TVerschwundene Orte: Dieser Buxtehuder ist im Hotel aufgewachsen
Peper's Hotel in der Buxtehuder Bahnhofstraße: Jens Eckmann zeigt die historische Ansicht des einst von seiner Familie gegründeten Gastgewerbes. Foto: Weselmann
Hans Jens Eckmann ist durch sein Engagement für den Estering stadtbekannt. Mit dem Buxtehuder ist eine spannende Geschichte verbunden - über den Ruin eines Familienbetriebs.
Buxtehude. Hans Jens Eckmann ist ein Buxtehuder Urgestein. Er wuchs an einem Ort auf, den es in der Stadt schon lange nicht mehr gibt. Seiner Familie gehörte einst Peper‘s Hotel.
Von Peper‘s Hotel ist ein besonderes Utensil erhalten
Das wird 1866 von Jens Eckmanns Urgroßvater Franz Peper, einem Kapitän und Englandfahrer, in der Bahnhofstraße 1 eröffnet - an der Stelle, wo aktuell noch Foto Schattke sein Geschäft hat. Franz Wilhelm Peper führt das Haus dann weiter, zusammen mit seiner Frau Maria „Mimi“ Matthies, Tochter des Buxtehuder Kaufmanns Johann Heinrich Wilhelm Matthies. Die nächste Generation bilden dann Hans Jens Eckmanns Eltern, Emma Maria „Mariechen“ und Walter Eckmann.

Die gerahmte Kopie einer Postkartenansicht zeigt das einstige Hotelgebäude (links) gegenüber von Amtsgericht und Stadtpark. Foto: Weselmann
Nach Wissen des Buxtehuders ist der Pepersche Familienbetrieb zu seiner Blütezeit das größte Hotel in und um die Altstadt - neben Mackenthun‘s in der Breiten Straße und Riebesell in der Langen Straße (Gebäude Lange Straße/Ecke Ritterstraße gegenüber von Optiker Franz). Eckmann hat nicht nur alte Ansichten und Fotos zum Hotel gesammelt. In seinem heimischen Fundus gibt es dazu noch ein handgeschriebenes Rezeptbuch, das wohl in der Hotelküche Verwendung fand.

Relikt von einem geschichtsträchtigen Ereignis in Peper's Hotel: In diesem Service soll Kaiser Wilhelm bei seinem Besuch in Buxtehude der Kaffee gereicht worden sein. Foto: Weselmann
In Ehren hält er außerdem ein historisches Erbstück. Im Wohnzimmer steht ein Ensemble alter Kannen. Aus diesen soll einst Kaiser Wilhelm während seines Besuchs in Buxtehude bei Peper‘s Hotel der Kaffee eingeschenkt worden sein.
Kurioser Fund erklärt den Ruin des Familienbetriebs
Nach dem Zweiten Weltkrieg aber gerät das Hotel in finanzielle Schieflage, so dass es Anfang der 1950er Jahre versteigert wird. „Es hieß immer, mein Vater habe den Rest vom Betrieb versoffen“, erzählt Jens Eckmann von dem Alkoholproblem, in dessen Folge seine Eltern schließlich getrennte Wege gehen. Den wahren Grund für die Unternehmensverschuldung findet der gebürtige Buxtehuder erst nach dem Tod seiner Mutter Anfang der 1970erJahre heraus.

Historische Aufnahme von dem alten Hotelgebäude in der Buxtehuder Bahnhofstraße. Foto: Weselmann
Beim Sichten ihres Nachlasses macht er eine unerwartete Entdeckung. Verborgen in einem Paket zusammengeschnürter Wäsche, die sie vermutlich als Teil der Aussteuer mitbekommen hatte, liegt ein Umschlag mit Wertpapieren. Für die hatte Eckmanns Opa das Hotel seinerzeit offenbar beliehen. Dieses spekulative Geschäft im Zuge der Währungsreform war wohl der eigentliche Auslöser für den Ruin. So wechselt das Hotel den Besitzer. Eckmanns Verbindung aber bleibt.
Hans Jens Eckmann wächst im süßen Paradies auf
Testamentarisch behält die Mutter ein lebenslanges Wohnrecht im Haus und arbeitet weiter im Betrieb. Mutter und Sohn beziehen drei Zimmer in der oberen Etage des Hotels, mit Blick auf den Stadtpark. Jens Eckmann wächst mittendrin im Kommen und Gehen der Gäste auf. „Als Schuljunge habe ich oft im Saal Brause ausgeschenkt“, erzählt er und blickt mit leuchtenden Augen zurück auf die Zeit.

Alte Postkarte von Peper's Hotel mit Foto vom Saal. Foto: Weselmann
Eimer und Lappen in der Hand, habe er auch schon als Fünfjähriger bei der Zimmerreinigung geholfen und die Fußleisten abgewischt. Die Handlangerarbeiten bringen ihn in einen besonderen Genuss. Einmal im Monat bekommt er fünf Mark. „So hatte ich immer Geld für Süßigkeiten in der Tasche“, erklärt der 80-Jährige. Direkt gegenüber vom Hotel gibt es damals einen Verkaufsstand, wo er seinen Lohn vorzugsweise in Brausebonbons umsetzt.

In Jens Eckmanns Fotosammlung findet sich auch ein Bild von seiner Mutter beim Eisverkauf. Foto: Privat
Überhaupt lebt Hans Jens Eckmann als Kind im süßen Paradies. Denn die Mutter arbeitet nicht nur im Hotel, irgendwann führt sie auch die Eisdiele nebenan. „Ich war damals das eisfressende Ungeheuer, das immer allen Rest essen durfte“, sagt Eckmann mit einem Lachen.
Peper‘s Hotel weicht dem Neubau der Este-Passage
Mit dem Abriss des alten Hauses ist Peper’s Hotel endgültig Geschichte. „Da wurde schon ein Stück Heimat platt gemacht“, sagt Eckmann. Seine eigene Geschichte mit dem Ort in der Bahnhofstraße reicht aber noch weiter.
Hier entsteht die Este-Passage, in der heute das Hotel am Stadtpark seinen Platz hat. Der neu gebaute Gebäudekomplex wird zur Heimat verschiedener Unternehmen. Viele Jahre hat auch Hans Jens Eckmann hier sein berufliches Zuhause.
Der Estering-Macher hat seinen Laden am gleichen Ort
Als gelernter Kfz-Mechaniker heuert er bei „Rallye Rajski“ an und übernimmt später die Firmenleitung. 1986 verlegt das Fachgeschäft für Autozubehör seinen Standort in die Bahnhofstraße 5 (bis vor kurzem Bastelparadies). So führt Eckmann schließlich im Karree des einstigen Peperschen Familienbetriebs ein eigenes Unternehmen fort.

Wo früher Peper's Hotel stand, ist heute die Este-Passage mit Foto Schattke zu finden. Foto: Sulzyc
Hans Jens Eckmann ist noch in anderer Hinsicht untrennbar mit Autos und Motorsport verbunden. Jahrzehnte wirkt er im Vereinsvorstand des Esterings und leistet seinen Anteil im Kampf um den Erhalt der Buxtehuder Rallyecross-Rennstrecke - seine zweite Heimat in der Stadt. „Lange Zeit habe ich meinen Jahresurlaub auf dem Estering verbracht und gleich zwei Ehen gelassen“, erzählt er.
Das Geschehen am Estering verfolgt er heute lieber aus der Ferne. Es ist einfach zu laut. Sein eines Ohr ist taub, so dass er auf das andere um so mehr achtet. Und er weiß eines genau: „Wenn ich erst mal da bin, fass ich gleich wieder mit an.“
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