Zähl Pixel
Studium

TStade verliert Hochschulstandort: PFH räumt den Hansecampus in Ottenbeck

Der Hansecampus Stade braucht einen neuen Nutzer. Die PFH verlässt die Räume Ende 2027.

Der Hansecampus Stade braucht einen neuen Nutzer. Die PFH verlässt die Räume Ende 2027. Foto: Martin Elsen

Der Niedergang begann während der Corona-Pandemie, als die Zusammenarbeit mit Airbus endete. Die Schließung betrifft fünf Professoren und vier Beschäftigte.

author
Von Karsten Wisser
Freitag, 13.03.2026, 16:30 Uhr

Landkreis. Nach 20 Jahren will die Private Hochschule Göttingen (PFH) den Hansecampus Stade räumen. „Das ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung“, erklärt Hochschulpräsident Prof. Dr. Frank Albe. „Wir verlieren damit ein Stück unserer DNA“, bedauert er den Schritt.

Die letzten Studenten gehen im Herbst 2027

Die PFH nimmt in Stade zum neuen Semester keine Studierenden mehr auf. Die laufenden, zweijährigen Masterstudiengänge werden bis September 2027 abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt endet auch der Mietvertrag für das Gebäude in der Airbus-Straße in Ottenbeck. Der Niedergang von Stades Hochschulstandort begann während der Corona-Pandemie.

Derzeit nutzen den Hörsaal im Hansecampus noch 80 Studierende. Sie können ihre Ausbildung beenden.

Derzeit nutzen den Hörsaal im Hansecampus noch 80 Studierende. Sie können ihre Ausbildung beenden. Foto: Martin Elsen

Laut Albe wollte der Flugzeugbauer Airbus die Zahl seiner Studierenden am Campus reduzieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es 60 Airbus-Studierende in vier Jahrgängen am Hansecampus. Dadurch wurde der Studiengang finanziell unrentabel, die Zusammenarbeit endete. Die letzten Studierenden des auf Airbus zugeschnittenen vierjährigen Bachelor-Studiengangs verließen den Campus im Herbst 2024. Die Gründung des Campus war eng mit dem Faserverbundwerkstoff CFK verbunden, um den Bedarf der Luftfahrtindustrie zu decken. Rund 500 Ingenieure haben ihr Studium dort seitdem beendet.

24.000 Euro für zwei Jahre Studium in Stade

Die PFH gibt nun den Versuch auf, international ausgerichtete ingenieurwissenschaftliche Studiengänge weiterzuführen. „Wir haben derzeit 80 internationale Studierende in Stade. Wir bräuchten 140, damit sich der Studiengang trägt“, sagt Albe. Die Studierenden kommen aus der ganzen Welt. Angesichts der fragilen Weltlage sei das Risiko zu groß, so Albe. Das Studium kostet für zwei Jahre 24.000 Euro. Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Wir haben derzeit 80 internationale Studierende in Stade. Wir bräuchten 140, damit sich der Studiengang trägt.

Frank Albe, Hochschulpräsident

Das Land Niedersachsen und die Stadt Stade finanzierten den Bau des Hansecampus. Das Gebäude gehört einer Tochtergesellschaft der Stadt Stade. Von der Schließung sind fünf Professoren mit 3,5 Vollzeitstellen und vier Beschäftigte am Hansecampus betroffen. Laut PFH gehen zwei Professoren ohnehin in den Ruhestand. Die anderen Betroffenen sollen Angebote erhalten, bei der PFH weiterarbeiten zu können, auch aus Stade.

Erster Stadtrat setzt auf Erhalt des Standorts

Vier weitere PFH-Beschäftigte sind in einem Forschungsprojekt tätig und von der aktuellen Entwicklung nicht betroffen, sagt Albe. Die PFH ist die älteste private, staatlich anerkannte Hochschule Niedersachsens mit über 4500 Studierenden in mehr als 50 Campus- und Fernstudiengängen in den Bereichen Management, Psychologie, Wirtschaftspsychologie, Soziales, Technologie, Recht und Wirtschaftsinformatik. Allein 300 der Fernstudierenden kommen aus der Elbe-Weser-Region. Deshalb könnte eine Form der Präsenz der PFH in Stade erhalten bleiben, so Albe.

Der Hansecampus in der Airbus-Straße in Ottenbeck wurde 2006 gebaut.

Der Hansecampus in der Airbus-Straße in Ottenbeck wurde 2006 gebaut. Foto: Martin Elsen

Stades Erster Stadtrat Lars Kolk bestätigt den bevorstehenden Auszug der PFH. „Dass das für uns keine gute Nachricht ist, ist klar“, sagt Kolk dem TAGEBLATT. Ganz überraschend komme diese Entwicklung aber nicht. Kolk hofft, dass Stade trotzdem Hochschulstandort bleibt. Möglicher Nachnutzer könnte die Hochschule 21 sein, so Kolk.

Gespräche mit der Hochschule 21 aus Buxtehude

Frank Albe und Hochschule-21-Geschäftsführer Marcus Hübner bestätigen gegenüber dem TAGEBLATT Gespräche. Beide sind sich einig, dass es für die Hochschule 21 keinen Sinn ergibt, die Studiengänge der PFH zu übernehmen. „Das passt nicht in unser Angebot“, sagt Hübner.

Die private Buxtehuder Hochschule wächst weiterhin moderat. Aktuell sind dort rund 1100 Studierende eingeschrieben. Bei der Nutzung der Räume sei man aber noch im Gespräch. „Dass die Hochschule 21 gefragt wird, ob wir die Räume übernehmen wollen, macht Sinn und liegt in unserer DNA als regionale Hochschule begründet“, sagt Hübner.

Was kann die Hochschule 21 in Stade anbieten?

2003 beabsichtigte die damalige Landesregierung, die staatliche Fachhochschule Nordostniedersachsen in Buxtehude zu schließen. Ein Kraftakt der ganzen Region rettete die Hochschule. Seitdem sind neben anderen nicht nur die Stadt Buxtehude und der Landkreis Stade Gesellschafter der Hochschule 21, sondern auch die Stadt Stade.

„Wir brauchen für die Übernahme von neuen Räumen aber ein inhaltliches Konzept. Sonst macht das keinen Sinn“, sagt Hübner. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Bau eines neuen Gebäudes auf dem Hochschulgelände an der Harburger Straße in Buxtehude.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel