnet sich nicht. Abschreckend sei auch, dass sich als Friseur in den letzten Jahren weniger verdienen lasse: „Die Menschen gehen seit der Pandemie eher etwas seltener in einen Friseursalon, die Kostensteigerungen durch die Inflation der letzten Jahre führte auch nicht zu einer verbesserten Situation.“

Eine Entwicklung gefährdet Einzelhandel und Handwerk in Dörfern besonders: Das Berufsleben hat sich gewandelt und damit das Konsumverhalten. „Wenn die jüngere Bevölkerung des Dorfes zur Arbeit auspendelt und dort Dienstleistungen aller Art kauft beziehungsweise nutzt, werden diese im Dorf auf Dauer nicht anzubieten sein“, sagt Halves.

Problematisch ist auch, dass Selbstständigkeit viel Verantwortung verlangt - für nachfolgende Generationen zu viel? Toborg sagt, viele Arbeitnehmer würden das Risiko scheuen, sich selbstständig zu machen. Grund sei auch die wachsende Bürokratie als zusätzlicher Mehraufwand.


Was bedeutet es, wenn Einzelhandel und Handwerk in ländlichen Räumen aussterben? Wenn Friseure keine Nachfolger finden, verschwinden sie von der Landkarte, es gibt auch weniger Auszubildende in diesem Handwerk. Die Zukunft des Berufs steht auf dem Spiel, skizziert Toborg diesen „Teufelskreis“.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel