TTeamarbeit für gesundes Essen: Sie ernten für die Geestlandschüler
Auf dem Silbertablett serviert: Amatus (links) und Kevin präsentieren die Ernte-Ausbeute vom Gemüseacker der Geestlandschule. Für beide ist es der Beginn eines besonderen Tages. Foto: Meyer
In der Geestlandschule Fredenbeck landet das eigene Bio-Gemüse auf dem Teller. Ein Vormittag mit Amatus und Kevin, für die Ernte und Kochen Premiere und Abschied zugleich sind.
Fredenbeck. Die Ernte. Amatus (15) packt zu und zieht an den grünen Stielen einer violetten Kohlrabi-Knolle. In den Händen hat er nur die langen Stiele mit Blättern, der Kohlrabi will noch nicht aus der Erde. Die Wurzeln halten das Gemüse fest. Amatus strengt sich ein zweites Mal an, greift an die abgebrochenen Stiele und zieht den Kohlrabi mit Kraft raus. Der kommt auf ein Tablett.
Jetzt geht es dem Kohlrabi an den Kragen: Amatus bei der Ernte auf dem Gemüseacker. Foto: Meyer
So beginnt der Weg des Gemüses vom Acker auf den Teller. Amatus und sein Klassenkamerad Kevin (16) arbeiten für die Schülerfirma „Geestlandia“ der Geestlandschule Fredenbeck und sollen an diesem Dienstag um kurz vor 10 Uhr Zutaten vom schuleigenen Gemüseacker ernten, die sie danach selbst weiterverarbeiten.
Auch Senioren helfen bei der Teamarbeit
Mit auf dem Gemüseacker ist auch Dörte Wellm. Die Lehrerin betreut die Schülerfirma und koordiniert, was vom Acker mit in die Küche muss. Erntereife Rote und Gelbe Bete luschert aus dem Erdreich. Auch die nehmen Amatus und Kevin mit.

Auf dem Gemüseacker der Geestlandschule Fredenbeck gedeihen auch Kräuter und Früchte wie Beeren. Foto: Meyer
Kleinkinder, vermutlich Erstklässler, gehen Hand in Hand am Gemüseacker vorbei und schauen durch den grünen Gitterzaun. „Das Rote ist Krautsalat“, sagt ein Junge im Vorbeigehen. Nicht ganz. Salat ist es, aber Lollo Rosso. Der bleibt genauso wie Kartoffeln, Bohnen, Sellerie und Porree in der Erde.
Wellm erzählt, dass sich die Schule von Bioland zertifizieren lassen will. „Wir wollen die 30er-Stufe schaffen, also Bronze.“ Dafür müsse der Bio-Anteil in der Mensa bei einem Drittel liegen. Die Chancen stehen gut, schätzt Wellm, weil Gemüse, Milchprodukte und Rindfleisch in der Mensa bio sind.

Selbst angebaut, geerntet und später selbst zubereitet: Gemüse vom kleinen Feld hinter einem Schulgebäude. Foto: Meyer
In der Mensa essen auch regelmäßig Senioren zu erschwinglichen Preisen zu Mittag. Während die Schüler ihre Sommerferien genießen, gießen mehrere Seniorenpaare in den sechs Wochen die Beete, sagt Wellm. Weiter geht die Teamarbeit in der Küche.
Dieser Küchenhelfer arbeitet noch effizienter als Amatus und Kevin
Das Vor- und Zubereiten. Während sie den Kohlrabi schon mal für Mittwoch mitgeerntet haben und der noch einen Tag ruht, waschen Amatus und Kevin den Schmutz von der Roten und Gelben Bete und schälen sie für einen Salat für die Salatbar. Danach folgt ein weniger aufwendiger Arbeitsschritt für das Schüler-Duo.

Amatus und Kevin schälen die Rote und Gelbe Bete nach dem Ernten und Abwaschen. Foto: Meyer
Die Geestlandschule hat von ihren 140.000 Euro Preisgeld vom Projekt Lernort Mensa einen elektrischen Gemüseschneider gekauft. Alles mit der Hand zu schälen, gehe auf die Gelenke, sagt Jessica Tietjens, pädagogische Mitarbeiterin. Und: „Wir müssen hier auch Masse schaffen.“ Die Maschine schafft es besser und schneller.

Kevin, Amatus und Köchin Jessica Tietjens bereiten in der Mensaküche der Geestlandschule die Rote Bete vor. Dabei hilft die neue Gemüsemaschine, die die Rote Bete schnell, effektiv und gleichmäßig zubereitet. Foto: Meyer
Die beiden Zehntklässler schieben die Knolle in ein Rohr und drücken mit einem Stab von oben vorsichtig nach. Den Rest macht die Maschine. Sie schnitzelt die Bete in feine und gleichmäßige Streifen. Danach wird zubereitet: Zur Bete gesellen sich Äpfel. Amatus knetet alles. Mit einem Schuss Öl nach Gefühl, etwas Meerrettich, Salz, Pfeffer und Zucker wird gewürzt.
Amatus fegt die Gemüsereste vom Schälen auf dem Boden zusammen. „Amatus hat mal wieder alles gegeben“, sagt Kevin zu dessen Schälkünsten. Sprüche mit Würze gehören dazu. Die Freunde arbeiten für die Schülerfirma, weil sie etwas über bewusste Ernährung lernen und ihr Wissen auch zu Hause in der Küche anwenden wollen.
Verschnaufpause für Amatus und Kevin
Das Warten auf das Essen. Im Ofen kuscheln die etwa handlangen Baguettes dicht an dicht. Es ist das heutige Hauptgericht. Wer Mittag in der Mensa isst, kann zwischen der Fleisch- und vegetarischen Variante wählen: Ofenbaguette Käse-Salami oder Tomate-Mozzarella.

Dieses Plakat manifestiert die Ziele der Schule, was eine gesunde Ernährung alles ausmacht. Foto: Meyer
Während Wellm und Tietjen noch Möhren raspeln, haben Amatus und Kevin sowie weitere helfende Schülerhände kurz Pause und entspannen in der Mensa.

Die Mensa der Geestlandschule. Auf dem Weg zur Essensausgabe (links) soll Schülern mit diesen Bildern das Essen schon mal schmackhaft gemacht werden. Foto: Meyer
An einer Wand hängt ein Plakat, kunterbunt beschriftet und bemalt. „Gesund essen“ steht oben links und oben rechts steht „Good Food, Good Mood“. In der Mitte ist eine Weltkugel gemalt mit der Überschrift „Essen rund um die Welt“. Was hat es damit auf sich?
Ein Kochbuch für alle und ein Abschied für das Küchenhelfer-Duo
Das Plakat verweist auf das Projekt „Food 'n School“. Die Geestlandschule kooperiert mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen und will Ernährungsziele umsetzen: Schüler kochen für Schüler, klären über bewusste Ernährung auf und schonen mit gesundem und nachhaltigem Essen die Umwelt.
Wellm holt ein A5-Heftchen, das Kochbuch von „Food 'n School“ für alle Geestlandschüler. 44 Rezepte aus elf Ländern stehen darin: aus Deutschland, Irak, der Ukraine, Kolumbien, den Niederlanden, Italien, Litauen, Polen, Spanien, den Philippinen und den USA. All diese Nationen sind an der Geestlandschule vertreten.

Der kleine Innenhof der Mensa mit Sitzplätzen unter freiem Himmel. Neben Hochbeeten mit verschiedenen Kräutern blühen in einem Bodenbeet essbare Rosen. Daraus will die Schülerfirma irgendwann Rosenzucker für ihre Gerichte herstellen, erzählt Dörte Wellm. Foto: Meyer
So lang wie sonst dürfte die Schlange bei der Essensausgabe ab 12 Uhr nicht sein, denn „viele sind auf Abschlussfahrten“, sagt Amatus. Die erste Ernte des Gemüses, das Vor- und Zubereiten: Für ihn und Kevin war es der letzte Einsatz in der Schülerfirma. Die Zehntklässler feiern demnächst ihren Abschluss im TaTöff in Bevern. Den fertigen Bete-Salat packen sie kurz vor 12 Uhr in die Salatbar. Danach verteilen sie ein letztes Mal Baguettes an die Schüler.
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