TTaubendreck, Siff und Urin: Ein Besuch am Stader Bahnhof
Der Stader Bahnhof. Auf den ersten Blick durchaus ansehnlich - aber wirklich nur auf den ersten Blick. Foto: Stehr
Am Stader Bahnhof wird schon seit Jahren kein gutes Haar gelassen. Das Image ist grottenschlecht. Zu Recht? Das TAGEBLATT hat genau hingeguckt.
Stade. „Kalte Bahnhofshalle“, „herumlungernde Gruppen“, „zugemüllt“, „Toiletten unter aller Sau“, „Stade sollte sich dafür schämen“ - solche Kommentare über den Stader Bahnhof finden sich haufenweise im Internet. Auch das TAGEBLATT hat die Pendlerdrehscheibe immer wieder kritisch unter die Lupe genommen - und sich jetzt erneut vor Ort ein Bild gemacht.
Betonkoloss erzeugt ein bedrückendes Gefühl
Es geht zunächst gut los. Wer ins technisch modernisierte Parkhaus mit 544 Plätzen fährt, muss kein Ticket ziehen. Das Kennzeichen wird gescannt. Der Weg zum Bahnhofsgebäude führt vorbei an den öffentlichen Toiletten - dazu später mehr - und an den Fahrradboxen, unter der Hansebrücke hindurch. Der Betonkoloss erzeugt ein bedrückendes Gefühl.

Wer vom Parkhaus zum Bahnhof läuft, muss unter der Hansebrücke durch und blickt auf ein verlassen wirkendes Spielhallengebäude. Foto: Stehr
Der Blick fällt nach rechts auf ein gelb gestrichenes Haus mit heruntergelassenen, braunen Rollos. Das Spielhallengebäude sieht verwahrlost aus. Insgesamt kein schöner Eindruck von Stade.

Wirkt verwahrlost: diese Tür am Bahnhofsgebäude, gleich um die Ecke vom Haupteingang. Foto: Stehr
Dabei ist das rot geklinkerte Bahnhofsgebäude eigentlich ganz ansehnlich. Wer allerdings genau hinguckt, entdeckt eine verdreckte weiße Tür, bevor sich gleich um die Ecke die elektrischen Türen zur Bahnhofshalle öffnen. Sieben Sitzgelegenheiten gibt es hier direkt neben den Türen. Hier ist es - Achtung, Wortwitz - zugig.

Die Stader Bahnhofshalle ist im Grunde ganz schön. Hier gibt es ein Reisezentrum, einen Kiosk und eine Bäckerei. Foto: Stehr
Ansonsten hat die Halle mit Bäckerei, Kiosk und Reisezentrum Potenzial. Schwungvoll gemauerte Bögen, verziert mit grün lackierten Steinen, die Decke mit dunklem Holz vertäfelt. Beim genauen Hinschauen fallen doch einige Schönheitsfehler auf.

Die Decke der Bahnhofshalle ist mit dunklem Holz vertäfelt. Auf dem gespannten Netz gegen Tauben glitzert Staub in der Sonne. Foto: Stehr
Unter der Decke ist ein Netz gespannt, vermutlich um Tauben fernzuhalten. Darauf glänzt eine dicke Staubschicht im Sonnenlicht, das durch versiffte Fenster in die Halle fällt. Massenhaft Staub hat sich auch auf einigen der vielen sogenannten Taubenabwehr-Spikes abgesetzt.
T So funktioniert das digitale Parken in der Palette am Stader Bahnhof
Die dünnen Metallstäbe verzieren unter anderem den Fahrkarten- und Geldautomaten in der Halle. Um den Passfotoautomaten steht eine Gruppe Jugendlicher, einige rauchen. Sie sind nicht die Einzigen, die sich nicht an die Hausordnung halten.

Diese Ecke auf dem Bahnsteig scheint als Urinal benutzt worden zu sein. Foto: Stehr
Menschen sausen mit E-Rollern durch die Halle und auf den Bahnsteigen entlang, ein Mann radelt wie selbstverständlich vom Fahrstuhl zur S-Bahn. Eine Ecke mitten auf dem Bahnsteig wird offenbar regelmäßig als Urinal benutzt. Pfui.

Kein schöner Anblick. Die Überdachung am Busbahnhof. Foto: Stehr
Unansehnlich sind auch die verdreckte Überdachung am Busbahnhof und so gut wie alle Ecken auf dem Bahnhof. Am Treppenaufgang liegt Müll, vor dem Fahrstuhl in der Unterführung sind Pommes auf dem Boden verteilt. Immerhin zwei Dinge fallen hier positiv auf.

Vor dem Fahrstuhl in der Unterführung liegen Pommes auf dem Boden. Foto: Stehr
Die funktionierenden Fahrstühle und die bunten Bilder, gemalt von Stader Waldorfschülern. Ansonsten blättert von der Decke teilweise die weiße Farbe ab. Rost kommt zum Vorschein.

Hier geht's nach unten. Links im Bild zu sehen: Taubendreck. Foto: Stehr
Immer wieder fällt Taubendreck auf. Die Vögel fühlen sich unter der Hansebrücke scheinbar pudelwohl. Und brüten unter dem Dach des Bahnsteigs - denn hier fehlen einige Spikes.

Waldorfschüler verschönern regelmäßig die Bahnhofsunterführung. Foto: Stehr
Ihnen möge vorübergehend der Geruchssinn fehlen, wünschen sich alle, die das öffentliche Damenklo betreten. Hier stinkt es penetrant nach Urin. Spiegel und Wände sind mit Schriftzügen und Sprüchen verunstaltet. Positiv fällt auf: Toilettenpapier ist vorhanden, das WC wirkt sauber.

Auf der Damentoilette sticht starker Uringeruch in die Nase. Immerhin ist Klopapier vorhanden und das WC auf den ersten Blick sauber. Foto: Stehr
Das Beste am Bahnhofsbesuch: Das Parken ist unschlagbar günstig. Anderthalb Stunden kosten einen Euro. Für drei Euro kann man das Auto den ganzen Tag im Parkhaus abstellen.

Sieht versifft aus: der Treppenaufgang am Stader Bahnhof. Foto: Stehr
Tipp der TAGEBLATT-Redaktion: Am besten von hier aus direkt in die Stadt gehen. Der Bahnhof lädt jedenfalls - abgesehen vom Bäckerei-Café - nicht zum Verweilen ein.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung
Sollte der Stader Bahnhof vielleicht ein sogenannter Bürgerbahnhof werden, so wie der in Cuxhaven? 2013 gründeten Bürger dort eine Genossenschaft, ließen das Gebäude sanieren und betreiben es seitdem selbst. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Stader Bahnhof an redaktion-std@tageblatt.de, Stichwort: Bahnhof.

Der Aufgang zur Hansebrücke ist schon länger gesperrt.

Die Unterführung ist dank der Waldorfschüler schön bunt. An der Decke blättert allerdings Farbe ab. Foto: Stehr

Verdreckte Entwässerungsrinnen in der Unterführung.
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