TTiefer Winter im Kreis Stade: Wie Mensch und Tier Schnee und Eis trotzen
Burkhard Behr schippt am Obstmarschenweg in Osterjork Schnee. Foto: Richter
Nach Sturm und Schnee am Freitag kehrte langsam wieder Ruhe ein. Aber: Es wurde richtig kalt. Im Landkreis Stade begegnen die Menschen dem aktiv - nicht nur mit Schippen und Streuen.

Auf seinem Hof in Jork hat Burkhard Behr den Schnee zu einer Hügellandschaft zusammengeschoben. Foto: Richter
Dabei ist Behr eigentlich gut ausgestattet - zum Beispiel mit einer eigenen, kleinen Kehrmaschine, wahlweise mit Schild- oder Bürstenaufsatz. „Die nützt jetzt aber nichts mehr“, erklärt Behr. Es war einfach zu viel Schnee, die Maschine konnte das nicht mehr bewältigen.
Deshalb hat er am frühen Morgen zum guten, alten Schneeschieber gegriffen. Angetauter und wieder gefrorener Schnee auf dem Pflaster des Geh- und Radwegs machen ihm zu schaffen. „Aber den kratze ich lieber jetzt weg als später, sonst wird das zum Eispanzer.“
Kniehohe Schneewehen an den Deichen
Der Schnee hat auch gute Seiten, findet Burkhard Behr: „Es gibt doch nichts Schöneres, als sich in eine Schneewehe fallen zu lassen.“ Er ist Jahrgang 1958 und erinnert sich gut daran: „Als Kinder köpperten wir in die hohen Schneewehen hinein. Da landest du so weich wie in Watte.“
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Die Schneewehen sind im Alten Land vor allem an den Deichen kniehoch. Auf den Straßen läuft der Verkehr aber flüssig. Trotzdem staunt Burkhard Behr, als er hört, dass in Stade Wochenmarkt sein soll: „Wie machen die das denn mit der Kälte?“
Er selbst ist Informatiker, kennt sich als Obstbauernkind aber aus: „Für Obst und Gemüse ist die Kälte nicht gut, da musst du heizen, sonst hat der Kunde nicht lange was von der Ware.“ Und Heizstrahler seien kostspielig: „Das lohnt sich doch nicht.“
Stader Wochenmarkt: Nur drei Stände
Vielleicht haben sich das die meisten Stader Marktbeschicker auch gedacht. Obwohl der Markt stattfindet, sind nur drei gekommen. Frisches Obst und Gemüse? Fehlanzeige. Aber Fleischerei Hesse und Heinssen mit Eiern und Geflügel aus Cadenberge sind da, außerdem „Mediterran“ aus Stade mit Antipasti und Co.

Der Wochenmarkt am Pferdemarkt in Stade fand statt - aber nur drei Beschicker sind gekommen. Foto: Richter
Für die drei hat sich das Kommen gelohnt. Bei Heinssen und Hesse bilden sich lange Warteschlangen. „Wir haben am Freitag überlegt, ob wir wirklich fahren sollen“, berichtet Petra Bull, während ihre Kollegin die Kunden eine Weile alleine weiter bedient. Die Entscheidung, zum Markt zu fahren, mussten sie nicht bereuen: Morgens um 6.30 Uhr ging es los, die Straße war recht gut geräumt - „besser als Samstag vor einer Woche“.
Auch der Platz am Pferdemarkt ist geräumt. „Es ist aber trotzdem sehr, sehr glitschig“, sagt Petra Bull. Wegen der schmierigen Mischung aus Streusalz und Schnee auf dem Kopfsteinpflaster gehen viele Passanten langsam und vorsichtig.

Trotz Schneematsch am Pferdemarkt: Janina Funke und Petras Bull (rechts) von Fleischerei Hess in Cadenberge haben viel Kundschaft. Foto: Richter
Stände sind gut besucht
Ute Burfeind aus Dollern steht gegenüber bei Heinssen in der Warteschlange. Sie ist Stammkundin, hat auf der Homepage des Stader Wochenmarkt nachgesehen, ob er stattfindet und sich dann gefreut: „Wenn ich Geflügelfleisch kaufe, dann nur hier.“
Rebecca Hellwege ist alleine im Verkaufswagen und hat so viel zu tun, dass sie sich kurz halten muss: „Die Fahrt hierher war okay, im Kreis Stade war gut geräumt. In Cuxhaven sieht das leider anders aus.“

Rebecca Hellwege hat am Stand von Eier-Heinssen aus Cadenberge viel zu tun. Foto: Richter
Versorgungs-Schwierigkeiten beim Café Baham
Dass der Wochenmarkt in Buxtehude abgesagt wurde, hat Bahareh Markert und Hamta Kuhrazani vom Café Baham am Petri-Platz in Schwierigkeiten gebracht. „Sonst versorgen wir uns sonnabends immer direkt vor der Tür auf dem Markt mit frischer Ware“, berichtet Bahareh Markert.
Der Süzer-Lebensmittelmarkt aus Buxtehude willigte kurzfristig ein, sie zu beliefern, kam dann aber wegen Schnee und Glätte kaum vom Hof, weshalb er sich verspätete. Nicht nur das war nervenaufreibend, berichtet Markert, die am Samstagmorgen im Dienst war: „Ich habe früh um sieben schon angefangen, unseren Parkplatz hinten und den Gehweg zu räumen.“ Der Schneeschieber ging dabei kaputt, ein neuer ist zurzeit nirgends zu kriegen.

Baharé Markerts Schneeschieber ist beim Großeinsatz am Freitagmorgen kaputtgegangen. Foto: Richter
Dann kam auch noch die Nachricht, dass eine Mitarbeiterin auf dem Weg zur Arbeit einen Autounfall hatte. Ihr ist nichts passiert, aber zur Arbeit konnte sie nicht kommen, weshalb Mitbetreiberin Hamta Kuhrazani einsprang, obwohl sie eigentlich ihren freien Tag hat.
„Wir haben eine Gesellschaft, das wollten wir nicht absagen“, berichtet sie. Auch die anderen Tische im Lokal sind komplett besetzt, immer wieder müssen sie Leute, die hereinkommen, mit Bedauern wegschicken.
Für Sonntag hat eine Gesellschaft abgesagt. Die Gastgeberin hätte ihren 70. Geburtstag gefeiert, hatte wegen der Wetterlage aber Bedenken.
Trick gegen Eisklumpen im Pfotenfell
Hamta Kuhrazani hat nur eine Wettersorge: Ihr sieben Monate altes Havaneser-Hündchen Tony hat üppiges, langes Fell, in dem sich beim Gassi-Gehen immer Eisklumpen bilden. Sie hatte es mit Hundeschuhen und Socken versucht - vergeblich. Jetzt hat sie ein Mittel gefunden: Kokosfett auf die Pfoten auftragen. Jetzt bleibt kein Schnee mehr im Fell hängen und Tony hat wieder Spaß am Gassi-Gehen.

Tony hat wieder Spaß am Gassigehen: Dank Kokosfett bleibt sein wolliges Fell an den Pfoten frei von Eisklumpen. Foto: Kuhrazani
TikTok-Trend: Eis selbst machen
Spaß hat auch Kuhrazanis Tochter mit dem Schnee: Sie hat im Schnee Eiscreme hergestellt. Das Rezept, eigentlich eine alte Technik, trendet gerade auf TikTok: Einfach Sahne mit etwas Vanillezucker und Ahornsirup in eine Metallschüssel geben, diese in den Schnee stellen und mit einem Schneebesen rühren, bis das Ganze zu cremigem Eis wird.
Der Trick dabei ist, vorher großzügig einige Esslöffel Salz in den Schnee unter der Schüssel zu mischen. Dadurch sinkt die Temperatur um einige Grad unter Null, das Eis wird schnell fertig.

Bedram Süleyman hatte das Ma Vie in Buxtehude während des Sturmtiefs Elli geöffnet - und die Leute kamen. Foto: Richter
Viel los am Petri-Platz
Auch die anderen beiden Cafés am Petri-Platz sind gut gefüllt. Im Pfeffertörtchen ist das durch die beschlagenen Scheiben gut zu erkennen. Bedram Süleyman vom Ma Vie berichtet, dass er Lieferprobleme hatte: „Mein Lieferant aus Bremervörde hat wegen des Wetters abgesagt.“
Auch der Wochenmarkt, wo er mittwochs und samstags sonst ebenfalls einkauft, fiel weg: „Ich musste heute morgen zu Rewe.“ Fürs Schneeräumen hat er sich einen Schneeschieber vom Nachbarn geliehen: „Die sind von Buxtehude bis Bremervörde zurzeit nirgendwo mehr zu kriegen, habe ich gehört.“
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Das Ma Vie hatte übrigens auch am Freitag ab 16 Uhr geöffnet, während das Sturmtief Elli noch durchzog. „Die Reservierungen hatten alle abgesagt, aber es war trotzdem viel los. Die kamen alle spontan und haben sich gefreut, dass wir offen waren“, sagt Süleyman. Gerade bei kaltem Wetter gebe es für viele ja nichts Schöneres, als mit Freunden im warmen Café zu sitzen.