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Stichwahl

TVon Glückssocken, Wahlmampf und einem verspäteten Stader Bürgermeister

Fairer Verlierer: Jörg Baumann, der für Parteilos Stade im ersten Wahlgang ausschied, gratuliert Kai Koeser.

Fairer Verlierer: Jörg Baumann, der für Parteilos Stade im ersten Wahlgang ausschied, gratuliert Kai Koeser. Foto: Strüning

Am Ende konnte es nur einen geben: Kai Koeser (SPD) schlägt Arne Kramer (CDU). Wie die Kandidaten und ihre Gefolgschaften mit dem Ergebnis umgehen.

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Von Lena Stehr,
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Von Lars Strüning
28.09.2026, 17:50 Uhr

Stade. In der Stader Seminarturnhalle startet CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer in den Wahlabend. 150 Gäste sind geladen. An Kramers Seite sind unter anderem seine Frau Ann-Christin - genannt „Atty“ -, die drei Söhne des Paares, Kramers Schwester und seine Schwiegereltern.

150 Gäste waren zur CDU-Wahlparty in die Stader Seminarturnhalle eingeladen.

150 Gäste waren zur CDU-Wahlparty in die Stader Seminarturnhalle eingeladen. Foto: Stehr

Seine beiden Töchter begleiten Kai Koeser in die Deluxxe-Bar am Fischmarkt. Die Stimmung ist entspannt, der Besuch noch übersichtlich. Wie sich Koeser fühlt nach anderthalb Jahren Wahlkampf? „Wie vor einer OP“, sagt er im Scherz. Noch werden Wasser und Softdrinks bestellt. Das wird sich im Laufe des Abends ändern. Die Stimmung kippt gen Champagner.

Frustessen bei der CDU mit Fingerfood

Als Kramer das Büfett eröffnet, ahnt noch niemand, dass sich hier später alle zum Frustessen wiedertreffen. Neben Fingerfood-Leckereien von Mo Karami aus dem Memories gibt es spezielle CDU-Knabbereien - „Wahlmampf - für Politik mit Biss“ steht auf den Tüten.

Seine Söhne begleiten Arne Kramer gegen 18.30 Uhr auf dem Weg ins Rathaus. Beim Gang durchs Parkhaus und beim Warten auf den Fahrstuhl ist dem CDU-Mann die Anspannung anzumerken.

Glückwunsch vom Wahlleiter Carsten Brokelmann (rechts): Kai Koeser mit Blumen im Königsmarcksaal.

Glückwunsch vom Wahlleiter Carsten Brokelmann (rechts): Kai Koeser mit Blumen im Königsmarcksaal. Foto: Strüning

Die Sozialdemoktraten haben die Ruhe weg. Sie staunen über die guten Wahlergebnisse. Koeser holt ein Wahllokal nach dem anderen, auch dort, wo Kramer im ersten Wahlgang vor zwei Wochen noch die Nase vorn hatte. Schafft er es wirklich? Der Stimmenvorsprung ist immens. Er liegt bei 1000. Tendenz: steigend.

Im Rathaus: Technik streikt, Kandidaten verpassen sich

Die aktuellen Hochrechnungen müssen die Gäste im Königsmarcksaal zunächst auf dem Handy aufrufen - es gibt technische Probleme bei der Übertragung auf die große Leinwand. Dann kommt der große Moment.

Weil es im Rathaus technische Probleme gab, mussten sich Arne Kramer (Mitte) und seine Unterstützer sowie alle anderen Besucher anfangs per Smartphone über den aktuellen Stand informieren.

Weil es im Rathaus technische Probleme gab, mussten sich Arne Kramer (Mitte) und seine Unterstützer sowie alle anderen Besucher anfangs per Smartphone über den aktuellen Stand informieren. Foto: Stehr

Die Stimmung ist gedrückt, als Wahlleiter und Stadtrat Carsten Brokelmann um 19.04 Uhr das offizielle Ergebnis der Stader Bürgermeisterwahl verkündet. Zu diesem Zeitpunkt ist von den beiden Stichwahl-Kandidaten nur Wahlverlierer Arne Kramer anwesend. Brokelmann verlässt die Bühne ohne jeden Applaus. Geisterstimmung.

6000 Briefwähler - trotzdem schwache Wahlbeteiligung

Gewählt wurde in Stade in 33 Wahllokalen, davon sechs Briefwahllokale. Insgesamt waren 264 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Einsatz. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,3 Prozent. 6000 Menschen nutzten die Briefwahl.

Arne Kramer verließ kurz nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses nahezu fluchtartig das historische Rathaus. Wahlsieger Kai Koeser war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im Rathaus angekommen.

Arne Kramer verließ kurz nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses nahezu fluchtartig das historische Rathaus. Wahlsieger Kai Koeser war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im Rathaus angekommen. Foto: Stehr

Der frisch gewählte Bürgermeister lässt auf sich warten. Ein etwas unglücklicher Start ins neue Amt, doch auch Arne Kramer hält sich nicht an die Regeln. Anstatt auf den Wahlsieger zu warten und ihm zu gratulieren, verlässt Kramer um 19.07 Uhr mit seinen Leuten nahezu fluchtartig das Gebäude. Die Enttäuschung sitzt tief.

Koeser zieht ins Rathaus ein wie ein Gladiator mit seiner Entourage. Schulterklopfen, Händeschütteln, Tränen in den Augen. Die SPD hat das Rathaus im Griff.

Einzug des neuen Bürgermeisters im alten Rathaus: Kai Koeser kommt in den Königsmarcksaal, etwas verspätet.

Einzug des neuen Bürgermeisters im alten Rathaus: Kai Koeser kommt in den Königsmarcksaal, etwas verspätet. Foto: Strüning

Mit Gejohle und rhythmischem Klatschen feiert sie ihren Kandidaten. Der steht auf der Bühne mit dem Blumenstrauß von Wahlleiter Brokelmann in der Hand und guckt ungläubig in die Runde.

Elif Aydin zeigt die Wahl-Mampf-Knabberei, für Politik mit Biss. Am Ende griffen wohl viele aus Frust in die Tüte.

Elif Aydin zeigt die Wahl-Mampf-Knabberei, für Politik mit Biss. Am Ende griffen wohl viele aus Frust in die Tüte. Foto: Stehr

Auf der Bühne der Seminarturnhalle ringt Arne Kramer mit den Tränen. Er zieht die Krawatte aus, knöpft den obersten Knopf seines weißen Hemdes auf. Tosender Beifall bricht aus, bevor er seiner Frau und seiner Wahlkampfhelferin Nummer eins, Elif Aydin, riesige Blumensträuße überreicht.

Stader SPD jubelt: „Yes we can, 55,9 Prozent“

Bei der SPD im Deluxxe haben es sich die Kreisvorsitzenden Corinna Lange aus Deinste und Frauke Langen aus Harsefeld mit einem Champagner auf dem Sofa bequem gemacht. Hinter ihnen prangt auf einem großen Bildschirm weiß auf rot: „Yes we can, 55,9 Prozent.“ Lange hat extra ihre Glückssocken angezogen. Die hat sie von der Schornsteinfeger-Innung geschenkt bekommen, sie scheinen gute Dienste zu leisten.

Haben geholfen: Corinna Lange trug zum Wahlabend Glückssocken.

Haben geholfen: Corinna Lange trug zum Wahlabend Glückssocken. Foto: Strüning

Unter anderem der Chefarzt im Ruhestand Dr. Benno Stinner oder Ex-Stadeum-Chef Egon Ahrens wollten heute zusammen mit Arne Kramer feiern. Das gleiche hatten wohl Unterstützer wie Prof. Henning Hoins, Lindemann-Chef Friedrich Witt oder Ulrich Wiegel, Vorsitzender vom Altstadtverein Buxtehude, vor. Stattdessen müssen sie Kramer jetzt gut zureden. Er sei doch noch so jung, hätten ihm viele mit auf den Weg gegeben, sagt Kramer.

Der Landrat gratuliert Sieger und Verlierer

Er hält sich wacker nach der Niederlage, plaudert und lacht sogar gelegentlich mit seinen Unterstützern. Zu denen zählt auch Kai Seefried. Der machte seinem Ruf als omnipräsenter Landrat mal wieder alle Ehre.

Landrat Kai Seefried (links) drückte als Privatperson Arne Kramer die Daumen, sagt er. Er freue sich aber auch auf die Zusammenarbeit mit Kai Koeser. "Das Wahlergebnis war deutlich."

Landrat Kai Seefried (links) drückte als Privatperson Arne Kramer die Daumen, sagt er. Er freue sich aber auch auf die Zusammenarbeit mit Kai Koeser. "Das Wahlergebnis war deutlich." Foto: Stehr

Seefried kam direkt aus dem Kurzurlaub und vom Michaelis-Empfang in der St.-Wilhadi-Kirche rüber in die Seminarturnhalle - um seinen Freund Arne Kramer in den Arm zu nehmen. Danach ging es für ihn direkt weiter zu Wahlsieger Kai Koeser und von dort zum neuen Buxtehuder Bürgermeister Ralf Dessel.

Zweimal Kai: Landrat Kai Seefried (CDU, rechts) gratuliert Kai Koeser (SPD).

Zweimal Kai: Landrat Kai Seefried (CDU, rechts) gratuliert Kai Koeser (SPD). Foto: Strüning

Gegen 21 Uhr haben sich auch einige andere schon aus der Seminarturnhalle verabschiedet. Übrig bleiben viele leere Chipstüten.

In der Deluxxe-Bar bei Wirtin Sonja Pohlmann - bewusst im roten Pullover - ist die Stimmung prächtig. Hier geht die Party bis Mitternacht. Die SPD hat was zu feiern.

Wahlleiter und Stadtrat Carsten Brokelmann ist froh, dass sein Horrorszenario nicht eingetreten ist. Hätten beide Kandidaten genau gleich viele Stimmen bekommen, hätte er den Bürgermeister per Los bestimmen müssen.

Wahlleiter und Stadtrat Carsten Brokelmann ist froh, dass sein Horrorszenario nicht eingetreten ist. Hätten beide Kandidaten genau gleich viele Stimmen bekommen, hätte er den Bürgermeister per Los bestimmen müssen. Foto: Stehr

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Fairer Verlierer: Jörg Baumann, der für Parteilos Stade im ersten Wahlgang ausschied, gratuliert Kai Koeser.

Fairer Verlierer: Jörg Baumann, der für Parteilos Stade im ersten Wahlgang ausschied, gratuliert Kai Koeser. Foto: Strüning

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