TTon an oder aus? Wenn der Kommentar beim BSV-Spiel zum Störfaktor wird
Späße über „zu viele Es“ im Namen einer BSV-Spielerin, Gelächter über den „Luft-Popo“ des Schiris. Beim Spiel in Zwickau drifteten die Kommentatoren oft ab. Ein Risiko.
Buxtehude. Wenn der BSV auswärts spielt, verfolgen wir als Redakteure die Partien meistens im Livestream, um darüber zu berichten. So auch am Samstag beim Duell gegen Zwickau. Doch diesmal stellte sich früh die Frage: Ton anlassen oder lieber stumm schalten?
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Erstaunlich oft drifteten beide Kommentatoren ins Belanglose ab. Es ging um den Kindheitswunsch der Kommentatorin, bei der Quizshow „1, 2 oder 3“ mitzumachen, um einen verlorenen Kugelschreiber („Du sitzt drauf“) oder die Frage, ob Zwickau nun eine Ecke oder einen Einwurf bekomme. Die Lösung: „Einwurf von der Ecke.“ Gelächter.
Der Schiedsrichter hat einen „Luft-Popo“
Irritierend wurde es in der zweiten Hälfte, als über BSV-Handballerin Isabelle Dölle gesprochen wurde: Ihr Name enthalte „zu viele Es“, hieß es. Man entschuldige sich vorsorglich, falls man das E verschlucke. Mit Blick auf DHB-Kapitänin Antje Döll wurde gewitzelt, man habe das E angehängt, um Verwechslungen zu vermeiden. Und als in der Schlussphase der Ball vom Pfosten ans Gesäß des Schiedsrichters sprang, wurde kichernd kommentiert: „Pech und Schiedsrichter-Popo. Aber der Schiedsrichter ist Luft. Er hat einen Luft-Popo.“ Sieht so die Professionalisierung im Frauenhandball aus?
Der Stream war sogar kostenlos zugänglich. Ein niedrigschwelliges Angebot für alle, die mal reinschauen wollten. Umso wichtiger wäre es gewesen, diese Bühne bestmöglich zu nutzen. Denn die Frauen-Bundesliga will wachsen. Sie braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Menschen, die dranbleiben.
Kommentatoren erhalten Workshops
Die Liga hat in den letzten Jahren bereits einiges verändert: klare Hallenstandards, elektronische Banden, auch die Übertragungen sind Thema auf Sitzungen der Liga. Für Kommentatoren gibt es Workshops, zuletzt auch mit TV-Routinier Markus Götz. Dieser Austausch sei wertvoll, heißt es aus dem Kreis der Kommentatoren. Denn die wenigsten sind hauptberuflich am Mikrofon. Viele machen es aus Leidenschaft für den Sport. So wie in Buxtehude.
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Dort kommentiert mit Peter Gößling ein Vertriebsmitarbeiter die Partien, und das bereits in seiner zwölften Saison. Ein bekennender Sportfreak, der sich viel Wissen angeeignet hat, nah am Spielgeschehen bleibt, die Vereinsbrille möglichst ablegt und Namen in der Regel sicher ausspricht.
Der ideale Zeitpunkt für den Frauenhandball
Trotz spürbarer Fortschritte bleibt die Qualität der Kommentatoren dennoch uneinheitlich. Und gerade jetzt ist das riskant. Denn die Frauen-WM hat gezeigt, welches Potenzial im Sport steckt. Mehr als sechs Millionen Zuschauer verfolgten im Fernsehen, wie Deutschland Vize-Weltmeister wurde.
Ein idealer Zeitpunkt also, um Neugierige vom Bundesliga-Handball zu überzeugen - und sie nicht zum Wegzappen zu bewegen.
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