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Berufspendler-Test

TVon Buxtehude nach Hamburg: Als Pendler unterwegs im Baustellenchaos

Der Startpunkt: Am ZOB in Buxtehude.

Der Startpunkt: Am ZOB in Buxtehude. Foto: Wisser

Eine Fahrt von Buxtehude nach Hamburg. Der Selbstversuch zeigt, wie es ist, mit Bus und Fähre zur Arbeit zu gelangen. Ist dieser Weg für Berufspendler praktikabel?

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Von Karsten Wisser
Montag, 11.05.2026, 17:30 Uhr

Buxtehude. Montagmorgen am ZOB in Buxtehude. Trostlos. An den Haltestellen herrscht gähnende Leere. Über Nacht ist es richtig kalt geworden. Die Versuchsanordnung für den TAGEBLATT-Pendler-Test sieht zwei Routen nach Hamburg vor. Diese Variante: mit der Linie 2040 von Buxtehude nach Finkenwerder zur Fähre. Weiter geht es mit der HADAG-Fähre zu den Landungsbrücken, von dort mit S- oder U-Bahn zum Hauptbahnhof.
Der Bus fährt um diese Zeit nur stündlich. Also geht es um 6.40 Uhr los. TAGEBLATT-Kollege Thomas Sulzyc, der den Schienenersatzverkehr nutzt, soll am Hauptbahnhof Hamburg nicht zu lange warten. Die Baustellen auf der Bundesstraße B73, der Bahnstrecke zwischen Wilhelmsburg und Neugraben und der Kreisstraße K39 haben die Fahrgastzahlen am ZOB nicht in die Höhe getrieben.

In Buxtehudes Innenstadt steigen zwölf Fahrgäste mit mir ein, inklusive der Haltestellen bis zum Kulturforum. Die nächsten Haltestellen bleiben leer, niemand will raus. Also geht es flott weiter. Um 6.50 Uhr hält der Bus in Estebrügge. Auf dem Weg nach Jork füllt er sich langsam. In Jork am Marktplatz steigt die Hälfte der Passagiere aus. Es ist 7 Uhr.

Zur Arbeit fahren, wo andere Urlaub machen

Die Strecke führt durch eine Region, in der andere Urlaub machen – und in der die ZDF-Serie „Neuer Wind im Alten Land“ spielt. Ein Paradies aus Obstplantagen, alten Fachwerkhöfen mit Prunkpforten, Deichen und Schafen. Gedanklich setze ich hier die erste Markierung. Ein toller Weg für den Start einer Tagestour nach Hamburg.

Fast eine kleine Hafenrundfahrt: Die Linie 62 verkehrt zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken.

Fast eine kleine Hafenrundfahrt: Die Linie 62 verkehrt zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken. Foto: Wisser

Aber taugt er für Pendler? Eine der drei Baustellen, die den Menschen in den nächsten Wochen das Leben schwer machen, zwingt den Bus an der Kreisstraße K39 vor einer roten Baustellenampel zum Anhalten. Es ist schon 7.12 Uhr. Die Route zur Fähre bleibt spannend. Das Este-Sperrwerk, die ehemalige Sietas-Werft, das Airbus-Werk in Finkenwerder. Aus dem Busfenster gibt es viele Flugzeuge zu sehen. Von den Fahrgästen, die in Buxtehude eingestiegen sind, steigen in Finkenwerder alle aus.

Das ist fast eine kleine Hafenrundfahrt

In der Benittstraße, kurz vor der Fähre, ist die 2040er-Busfahrerin noch einmal gefragt. Enge Straße, parkende Autos, Gegenverkehr. Sie meistert das souverän. Der Fußweg von der Bushaltestelle zur Dampferbrücke führt direkt ans Wasser. Nach sechs Minuten Wartezeit legt um 7.49 Uhr die HADAG-Linie 62 Richtung Landungsbrücken ab. Die Fähre fährt im 15-Minuten-Takt. Rund 70 Menschen gehen an Bord.

Mit Sonne und höheren Temperaturen müsste ich Skrupel haben, die Fahrt als Arbeitszeit zu verbuchen. Sie wirkt wie eine kleine Hafenrundfahrt. Die HADAG hält am Museumshafen Övelgönne. Da bin ich 1 Stunde und 20 Minuten unterwegs. Die Fähre braucht 26 Minuten bis zu den Landungsbrücken. Hier riecht es früh am Morgen nach Fischbrötchen. Lecker zwar, aber auf leeren Magen bin ich froh, dass der Duft an den Landungsbrücken bleibt.

Ist das eine Alternative für Berufspendler?

Der Rest des Wegs zum Hauptbahnhof geht zügig. Am Bahnhof Landungsbrücken fahren die S1, die S3 und die U3. Alle auch zum Hauptbahnhof. Die letzte Etappe beginnt um 8.21 Uhr und endet um 8.30 Uhr am Hauptbahnhof Süd. Die U-Bahn-Fahrt ist eine gute Gelegenheit, den Kollegen zu kontaktieren. „Ich sitze im Bus in Wilhelmsburg“, schreibt er. Am Ende werde ich 40 Minuten auf ihn warten. Das überrascht.

Mein Fazit: In normalen Zeiten taugt diese Strecke für Berufspendler nicht als Alternative. Ich brauchte 1 Stunde und 50 Minuten. Da mein Kollege 1 Stunde und 44 Minuten unterwegs ist, können Bus und Fähre für die nächsten 14 Tage trotzdem eine Option sein, vor allem mit dem Deutschlandticket für 63 Euro. Für den nächsten Familienausflug ist die Tour gesetzt.

Gelandet an den Landungsbrücken.

Gelandet an den Landungsbrücken. Foto: Wisser

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